Nur's Beauty Atelier — Print-Materialien

Der Print-Leitfaden

Visitenkarten, Flyer, Gutschein-Karten und Einladungen für einen Premium-Salon. Welche Formate wann sinnvoll sind, wie sie gestaltet werden, wo sie verteilt werden und wie sie produziert werden — ohne Stockfotos, ohne Ausrufezeichen, ohne Couché-Glanz.

Version 1.0 · April 2026

Wann Print sich lohnt

Print ist kein Marketing-Kanal — Print ist ein Gesprächsträger. Eine Karte wirkt nicht, weil sie gedruckt ist. Sie wirkt, weil jemand sie einer anderen Person in die Hand drückt.

Die meisten Salons drucken zu viel und verteilen es falsch. Für einen Premium-Salon im Allgäu entscheidet nicht das Design, sondern der Moment der Übergabe über die Wirkung jedes gedruckten Stücks.

1.1 Die Premium-Regel

Print lohnt sich nur, wenn das Stück warm übergeben wird — Hand zu Hand, in einer Welcome-Bag, in einer Partner-Auslage, auf einem Messe-Tisch, als Nachsorge-Mitgabe. Alles andere ist in neun von zehn Fällen verschenktes Geld.

Warm heißt: Die Person, die das Stück bekommt, hat gerade einen realen Kontaktpunkt mit dir, deinem Salon oder mit einer Partnerin, die dich empfiehlt. Der Druck ist nicht der Erstkontakt — er ist das physische Echo eines bereits stattgefundenen Erlebnisses. Genau deshalb wirkt er.

Übergabe-ArtWirkungWarum
Hand zu Hand nach BehandlungSehr hochKundin emotional positiv, physischer Kontakt verstärkt Bindung
Partner-Auslage (Friseur, Boutique)HochOrt signalisiert Vertrauens­vorschuss durch Empfehler-Kontext
Welcome-Bag beim ErstbesuchHochTeil eines Rituals, nicht isoliertes Werbemittel
Messe-Tisch, aktiv gereichtMittel bis hochDirekter Dialog, Stück als Gedächtnisstütze
Briefkasten-VerteilungSehr geringKein Kontext, landet zwischen Pizza-Flyern
Auto-Scheibenwischer, FußgängerzoneNegativWirkt aufdringlich, beschädigt die Marke aktiv
Kalte Verteilung ist bei Premium-Beauty fast immer Geldverschwendung

Briefkasten-Wurfsendungen, Auto-Scheibenwischer, Fußgänger­zonen-Stecken — das alles funktioniert für Pizza und Fitness-Studios in einer Preis­klasse, in der 10 € Rabatt einen Menschen bewegen. Für eine 240-€-Behandlung wirkt dieselbe Mechanik ab­wertend. Die Person, die sich PMU oder Wimpern­verlängerung leistet, entscheidet nicht über einen Flyer im Briefkasten. Sie entscheidet über Vertrauen — und Vertrauen entsteht nicht durch Zufallsauslieferung.

1.2 Die Faustregel

Eine warme Übergabe schlägt 500 kalte Verteilungen. Wer 500 Visitenkarten hat und sie in 12 Monaten alle persönlich übergibt, hat mehr erreicht als jemand mit 5.000 Flyern im Briefkasten.

Das bedeutet: Die Stückzahl ist nicht das Problem. Die Übergabe-Gelegenheiten sind das Problem. Wer nicht genug Hand-zu-Hand-Momente hat, soll keine Flyer drucken — sondern an den Moment­en arbeiten (siehe Partner-Scouting-Guide).

1.3 Wann doch Kalt-Verteilung

Es gibt präzise Ausnahmen, in denen ungefragte Verteilung sinnvoll ist. Alle haben gemeinsam: die Zielgruppe ist im Moment der Übergabe empfänglich, weil sie sich in einem passenden Kontext befindet.

