Wann Print sich lohnt
Print ist kein Marketing-Kanal — Print ist ein Gesprächsträger. Eine Karte wirkt nicht, weil sie gedruckt ist. Sie wirkt, weil jemand sie einer anderen Person in die Hand drückt.
Die meisten Salons drucken zu viel und verteilen es falsch. Für einen Premium-Salon im Allgäu entscheidet nicht das Design, sondern der Moment der Übergabe über die Wirkung jedes gedruckten Stücks.
1.1 Die Premium-Regel
Warm heißt: Die Person, die das Stück bekommt, hat gerade einen realen Kontaktpunkt mit dir, deinem Salon oder mit einer Partnerin, die dich empfiehlt. Der Druck ist nicht der Erstkontakt — er ist das physische Echo eines bereits stattgefundenen Erlebnisses. Genau deshalb wirkt er.
| Übergabe-Art | Wirkung | Warum |
|---|---|---|
| Hand zu Hand nach Behandlung | Sehr hoch | Kundin emotional positiv, physischer Kontakt verstärkt Bindung |
| Partner-Auslage (Friseur, Boutique) | Hoch | Ort signalisiert Vertrauensvorschuss durch Empfehler-Kontext |
| Welcome-Bag beim Erstbesuch | Hoch | Teil eines Rituals, nicht isoliertes Werbemittel |
| Messe-Tisch, aktiv gereicht | Mittel bis hoch | Direkter Dialog, Stück als Gedächtnisstütze |
| Briefkasten-Verteilung | Sehr gering | Kein Kontext, landet zwischen Pizza-Flyern |
| Auto-Scheibenwischer, Fußgängerzone | Negativ | Wirkt aufdringlich, beschädigt die Marke aktiv |
Briefkasten-Wurfsendungen, Auto-Scheibenwischer, Fußgängerzonen-Stecken — das alles funktioniert für Pizza und Fitness-Studios in einer Preisklasse, in der 10 € Rabatt einen Menschen bewegen. Für eine 240-€-Behandlung wirkt dieselbe Mechanik abwertend. Die Person, die sich PMU oder Wimpernverlängerung leistet, entscheidet nicht über einen Flyer im Briefkasten. Sie entscheidet über Vertrauen — und Vertrauen entsteht nicht durch Zufallsauslieferung.
1.2 Die Faustregel
Das bedeutet: Die Stückzahl ist nicht das Problem. Die Übergabe-Gelegenheiten sind das Problem. Wer nicht genug Hand-zu-Hand-Momente hat, soll keine Flyer drucken — sondern an den Momenten arbeiten (siehe Partner-Scouting-Guide).
1.3 Wann doch Kalt-Verteilung
Es gibt präzise Ausnahmen, in denen ungefragte Verteilung sinnvoll ist. Alle haben gemeinsam: die Zielgruppe ist im Moment der Übergabe empfänglich, weil sie sich in einem passenden Kontext befindet.
Die vier legitimen Ausnahmen
- Neu bezogene Wohnviertel im 15-Minuten-Radius um Kempten — Neubürgerinnen suchen aktiv lokale Anbieter in den ersten drei Monaten
- Hotel-Lobbys mit Wellness-Angebot — Gäste haben Zeit, suchen Beauty-Leistungen und bringen ein höheres Preisniveau mit
- Wellness-Zentren, Yoga-Studios, Kosmetik-kompatible Sport-Clubs — Kontext-Überlappung, passende Preisklasse
- Brautmoden-Geschäfte, Goldschmiede, Foto-Ateliers — Hochzeits-Funnel mit langer Vorbereitungszeit
Auch diese Ausnahmen funktionieren nur mit Auslage (nicht mit Verteilung) und idealerweise mit einer Partnerin, die die Auslage bewusst platziert. Details zur Partner-Akquise im Partner-Scouting-Guide.
Der Format-Katalog
Sechs Formate reichen für einen Premium-Salon über Jahre. Jedes hat einen klaren Einsatz-Kontext — wer alle sechs ohne Überschneidung nutzt, hat ein vollständiges Print-System.
