Die vier Langfrist-Wahrheiten für ein Solo-Atelier
| Wahrheit | Was das heißt | Konsequenz heute |
|---|---|---|
| Ein Solo-Salon ohne System ist fast wertlos | Wer den Salon verkörpert, kann ihn nicht verkaufen — nur die Kundinnen weitergeben | Ab Jahr 1 dokumentieren: Behandlungsprotokolle, Marke, Prozesse |
| Realistische Multiplikatoren sind nüchtern | 0,5–1,5× Jahresumsatz oder 2–4× Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) — keine Dotcom-Bewertungen | Jahresabschluss sauber führen; bereinigtes EBITDA berechnen (mit Unternehmerlohn) |
| Der Salon darf nicht dein einziges Vermögen sein | Klumpenrisiko — wenn der Standort wegbricht, ist alles weg | Parallel: Exchange Traded Fund (ETF)-Sparplan, Liquidität, ggf. Immobilie, Rürup |
| Steuerliche Exit-Boni sind einmalig | 45.000 € Freibetrag & halber Steuersatz: nur einmal im Leben, ab 55 | Verkaufszeitpunkt bewusst planen, nicht zufällig fallen lassen |
Ein Salon ist kein Rentenfonds. Er ist ein Einkommen, das mit der richtigen Struktur zu einem Vermögenswert werden kann. Wer sich das in Jahr 1 klarmacht, baut die nächsten 30 Jahre anders.
Die 30-Jahre-Frage
Was willst du mit dem Salon in 30 Jahren? Das klingt nach zu viel, wenn du gerade erst anfängst. Aber die Antwort bestimmt mehr Entscheidungen heute, als du denkst — von der Marke bis zu den Verträgen.
Eine Gründerin mit Ende 20 hat bis zur Regelaltersrente mit 67 rund 35–40 Jahre Berufszeit vor sich. Wer mit 29 startet, ist in 30 Jahren 59 — acht Jahre vor der Rente. In 20 Jahren 49, in 10 Jahren 39. Der Salon wird in dieser Zeit entweder ein Betrieb bleiben, zum Vermögen werden oder einfach auslaufen. Keine dieser drei Varianten ist „falsch" — aber sie haben unterschiedliche Spielregeln, und du musst früh wissen, welches Spiel du spielst.
Wer mit 29 startet: in 10 Jahren 39, in 20 Jahren 49, in 30 Jahren 59. Das Exit-Fenster (Freibetrag nach § 16 EStG) öffnet sich erst mit 55 — also rund 26 Jahre später. Frühere Entscheidungen (Markenname, Rechtsform, Dokumentation) wirken sich erst Jahrzehnte später aus, sind aber nur früh günstig zu treffen.
1.1 Die vier typischen Antworten
In der Beauty-Branche landen fast alle Solo-Unternehmerinnen in einer dieser vier Ecken. Keine ist richtig oder falsch — aber jede erfordert andere Entscheidungen heute.
Verkaufen & früh in Rente
Ziel: zwischen 55 und 60 den Salon für 150–500 k € verkaufen, ergänzt durch private Vorsorge.
- Braucht: übertragbare Marke, dokumentierte Prozesse, Team
- Heute: ab Jahr 1 Namen ohne eigenen Vornamen wählen (→ Branding überträgt sich)
- Heute: saubere Buchhaltung & EBITDA-Historie aufbauen
- Timing: mit 55 ist der Steuerfreibetrag nutzbar (§ 16 Abs. 4 Einkommensteuergesetz (EStG))
An Mitarbeiterin / Familie übergeben
Ziel: eine Nachfolgerin aus dem Team oder der Familie übernimmt — mit oder ohne Kaufpreis.
- Braucht: Team ab Jahr 4–5 aufbauen, Nachfolgerin identifizieren
- Heute: Fortbildung & Übernahme von Verantwortung fördern
- Heute: Earnout-Struktur denken (Übergabe über 3–5 Jahre)
- Familien-Nachfolge: steuerliche Verschonung nach ErbStG
Bis zum letzten Tag selbst arbeiten
Ziel: Lifestyle-Business. Der Salon ist Beruf und Berufung — keine Exit-Planung, sondern Auslaufen-Lassen.
- Braucht: starke Altersvorsorge außerhalb des Salons (der Salon selbst trägt nicht)
- Heute: 15–20 % vom Gewinn in ETF / Rürup / Immobilie
- Heute: Körperlich nachhaltige Behandlungs-Techniken wählen
- Realistisch: ab 60 reduzieren, nicht abrupt aufhören
Liquidieren und gehen
Ziel: irgendwann aufhören, Ausstattung verkaufen, Kundinnen empfehlen weiter — ohne Verkauf.
- Braucht: keine aufwendige Vorbereitung, aber klaren Ausstiegsplan
- Heute: Mietvertrag so gestalten, dass Ausstieg möglich ist
- Heute: keine großen Investitionen in den letzten 5 Jahren
- Wert: nahezu 0 € Verkaufserlös, aber Freiheit & Einfachheit
Wer in Antwort A denkt, wählt einen Salonnamen ohne eigenen Vornamen — weil eine Käuferin keinen fremden Vornamen weiterführt. Wer in Antwort C denkt, investiert 150 € pro Monat in einen ETF, statt alles in neue Geräte zu stecken. Die 30-Jahre-Antwort steuert die Namens-Entscheidung, die Rechtsform (siehe Rechtsformen-Guide), den Investitionsstil und die Marke (siehe Style-Guide).