Die vier legitimen Ausnahmen

  • Neu bezogene Wohnviertel im 15-Minuten-Radius um Kempten — Neubürgerinnen suchen aktiv lokale Anbieter in den ersten drei Monaten
  • Hotel-Lobbys mit Wellness-Angebot — Gäste haben Zeit, suchen Beauty-Leistungen und bringen ein höheres Preisniveau mit
  • Wellness-Zentren, Yoga-Studios, Kosmetik-kompatible Sport-Clubs — Kontext-Überlappung, passende Preisklasse
  • Brautmoden-Geschäfte, Goldschmiede, Foto-Ateliers — Hochzeits-Funnel mit langer Vorbereitungs­zeit

Auch diese Ausnahmen funktionieren nur mit Auslage (nicht mit Verteilung) und idealerweise mit einer Partnerin, die die Auslage bewusst platziert. Details zur Partner-Akquise im Partner-Scouting-Guide.

Der Format-Katalog

Sechs Formate reichen für einen Premium-Salon über Jahre. Jedes hat einen klaren Einsatz-Kontext — wer alle sechs ohne Überschneidung nutzt, hat ein vollständiges Print-System.

2.1 Die sechs Pflicht-Formate

FormatEinsatzPapierSweet-SpotPreis 2026Anbieter
Visitenkarte 85×55Jeder Abschied, Partner-Auslage, Welcome-Bag350–400 g Naturpapier oder Soft-Touch, Prägung250 Start, 500 nach 6 Monaten60–90 € (500) Saxoprint · 120–160 € Moo · 90–130 € lokalSaxoprint Standard, Moo Luxe Sonder­edition
A6 PostkarteEvent-Einladung, Saison-Angebot, Dankeskarte350 g matt, ungestrichen100–250 pro Anlass35–55 € (250)Saxoprint, WIRmachenDRUCK
A5 FlyerNachsorge-Mitgabe, Service-Übersicht, Partner-Auslage300 g matt, ungestrichen500 pro Kampagne oder Halbjahr50–75 € (500) · 90–120 € lokal KemptenSaxoprint, WIRmachenDRUCK, lokal
DIN lang 99×210 3-Fach-FaltService-Broschüre für Erstgespräch, iPad-Alternative170 g matt, gefalzt100–25070–110 € (250)Saxoprint, Flyeralarm
10×15 KlappkarteHochwertige Einladung, Gutschein-Karte mit Umschlag300–350 g matt, innen unbedruckt50–100 pro Anlass55–90 € (100)Moo, Printpark, lokal
A7 Voucher (74×105)Weiterempfehlungs-Karte, Bonus-Gutschein350 g matt, Prägung auf Wertzahl250 pro Halbjahr35–60 € (250)Saxoprint, Moo

Alle Preise für matten Digital- oder Offsetdruck ohne Versand, Stand April 2026. Prägungen und Heißfolie erhöhen den Preis je um 25–45 %. Kleinauflagen bei lokalen Druckereien sind pro Stück teurer, dafür ist die Kommunikation kurz und Nachdrucke gehen innerhalb weniger Tage.

2.2 Visitenkarte — der Deep-Dive

Die Visitenkarte ist das einzige Print-Stück, das bei einer Premium-Positionierung nicht weggelassen werden darf. Sie wird täglich benutzt, reist mit, landet in Geldbörsen, wird weitergereicht. Jede andere Investition kann verschoben werden — die Karte nicht.

Papier

350 g matt ist die Untergrenze. 400 g fühlt sich deutlich besser an und trägt die Marke glaubhafter. Naturpapier (unbeschichtet, leicht raue Oberfläche) wirkt handwerklich und warm — es passt zur Allgäu-Positionierung und fühlt sich wertig an, ohne glatt zu wirken. Soft-Touch (laminierte, samtige Oberfläche) wirkt urbaner und kontrollierter — beide sind vertretbar, eine Mischung ist es nicht.

Prägung — die ROI-höchste Veredelung

Eine Blindprägung (farblos, nur geprägt) des Logos oder des Monogramms kostet pro 500er-Auflage etwa 25–40 € Aufpreis. Sie verwandelt die Karte vom Druck zum Objekt. Heißfolie (Rose­gold, Champagner) ist teurer (40–70 € Aufpreis) und auffälliger — bei mattem Papier wirkt sie sehr hochwertig, bei Soft-Touch überladen. Wer eine einzige Veredelung wählt: Blindprägung.