2.1 Die sechs Pflicht-Formate
| Format | Einsatz | Papier | Sweet-Spot | Preis 2026 | Anbieter |
|---|---|---|---|---|---|
| Visitenkarte 85×55 | Jeder Abschied, Partner-Auslage, Welcome-Bag | 350–400 g Naturpapier oder Soft-Touch, Prägung | 250 Start, 500 nach 6 Monaten | 60–90 € (500) Saxoprint · 120–160 € Moo · 90–130 € lokal | Saxoprint Standard, Moo Luxe Sonderedition |
| A6 Postkarte | Event-Einladung, Saison-Angebot, Dankeskarte | 350 g matt, ungestrichen | 100–250 pro Anlass | 35–55 € (250) | Saxoprint, WIRmachenDRUCK |
| A5 Flyer | Nachsorge-Mitgabe, Service-Übersicht, Partner-Auslage | 300 g matt, ungestrichen | 500 pro Kampagne oder Halbjahr | 50–75 € (500) · 90–120 € lokal Kempten | Saxoprint, WIRmachenDRUCK, lokal |
| DIN lang 99×210 3-Fach-Falt | Service-Broschüre für Erstgespräch, iPad-Alternative | 170 g matt, gefalzt | 100–250 | 70–110 € (250) | Saxoprint, Flyeralarm |
| 10×15 Klappkarte | Hochwertige Einladung, Gutschein-Karte mit Umschlag | 300–350 g matt, innen unbedruckt | 50–100 pro Anlass | 55–90 € (100) | Moo, Printpark, lokal |
| A7 Voucher (74×105) | Weiterempfehlungs-Karte, Bonus-Gutschein | 350 g matt, Prägung auf Wertzahl | 250 pro Halbjahr | 35–60 € (250) | Saxoprint, Moo |
Alle Preise für matten Digital- oder Offsetdruck ohne Versand, Stand April 2026. Prägungen und Heißfolie erhöhen den Preis je um 25–45 %. Kleinauflagen bei lokalen Druckereien sind pro Stück teurer, dafür ist die Kommunikation kurz und Nachdrucke gehen innerhalb weniger Tage.
2.2 Visitenkarte — der Deep-Dive
Die Visitenkarte ist das einzige Print-Stück, das bei einer Premium-Positionierung nicht weggelassen werden darf. Sie wird täglich benutzt, reist mit, landet in Geldbörsen, wird weitergereicht. Jede andere Investition kann verschoben werden — die Karte nicht.
Papier
350 g matt ist die Untergrenze. 400 g fühlt sich deutlich besser an und trägt die Marke glaubhafter. Naturpapier (unbeschichtet, leicht raue Oberfläche) wirkt handwerklich und warm — es passt zur Allgäu-Positionierung und fühlt sich wertig an, ohne glatt zu wirken. Soft-Touch (laminierte, samtige Oberfläche) wirkt urbaner und kontrollierter — beide sind vertretbar, eine Mischung ist es nicht.
Prägung — die ROI-höchste Veredelung
Eine Blindprägung (farblos, nur geprägt) des Logos oder des Monogramms kostet pro 500er-Auflage etwa 25–40 € Aufpreis. Sie verwandelt die Karte vom Druck zum Objekt. Heißfolie (Rosegold, Champagner) ist teurer (40–70 € Aufpreis) und auffälliger — bei mattem Papier wirkt sie sehr hochwertig, bei Soft-Touch überladen. Wer eine einzige Veredelung wählt: Blindprägung.
Rückseite — drei Varianten
Leer
- Nur Farbfläche (Ivory, Soft-Blush oder Noir)
- Handschriftliche Notiz möglich — Name der Kundin, persönliche Widmung
- Empfohlene Standard-Variante für 70 % der Karten
Aftercare-Mini
- Drei Zeilen Nachsorge-Hinweis für PMU oder Wimpernverlängerung
- Als Ergänzung zur großen Nachsorgekarte, für den Fall der Fälle
- Rechtlich auf Heilversprechen prüfen (siehe Kap. 6)
Stempel-/Treuefeld
- 5–8 Felder für Stempel nach Behandlung
- Rückseiten-Druck, Stempel durch Salon selbst
- Nur sinnvoll für kleine Zusatz-Leistungen, nicht für Hauptbehandlungen
Anatomie
- Salon-Name oder Monogramm (größtes Element)
- Eigener Name und Rolle
- Eine Telefon- oder WhatsApp-Nummer, eine Adresse, eine URL
- Keine Social-Handles, keine Fax-Nummer, kein QR-Code auf der Vorderseite
Weglass-Regeln
- Kein Claim auf der Visitenkarte — der Claim gehört auf den Flyer
- Keine Liste von Behandlungen — das überfrachtet sofort
- Keine zweite Schriftart — Cormorant für Logo, Inter für Kontakt, das war's
- Kein QR-Code auf der Vorderseite — wenn, dann dezent auf der Rückseite
- Keine Preis-Hinweise — Preise werden nicht auf Visitenkarten gedruckt
2.3 Flyer — Einsatz-Pairings
Nicht jeder Flyer ist ein A5 — und nicht jedes A5 ist ein Flyer. Die drei relevanten Flyer-Formate adressieren unterschiedliche Momente.