Rückseite — drei Varianten

Variante A
Leer
  • Nur Farbfläche (Ivory, Soft-Blush oder Noir)
  • Handschriftliche Notiz möglich — Name der Kundin, persönliche Widmung
  • Empfohlene Standard-Variante für 70 % der Karten
Variante B
Aftercare-Mini
  • Drei Zeilen Nachsorge-Hinweis für PMU oder Wimpern­ver­längerung
  • Als Ergänzung zur großen Nachsorge­karte, für den Fall der Fälle
  • Rechtlich auf Heilversprechen prüfen (siehe Kap. 6)
Variante C
Stempel-/Treuefeld
  • 5–8 Felder für Stempel nach Behandlung
  • Rückseiten-Druck, Stempel durch Salon selbst
  • Nur sinnvoll für kleine Zusatz-Leistungen, nicht für Haupt­behandlungen
Pflicht Vorderseite
Anatomie
  • Salon-Name oder Monogramm (größtes Element)
  • Eigener Name und Rolle
  • Eine Telefon- oder WhatsApp-Nummer, eine Adresse, eine URL
  • Keine Social-Handles, keine Fax-Nummer, kein QR-Code auf der Vorderseite

Weglass-Regeln

2.3 Flyer — Einsatz-Pairings

Nicht jeder Flyer ist ein A5 — und nicht jedes A5 ist ein Flyer. Die drei relevanten Flyer-Formate adressieren unterschiedliche Momente.

FormatPassender MomentWas draufgehört
A5 einseitigNachsorge-Mitgabe, Partner-Auslage auf kleinen ThekenEin Angebot, eine Frist, ein Kontakt-Kanal
A5 doppelseitigService-Übersicht für Erstgespräch, Messe-MitgabeVorderseite Claim + Angebot, Rückseite Service-Kurzliste
A6 PostkarteSaison-Aktion, Dankeskarte, KleinanlassEin Satz, ein Datum, ein CTA — mehr geht auf A6 nicht
DIN lang 3-FachBeratungs-Begleiter, Welcome-Bag-EinlegerCover, Geschichte, Leistungen, Preise, Kontakt — je Falz ein Thema
Visuelle Konsistenz

Farben, Schriften und Logo-Einsatz sind im Style-Guide definiert — dieser Guide wiederholt sie nicht, sondern setzt sie voraus. Wer einen Flyer designen lässt, gibt der Grafikerin beide Guides mit (siehe Kap. 6, Designer-Brief).

Inhalt & Typografie

Gute Print-Stücke haben eine klare Architektur — jedes Element hat eine Aufgabe, nichts ist Dekoration. Die Regeln sind eng, und genau das macht sie premium.

3.1 Inhalts-Skelette

Vier Skelette decken 90 % aller Print-Anlässe ab. Wer von ihnen abweicht, sollte einen Grund nennen können.

A5 Flyer — einseitig Hero-Claim (1 Zeile) Cormorant, groß, ruhig. Kein Ausrufezeichen. Beweis (1–2 Sätze oder 1 Foto) Vorher-Nachher-Foto oder ein Satz mit konkretem Ergebnis. Angebot (1 Zeile + Frist) Nur ein Angebot. Mit klarem Gültigkeitsdatum. Call-to-Action (1 Zeile) „Termin via WhatsApp: 0170 …" — ein Weg, nicht drei. Kontakt-Fuß (1–2 Zeilen) Salon-Name, Adresse, URL. Klein, aber lesbar (≥ 8 pt).
DIN lang 3-Fach-Falt — Beratungs-Begleiter Fläche 1 (Cover geschlossen) Logo, Claim, ein ruhiges Foto. Fläche 2 (1. Innenseite) Geschichte des Salons — 60–80 Wörter, erste Person. Fläche 3 (Mittelpanel) Leistungen als strukturierte Liste. Keine Marketing-Prosa. Fläche 4 (3. Innenseite) Preise oder Preis-Ranges. Transparent, keine Sternchen. Fläche 5 (Rückseite) Kontakt-Block, Öffnungszeiten, Adresse, QR-Code zu WhatsApp. Fläche 6 (äußere Klappe) Ein Zitat oder ein sensorisches Detail zur Stimmung des Salons.
Visitenkarte — Anatomie Vorderseite Zeile 1: Salon-Monogramm oder Wortmarke (größte Setzung) Zeile 2: Dein Name · Rolle (klein, Inter) Zeile 3: Telefon/WhatsApp · Instagram-Handle (optional) Zeile 4: URL · Adresse-Straße · PLZ Ort Rückseite Farbfläche (Ivory, Soft-Blush oder Noir) mit ggf. mittigem Monogramm. Platz für handschriftliche Notiz.
Event-Postkarte (A6) — Einladung Zeile 1 (Cormorant, groß) Anlass. „Eröffnung. Frühjahrs-Event. Bridal-Abend." Zeile 2 (Cormorant, kleiner) Datum · Uhrzeit · Ort. Block Mitte (Inter, klein) 2–3 Sätze: Was erwartet die Gästin. Was wird serviert. Was ist das Versprechen. Unten rechts „Zusage bis [Datum] via WhatsApp: 0170 …"

3.2 Typo-Regeln

Nicht verhandelbar

  • Cormorant Garamond für Claims, Headlines und Zitate
  • Inter für Fließtext, Kontakt-Blöcke und Listen
  • Minimum 7 pt auf Visitenkarten, Minimum 10 pt auf Flyern
  • Kontrast zwischen Text und Hintergrund ≥ 4.5:1 (prüfen, nicht schätzen)
  • Maximal zwei Hierarchie-Stufen pro Stück — eine für den Hauptgedanken, eine für alles andere
  • Kein Blocksatz — Flatter­satz links­bündig, in Ausnahmen zentriert
  • Keine dritte Schriftart — auch nicht für Akzente
  • Weißraum als aktives Gestaltungs­element, nicht als Rest

3.3 QR-Code-Logik

Ein QR-Code ist kein Design-Element, sondern eine Konversions-Brücke. Er hat genau eine Aufgabe: den Finger der Leserin in den richtigen Kanal bringen. Niemals auf die generische Homepage, immer auf einen definierten Ziel-Kontext.

ZielConversion für BeautyEinsatzTradeoff
WhatsApp-Chat (wa.me-Link)Sehr hochVisitenkarte, A5 Flyer, PostkarteErfordert verfügbare Reaktionszeit; bei gutem Antwort­fenster der stärkste CTA
Buchungs-Kalender-LinkHochNachsorge-Flyer, Partner-Auslage bei Stamm­kunden­gebundenen PartnernÜberspringt Beratungs-Gespräch — bei erklärungs­bedürftigen Leistungen riskant
Instagram-ProfilMittelEvent-Einladung, Messe-MaterialBindet an Plattform, Funnel ist lang; ohne Kontakt-Ziel lose
Spezifische LandingpageHoch bei KampagneSaison-Aktion, Gutschein­karteBraucht gepflegte Seite; ohne Pflege wirkt sie schnell alt
Generische HomepageNiedrigNieKeine Handlung nach Scan — Abbruch­quote hoch

3.4 UTM-Parameter für Tracking

Jeder QR-Code auf einem Print-Stück bekommt einen eigenen Tracking-Marker — sonst ist nie klar, was wirkt. Schema:

UTM-Schema für Print ?utm_source=flyer-[kontext]&utm_medium=print&utm_campaign=[anlass] Beispiele: ?utm_source=vk-salon&utm_campaign=evergreen · ?utm_source=flyer-friseur-mueller&utm_campaign=fruehjahr-2026 · ?utm_source=postkarte-eroeffnung&utm_campaign=launch · ?utm_source=voucher-a7&utm_campaign=empfehlung

Die Werte sind willkürlich, aber konsistent — einmal ein Schema festgelegt, nicht mehr ändern. In der Web-Analytik taucht dann jede eingescannte Karte mit ihrem Kontext auf. Ohne UTM ist Print ein Blindflug.

Do's & Don'ts

Die acht wichtigsten Richtungsent­scheidungen — für jedes Paar gibt es eine Variante, die Premium wirkt, und eine, die sie zerstört. Dazwischen liegt wenig.