| Format | Passender Moment | Was draufgehört |
|---|---|---|
| A5 einseitig | Nachsorge-Mitgabe, Partner-Auslage auf kleinen Theken | Ein Angebot, eine Frist, ein Kontakt-Kanal |
| A5 doppelseitig | Service-Übersicht für Erstgespräch, Messe-Mitgabe | Vorderseite Claim + Angebot, Rückseite Service-Kurzliste |
| A6 Postkarte | Saison-Aktion, Dankeskarte, Kleinanlass | Ein Satz, ein Datum, ein CTA — mehr geht auf A6 nicht |
| DIN lang 3-Fach | Beratungs-Begleiter, Welcome-Bag-Einleger | Cover, Geschichte, Leistungen, Preise, Kontakt — je Falz ein Thema |
Farben, Schriften und Logo-Einsatz sind im Style-Guide definiert — dieser Guide wiederholt sie nicht, sondern setzt sie voraus. Wer einen Flyer designen lässt, gibt der Grafikerin beide Guides mit (siehe Kap. 6, Designer-Brief).
Inhalt & Typografie
Gute Print-Stücke haben eine klare Architektur — jedes Element hat eine Aufgabe, nichts ist Dekoration. Die Regeln sind eng, und genau das macht sie premium.
3.1 Inhalts-Skelette
Vier Skelette decken 90 % aller Print-Anlässe ab. Wer von ihnen abweicht, sollte einen Grund nennen können.
3.2 Typo-Regeln
Nicht verhandelbar
- Cormorant Garamond für Claims, Headlines und Zitate
- Inter für Fließtext, Kontakt-Blöcke und Listen
- Minimum 7 pt auf Visitenkarten, Minimum 10 pt auf Flyern
- Kontrast zwischen Text und Hintergrund ≥ 4.5:1 (prüfen, nicht schätzen)
- Maximal zwei Hierarchie-Stufen pro Stück — eine für den Hauptgedanken, eine für alles andere
- Kein Blocksatz — Flattersatz linksbündig, in Ausnahmen zentriert
- Keine dritte Schriftart — auch nicht für Akzente
- Weißraum als aktives Gestaltungselement, nicht als Rest
3.3 QR-Code-Logik
Ein QR-Code ist kein Design-Element, sondern eine Konversions-Brücke. Er hat genau eine Aufgabe: den Finger der Leserin in den richtigen Kanal bringen. Niemals auf die generische Homepage, immer auf einen definierten Ziel-Kontext.
| Ziel | Conversion für Beauty | Einsatz | Tradeoff |
|---|---|---|---|
| WhatsApp-Chat (wa.me-Link) | Sehr hoch | Visitenkarte, A5 Flyer, Postkarte | Erfordert verfügbare Reaktionszeit; bei gutem Antwortfenster der stärkste CTA |
| Buchungs-Kalender-Link | Hoch | Nachsorge-Flyer, Partner-Auslage bei Stammkundengebundenen Partnern | Überspringt Beratungs-Gespräch — bei erklärungsbedürftigen Leistungen riskant |
| Instagram-Profil | Mittel | Event-Einladung, Messe-Material | Bindet an Plattform, Funnel ist lang; ohne Kontakt-Ziel lose |
| Spezifische Landingpage | Hoch bei Kampagne | Saison-Aktion, Gutscheinkarte | Braucht gepflegte Seite; ohne Pflege wirkt sie schnell alt |
| Generische Homepage | Niedrig | Nie | Keine Handlung nach Scan — Abbruchquote hoch |
3.4 UTM-Parameter für Tracking
Jeder QR-Code auf einem Print-Stück bekommt einen eigenen Tracking-Marker — sonst ist nie klar, was wirkt. Schema:
Die Werte sind willkürlich, aber konsistent — einmal ein Schema festgelegt, nicht mehr ändern. In der Web-Analytik taucht dann jede eingescannte Karte mit ihrem Kontext auf. Ohne UTM ist Print ein Blindflug.