Do's — so wirkt jedes Stück wie geplant

1. Eigenes Hero-Foto. Ein Foto aus dem eigenen Salon, mit der eigenen Hand, mit der eigenen Kundin (mit Consent, siehe Foto-Einwilligung). Keine Bildagentur.

2. Ein Angebot mit Frist. Ein einziges Angebot pro Stück. Datum als Anker, nicht „solange der Vorrat reicht".

3. Ein Kontakt-Kanal. Eine Telefon-Nummer oder ein WhatsApp-Kontakt oder eine URL. Nicht alle drei gleichzeitig.

4. Ruhige Typo-Hierarchie. Ein großer Titel, ein mittlerer Satz, kleine Kontakt-Zeile. Mehr Stufen ertragen die Formate nicht.

5. Bewusster Weißraum. Mindestens 8 mm Rand zu allen Kanten, innerhalb eher mehr. Premium wirkt durch Leere.

6. Druckdatum als versteckter Hinweis. Unten rechts, 5 pt, z. B. „04/2026". Hilft beim Nachbestellen und signalisiert Professionalität.

7. Papier fühlbar. 350 g aufwärts, matt, ungestrichen. Wer nur mit dem Auge vergleicht, unterschätzt die Haptik.

8. Ein Designer-Durchgang. Jedes Stück mindestens einmal durch eine Grafikerin, auch wenn selbst gesetzt. Das Auge einer Fachperson fängt Fehler ab, die zum Standard werden.

Don'ts — was Premium-Positionierung sofort zerstört

1. Stockfotos. Auch die teuren. Die Zielgruppe erkennt sie, und der Moment des Erkennens ist der Moment der Ab­wertung.

2. Drei Angebote parallel. Jedes zusätzliche Angebot halbiert die Klarheit. Lieber drei Flyer mit je einem Angebot.

3. Fax-Nummer. Signalisiert Praxis aus 2005, nicht Premium-Salon 2026.

4. Ausrufezeichen-Stapel. „Jetzt buchen!!!" ist das Gegenteil von Premium. Punkt reicht.

5. Hashtag-Wolken. Hashtags gehören auf Social Media, nicht auf Print. Auf Papier wirken sie laut und leer.

6. Glanz-Couché. Glänzendes Papier wirkt wie Werbeprospekt. Matt oder Naturpapier ist der Premium-Code.

7. Mehrere Schriftarten. Jede zusätzliche Schriftart zieht die Aufmerksamkeit von der Botschaft ab.

8. Claim ohne Substanz. „Wir lieben Schönheit" sagt nichts. Ein Claim muss entweder konkret oder poetisch sein — niemals beliebig.

Verteilung & Kanäle

Wo landen die gedruckten Stücke? Neun Kanäle sind relevant, drei davon tragen den größten Anteil. Für jeden gibt es eine Rolle im System.

5.1 Kanal-Matrix

Kanal Effektivität Aufwand Stück/Monat Anmerkung
Eigener Salon-EmpfangSehr hochMinimal30–60Visitenkarten-Schale plus ausliegender A5-Flyer
Welcome-Bag für ErstbesuchHochGering15–25DIN lang Falt + Visitenkarte + Aftercare-Karte
Partner-Auslage FriseurinHochMittel (Akquise)20–40A5 einseitig + VK-Schälchen; Partnerin muss aktiv reichen
Partner-Auslage Boutique / GoldschmiedeMittel bis hochMittel15–30Hochzeits-Funnel, Postkarte mit Frühjahrs-Offer
Apotheke / CaféMittelNiedrig15–30Schnelle Frequenz, mittlere Zielgruppen­passung
Hotel-Lobby mit WellnessHochMittel20–40A5 Flyer plus Gast-Rabatt-Voucher A7
Wellness-Zentrum / Yoga-StudioMittel bis hochMittel15–25Kontext­überlappung funktioniert
Messe-StandMittelHoch100–300 pro TagNur an sprechend reichen, nicht auf Tisch stapeln
Direct-Mailing BriefkastenSehr niedrigHochNur bei Neubauten im 15-Minuten-Radius, ansonsten vermeiden
Goodie-Bag bei Event-KooperationHochMittel50–200 pro EventEinmal­-Schub, gute Lead-Qualität bei passendem Event

5.2 Übergabe-Choreografie Visitenkarte

Die stärkste Mechanik für organisches Wachstum ist die „Nimm-drei"-Übergabe am Ende jeder Behandlung. Sie wirkt nur, wenn sie ruhig und konkret formuliert ist — nicht als Bitte, nicht als Verkauf.