Do's & Don'ts
Die acht wichtigsten Richtungsentscheidungen — für jedes Paar gibt es eine Variante, die Premium wirkt, und eine, die sie zerstört. Dazwischen liegt wenig.
1. Eigenes Hero-Foto. Ein Foto aus dem eigenen Salon, mit der eigenen Hand, mit der eigenen Kundin (mit Consent, siehe Foto-Einwilligung). Keine Bildagentur.
2. Ein Angebot mit Frist. Ein einziges Angebot pro Stück. Datum als Anker, nicht „solange der Vorrat reicht".
3. Ein Kontakt-Kanal. Eine Telefon-Nummer oder ein WhatsApp-Kontakt oder eine URL. Nicht alle drei gleichzeitig.
4. Ruhige Typo-Hierarchie. Ein großer Titel, ein mittlerer Satz, kleine Kontakt-Zeile. Mehr Stufen ertragen die Formate nicht.
5. Bewusster Weißraum. Mindestens 8 mm Rand zu allen Kanten, innerhalb eher mehr. Premium wirkt durch Leere.
6. Druckdatum als versteckter Hinweis. Unten rechts, 5 pt, z. B. „04/2026". Hilft beim Nachbestellen und signalisiert Professionalität.
7. Papier fühlbar. 350 g aufwärts, matt, ungestrichen. Wer nur mit dem Auge vergleicht, unterschätzt die Haptik.
8. Ein Designer-Durchgang. Jedes Stück mindestens einmal durch eine Grafikerin, auch wenn selbst gesetzt. Das Auge einer Fachperson fängt Fehler ab, die zum Standard werden.
1. Stockfotos. Auch die teuren. Die Zielgruppe erkennt sie, und der Moment des Erkennens ist der Moment der Abwertung.
2. Drei Angebote parallel. Jedes zusätzliche Angebot halbiert die Klarheit. Lieber drei Flyer mit je einem Angebot.
3. Fax-Nummer. Signalisiert Praxis aus 2005, nicht Premium-Salon 2026.
4. Ausrufezeichen-Stapel. „Jetzt buchen!!!" ist das Gegenteil von Premium. Punkt reicht.
5. Hashtag-Wolken. Hashtags gehören auf Social Media, nicht auf Print. Auf Papier wirken sie laut und leer.
6. Glanz-Couché. Glänzendes Papier wirkt wie Werbeprospekt. Matt oder Naturpapier ist der Premium-Code.
7. Mehrere Schriftarten. Jede zusätzliche Schriftart zieht die Aufmerksamkeit von der Botschaft ab.
8. Claim ohne Substanz. „Wir lieben Schönheit" sagt nichts. Ein Claim muss entweder konkret oder poetisch sein — niemals beliebig.
Verteilung & Kanäle
Wo landen die gedruckten Stücke? Neun Kanäle sind relevant, drei davon tragen den größten Anteil. Für jeden gibt es eine Rolle im System.
5.1 Kanal-Matrix
| Kanal | Effektivität | Aufwand | Stück/Monat | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Eigener Salon-Empfang | Sehr hoch | Minimal | 30–60 | Visitenkarten-Schale plus ausliegender A5-Flyer |
| Welcome-Bag für Erstbesuch | Hoch | Gering | 15–25 | DIN lang Falt + Visitenkarte + Aftercare-Karte |
| Partner-Auslage Friseurin | Hoch | Mittel (Akquise) | 20–40 | A5 einseitig + VK-Schälchen; Partnerin muss aktiv reichen |
| Partner-Auslage Boutique / Goldschmiede | Mittel bis hoch | Mittel | 15–30 | Hochzeits-Funnel, Postkarte mit Frühjahrs-Offer |
| Apotheke / Café | Mittel | Niedrig | 15–30 | Schnelle Frequenz, mittlere Zielgruppenpassung |
| Hotel-Lobby mit Wellness | Hoch | Mittel | 20–40 | A5 Flyer plus Gast-Rabatt-Voucher A7 |
| Wellness-Zentrum / Yoga-Studio | Mittel bis hoch | Mittel | 15–25 | Kontextüberlappung funktioniert |
| Messe-Stand | Mittel | Hoch | 100–300 pro Tag | Nur an sprechend reichen, nicht auf Tisch stapeln |
| Direct-Mailing Briefkasten | Sehr niedrig | Hoch | — | Nur bei Neubauten im 15-Minuten-Radius, ansonsten vermeiden |
| Goodie-Bag bei Event-Kooperation | Hoch | Mittel | 50–200 pro Event | Einmal-Schub, gute Lead-Qualität bei passendem Event |
5.2 Übergabe-Choreografie Visitenkarte
Die stärkste Mechanik für organisches Wachstum ist die „Nimm-drei"-Übergabe am Ende jeder Behandlung. Sie wirkt nur, wenn sie ruhig und konkret formuliert ist — nicht als Bitte, nicht als Verkauf.