Script · Visitenkarten-Übergabe am Behandlungs-Ende

„Ich leg dir drei Karten dazu. Eine für dich, zwei für Freundinnen, bei denen du denkst, dass es passen könnte. Wenn jemand davon kommt und deinen Namen nennt, bekommt ihr beide 15 € auf den nächsten Termin."

Drei Elemente machen den Unterschied:

Details zum Empfehlungs-Code, dessen Gutschein-Wert und der Abwicklung: Marketing-Plan, Kap. 10 (Empfehlungs-Maschine).

5.3 Seasonal-Kalender

Ein Premium-Salon druckt nicht laufend — er druckt zu vier bis sechs Anlässen pro Jahr. Jeder Anlass hat sein eigenes Format.

MonatAnlassFormatBestell-Rhythmus
JanuarNeujahrs-Reset, Jahres-Gutschein­kampagneA7 Voucher, A6 PostkarteBestellung Ende November
FebruarValentinstag — Paar-Gutschein­karte10×15 Klappkarte mit UmschlagBestellung Mitte Januar
MärzFrühjahrs-Neuausrichtung, Visitenkarten-NachdruckVisitenkarteRoutine-Nachbestellung
AprilMuttertags-Vorlauf — Gutschein­karte10×15 KlappkarteBestellung Mitte März
Mai–JuniHochzeitssaison, Bridal-PartnerschaftenA5 Flyer, DIN lang FaltBestellung April
Juli–AugustRuhephase, keine Neu-DruckeLager prüfen
SeptemberHerbst-Relaunch, neue A5-KampagneA5 FlyerBestellung Mitte August
OktoberEvent-Einladung Winter-SaisonA6 PostkarteBestellung Anfang Oktober
NovemberBlack Friday / Cyber Week, Geschenk­kartenA7 Voucher, KlappkarteBestellung Mitte Oktober
DezemberAdvent-Gutschein, Neujahrs-VorlaufKlappkarte, A7 VoucherBestellung Anfang November

Faustregel für die Bestell-Kadenz: Visitenkarten werden bei 30 % Restbestand nachbestellt, alle anderen Formate werden kampagnen­getrieben gedruckt — nicht auf Vorrat.

Produktion & Bestellung

Wer druckt was, wie lang dauert es, was muss in der Druckdatei stehen — und was bekommt die Grafikerin zum Briefing. Handwerk, keine Geheimnisse.

6.1 Druckerei-Vergleich

AnbieterEinsatz500 VK 400 g Prägung500 A5 Flyer 300 g mattLieferzeitVeredelungEmpfehlung
SaxoprintStandard-Auflagen, verlässlich60–90 €50–75 €3–5 ATGut (Prägung, Folie, Stanzung)Arbeitspferd für Regel-Bestellungen
WIRmachenDRUCKStandard-Auflagen, breites Format­angebot65–95 €50–80 €3–6 ATGutAlternative bei Saxoprint-Ausfall
Moo (Luxe)Premium-VK, Kleinauflagen120–160 €5–8 ATSehr gut (Tripel-Papier, farbiger Kern)Sonder-Edition, Geschenk-Karten
PrintparkKlappkarten, Einladungen80–110 €55–85 €4–6 ATSehr gut (Heißfolie, Letterpress)Hochwertige Einladungen
FlyeralarmGroße Auflagen, Standard-Flyer55–80 €45–70 €3–5 ATMittel bis gutAb 1.000 Stück Flyer wirtschaftlich
Lokale Druckerei KemptenKleinauflagen, Nachdruck binnen Tagen90–130 €90–120 €2–4 ATJe nach Haus unterschiedlichKurze Reaktions­zeit, persönliche Abstimmung

Alle Preise gerundet, Stand April 2026, ohne Versand. Lieferzeiten sind Produktions­zeiten — Expressdrucke halbieren die Zeit und verdoppeln ungefähr den Preis.

6.2 Sweet-Spot für einen Solo-Salon

Start-Setup Monat 1 bis 6

250 Visitenkarten bei Saxoprint (350 g matt, Blindprägung) — reicht für die ersten 6 Monate und lässt Designänderungen zu, bevor man auf 500 geht.

500 A5 Flyer einseitig bei Saxoprint pro Kampagne — Nachsorge-Variante + Angebots-Variante, jeweils halbjährliche Nachbestellung.

100 A6 Postkarten bei erstem Event oder Saison-Aktion.

Gesamtbudget Start-Kit: etwa 180–220 €.

Nach sechs Monaten: Auflage der Visitenkarten auf 500 verdoppeln, erste A7 Voucher und DIN lang Falt ergänzen, Jahres-Budget für Print etwa 600–900 €.

6.3 Datenformat-Checkliste

Vor jedem Upload zur Druckerei diese zehn Punkte prüfen — am besten als letzte Station vor der Freigabe.

Pflicht-Prüfung vor Druckfreigabe

  • Farbmodus CMYK (nicht RGB), Sonderfarben als Pantone nummeriert
  • Auflösung aller Bilder 300 dpi bei Endgröße
  • Beschnitt (Bleed) 3 mm auf jeder Seite
  • Schnitt­marken außerhalb des Bleeds gesetzt
  • Export als PDF/X-4 (nicht PDF/X-1a oder Standard-PDF)
  • Schriften eingebettet oder in Pfade gewandelt
  • Schwarz für Text als reiner Schwarzwert (C0 M0 Y0 K100), nicht 4-fach Schwarz
  • Weiße Flächen als „Nicht drucken" definiert, nicht als CMYK 0 0 0 0
  • Datei-Größe realistisch — für A5 etwa 5–20 MB, bei mehreren Hundert MB ist etwas falsch
  • Eine Testseite ausdrucken (auch auf Home-Drucker) und körperlich prüfen

6.4 Designer-Brief-Template

Was die Grafik-Dienstleisterin braucht, bevor sie entwirft. Je vollständiger der Brief, desto weniger Schleifen — und desto näher kommt das Ergebnis beim ersten Entwurf an die Vorstellung heran.

Brief an Grafik-Dienstleister Projekt: [Format + Anlass, z. B. „A5 Flyer Frühjahr 2026 Nachsorge"] Zweck: [1 Satz — wofür wird das Stück verwendet] Zielgruppe: [Alter, Lebens­phase, typischer Anlass] Claim: [der eine Satz, der prominent stehen soll] CTA: [genau eine Handlung, die die Leserin tun soll] Brand-Assets: Link zum Style-Guide, Logo-Paket, Farbwerte, Schriftart-Dateien. Foto-Material: [Drei bis fünf Fotos aus dem eigenen Bestand, Rechte geklärt via Foto-Einwilligung] Textbausteine: [bereits formulierte Texte, nicht „schreib was Passendes"] Format & Papier: [exakt, z. B. „A5, 300 g matt Naturpapier, einseitig"] Veredelung: [Blindprägung / Heißfolie / keine] Deadline: [zwei Daten: Entwurf und Druckfreigabe] Budget: [konkret, nicht „was fair ist"] Rechte: Druckdatei bleibt bei dir, Nutzungs­rechte für Anpassungen gehen an den Salon.

6.5 HWG-Check vor Druckfreigabe

Jeder Print mit Behandlungs-Versprechen muss durch den HWG-Check

Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gilt auch für Kosmetik-Werbung, sobald sie medizinische Wirkung suggeriert — und zwar auch auf kleinen Flyern, Visitenkarten oder Gutschein-Karten. Aussagen wie „heilt Augenringe", „entfernt Narben" oder „reduziert Falten dauerhaft" sind auf Print­material genauso abmahnfähig wie auf der Website.

Vor jeder Druckfreigabe den Check aus Rechtsformen-Guide, Kap. 13 (Werberecht UWG & HWG) durchgehen. Ein einzelner Satz kann eine komplette 500er-Auflage unbrauchbar machen.

6.6 Versand, Lagerung, Nachbestellung