„Ich leg dir drei Karten dazu. Eine für dich, zwei für Freundinnen, bei denen du denkst, dass es passen könnte. Wenn jemand davon kommt und deinen Namen nennt, bekommt ihr beide 15 € auf den nächsten Termin."
Drei Elemente machen den Unterschied:
- Konkrete Anzahl. „Drei" ist greifbar. „Ein paar" ist vage.
- Handlungs-Anweisung für die Kundin. „Bei denen du denkst, dass es passen könnte" — sie sortiert selbst vor.
- Bonus für beide Seiten. Weiterempfehlerin und Neu-Kundin bekommen denselben Bonus — keine hierarchische Belohnung.
Details zum Empfehlungs-Code, dessen Gutschein-Wert und der Abwicklung: Marketing-Plan, Kap. 10 (Empfehlungs-Maschine).
5.3 Seasonal-Kalender
Ein Premium-Salon druckt nicht laufend — er druckt zu vier bis sechs Anlässen pro Jahr. Jeder Anlass hat sein eigenes Format.
| Monat | Anlass | Format | Bestell-Rhythmus |
|---|---|---|---|
| Januar | Neujahrs-Reset, Jahres-Gutscheinkampagne | A7 Voucher, A6 Postkarte | Bestellung Ende November |
| Februar | Valentinstag — Paar-Gutscheinkarte | 10×15 Klappkarte mit Umschlag | Bestellung Mitte Januar |
| März | Frühjahrs-Neuausrichtung, Visitenkarten-Nachdruck | Visitenkarte | Routine-Nachbestellung |
| April | Muttertags-Vorlauf — Gutscheinkarte | 10×15 Klappkarte | Bestellung Mitte März |
| Mai–Juni | Hochzeitssaison, Bridal-Partnerschaften | A5 Flyer, DIN lang Falt | Bestellung April |
| Juli–August | Ruhephase, keine Neu-Drucke | — | Lager prüfen |
| September | Herbst-Relaunch, neue A5-Kampagne | A5 Flyer | Bestellung Mitte August |
| Oktober | Event-Einladung Winter-Saison | A6 Postkarte | Bestellung Anfang Oktober |
| November | Black Friday / Cyber Week, Geschenkkarten | A7 Voucher, Klappkarte | Bestellung Mitte Oktober |
| Dezember | Advent-Gutschein, Neujahrs-Vorlauf | Klappkarte, A7 Voucher | Bestellung Anfang November |
Faustregel für die Bestell-Kadenz: Visitenkarten werden bei 30 % Restbestand nachbestellt, alle anderen Formate werden kampagnengetrieben gedruckt — nicht auf Vorrat.
Produktion & Bestellung
Wer druckt was, wie lang dauert es, was muss in der Druckdatei stehen — und was bekommt die Grafikerin zum Briefing. Handwerk, keine Geheimnisse.
6.1 Druckerei-Vergleich
| Anbieter | Einsatz | 500 VK 400 g Prägung | 500 A5 Flyer 300 g matt | Lieferzeit | Veredelung | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Saxoprint | Standard-Auflagen, verlässlich | 60–90 € | 50–75 € | 3–5 AT | Gut (Prägung, Folie, Stanzung) | Arbeitspferd für Regel-Bestellungen |
| WIRmachenDRUCK | Standard-Auflagen, breites Formatangebot | 65–95 € | 50–80 € | 3–6 AT | Gut | Alternative bei Saxoprint-Ausfall |
| Moo (Luxe) | Premium-VK, Kleinauflagen | 120–160 € | — | 5–8 AT | Sehr gut (Tripel-Papier, farbiger Kern) | Sonder-Edition, Geschenk-Karten |
| Printpark | Klappkarten, Einladungen | 80–110 € | 55–85 € | 4–6 AT | Sehr gut (Heißfolie, Letterpress) | Hochwertige Einladungen |
| Flyeralarm | Große Auflagen, Standard-Flyer | 55–80 € | 45–70 € | 3–5 AT | Mittel bis gut | Ab 1.000 Stück Flyer wirtschaftlich |
| Lokale Druckerei Kempten | Kleinauflagen, Nachdruck binnen Tagen | 90–130 € | 90–120 € | 2–4 AT | Je nach Haus unterschiedlich | Kurze Reaktionszeit, persönliche Abstimmung |
Alle Preise gerundet, Stand April 2026, ohne Versand. Lieferzeiten sind Produktionszeiten — Expressdrucke halbieren die Zeit und verdoppeln ungefähr den Preis.
6.2 Sweet-Spot für einen Solo-Salon
250 Visitenkarten bei Saxoprint (350 g matt, Blindprägung) — reicht für die ersten 6 Monate und lässt Designänderungen zu, bevor man auf 500 geht.
500 A5 Flyer einseitig bei Saxoprint pro Kampagne — Nachsorge-Variante + Angebots-Variante, jeweils halbjährliche Nachbestellung.
100 A6 Postkarten bei erstem Event oder Saison-Aktion.
Gesamtbudget Start-Kit: etwa 180–220 €.
Nach sechs Monaten: Auflage der Visitenkarten auf 500 verdoppeln, erste A7 Voucher und DIN lang Falt ergänzen, Jahres-Budget für Print etwa 600–900 €.
6.3 Datenformat-Checkliste
Vor jedem Upload zur Druckerei diese zehn Punkte prüfen — am besten als letzte Station vor der Freigabe.
Pflicht-Prüfung vor Druckfreigabe
- Farbmodus CMYK (nicht RGB), Sonderfarben als Pantone nummeriert
- Auflösung aller Bilder 300 dpi bei Endgröße
- Beschnitt (Bleed) 3 mm auf jeder Seite
- Schnittmarken außerhalb des Bleeds gesetzt
- Export als PDF/X-4 (nicht PDF/X-1a oder Standard-PDF)
- Schriften eingebettet oder in Pfade gewandelt
- Schwarz für Text als reiner Schwarzwert (C0 M0 Y0 K100), nicht 4-fach Schwarz
- Weiße Flächen als „Nicht drucken" definiert, nicht als CMYK 0 0 0 0
- Datei-Größe realistisch — für A5 etwa 5–20 MB, bei mehreren Hundert MB ist etwas falsch
- Eine Testseite ausdrucken (auch auf Home-Drucker) und körperlich prüfen
6.4 Designer-Brief-Template
Was die Grafik-Dienstleisterin braucht, bevor sie entwirft. Je vollständiger der Brief, desto weniger Schleifen — und desto näher kommt das Ergebnis beim ersten Entwurf an die Vorstellung heran.
6.5 HWG-Check vor Druckfreigabe
Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gilt auch für Kosmetik-Werbung, sobald sie medizinische Wirkung suggeriert — und zwar auch auf kleinen Flyern, Visitenkarten oder Gutschein-Karten. Aussagen wie „heilt Augenringe", „entfernt Narben" oder „reduziert Falten dauerhaft" sind auf Printmaterial genauso abmahnfähig wie auf der Website.
Vor jeder Druckfreigabe den Check aus Rechtsformen-Guide, Kap. 13 (Werberecht UWG & HWG) durchgehen. Ein einzelner Satz kann eine komplette 500er-Auflage unbrauchbar machen.
6.6 Versand, Lagerung, Nachbestellung
- Versand. Für Büro-Lieferung Standversand wählen, nicht Expressversand über Paketdienst — sonst Druckverlust an den Ecken.
- Lagerung. Trocken, lichtgeschützt, nicht nahe Heizkörpern. Naturpapier zieht Feuchtigkeit — im Originalkarton lassen, bis angebrochen.
- Nachbestellung. Druckdatei, Auflagennummer und Druckerei-Auftragsnummer in einer Notiz zu jedem Format — spart 60 Minuten Such-Zeit.
- Archiv-Exemplar. Von jeder Auflage ein Exemplar mit Datum beschriftet aufheben — macht nachvollziehbar, welche Version wann gedruckt wurde.