1.2 Die Antwort darf sich ändern
Niemand weiß mit Ende 20, was mit Ende 50 passiert. Die Antwort auf die 30-Jahre-Frage ist kein Vertrag — sie ist eine Arbeits-Annahme, die alle 3–5 Jahre geprüft wird. Wichtig ist nur: es gibt eine Antwort. „Mal schauen" ist eine Entscheidung — es ist Antwort D in langsamer Form.
1.3 Die Realität: 190.000 Betriebe ohne Nachfolge
Das Institut für Mittelstandsforschung schätzt, dass zwischen 2022 und 2026 rund 190.000 Betriebe in Deutschland zur Nachfolge anstehen — bei einem deutlich kleineren Angebot an Käuferinnen. In personenbezogenen Dienstleistungen (Beauty, Friseur, Kosmetik) ist die Lage besonders angespannt: viele Betriebe werden gar nicht verkauft, sondern liquidiert, weil keine Käuferin gefunden wird. Wer früh an die Übertragbarkeit denkt, ist in einer völlig anderen Verhandlungsposition.
Der Salon als Vermögenswert
Ein Solo-Salon wird nicht automatisch zum Vermögenswert, nur weil er läuft. Er wird es, wenn vier Eigenschaften stimmen — und diese Eigenschaften entstehen nicht zufällig, sondern durch bewusste Entscheidungen ab Jahr 1.
2.1 Was einen Salon verkäuflich macht
Ein Kosmetiksalon ist verkäuflich, wenn eine Käuferin am nächsten Tag die Tür öffnen und weitermachen kann — ohne dass die Gründerin dasteht. Das klingt hart, ist aber die nüchterne Käufer-Perspektive. Vier Werttreiber bestimmen, ob das möglich ist:
Dokumentierte Prozesse
- SOPs für jede Standardbehandlung (Wimpern, Brauen, Maniküre, Hautanalyse)
- Produktlisten mit Lieferantinnen & Einkaufspreisen
- Hygiene- & Sterilisationsprotokolle schriftlich
- Onboarding-Dokument für neue Mitarbeiterinnen
Ablösbare Marke
- Markenname ohne Vorname (übertragbar auf eine Nachfolgerin)
- Eigene URL, Social-Handles, Google-Business-Profil
- Logo & Styleguide als Dateien (siehe Style-Guide)
- Kundinnen kennen „den Salon", nicht nur die Person
Mitarbeiter-Unabhängigkeit
- Ab Jahr 4–5: mindestens eine zweite Behandlerin (siehe Wachstums-Guide · Team)
- Salon funktioniert, wenn die Gründerin 4 Wochen Urlaub macht
- Buchungen sind an den Salon gebunden, nicht nur an eine Person
- Instagram-Feed zeigt mehrere Hände, nicht nur eine
Wiederkehrende Umsätze
- Hoher Stammkundinnen-Anteil (> 70 % der Umsätze)
- Behandlungsserien & Abo-Modelle (Microblading 2er-Paket, Hautpflege-Abo)
- Gutschein-Umsätze Q4 (Weihnachten) als planbarer Cashflow
- Messbarer CLV (Customer Lifetime Value) pro Kundin
2.2 Der „Gründerinnen-Test"
Eine einfache Übung alle 12 Monate: Was passiert im Salon, wenn du morgen 4 Wochen ins Ausland fliegst — ohne Handy?
- Jahr 1 heute: Salon steht still, Umsatz bricht zu 100 % ein. Wert = 0.
- Jahr 3 Ziel: Bestehende Termine laufen ab, neue Buchungen stoppen. Umsatz bricht 70 % ein.
- Jahr 7 Ziel: Eine zweite Behandlerin führt weiter, Buchungen laufen. Umsatz bricht 30–40 % ein.
- Jahr 12 Ziel: Team & Prozesse tragen, Salon läuft 90 % normal. Jetzt hat er einen echten Verkehrswert.
Was du am Verkaufstag an Kaufpreis bekommst, hängt davon ab, wie viel ohne dich im Salon übrig bleibt. Jeder Prozess, den nur du kennst, mindert den Wert. Jede Kundin, die nur zu dir persönlich kommt, mindert den Wert. Das ist unbequem — denn zu Beginn bist du der Salon. Die Frage ist: schaffst du es, dich über die Jahre aus dem Kern herauszunehmen?
2.3 Wann welche Dokumentation
| Phase | Dokumentation | Warum jetzt |
|---|---|---|
| Jahr 1–2 | Behandlungsprotokolle pro Kundin · Einkaufslisten · Hygieneplan | Du erinnerst dich selbst nicht mehr an Details in 3 Jahren |
| Jahr 3–4 | SOPs für Standardbehandlungen · Onboarding-Dokument · Finanzkennzahlen-Report | Vorbereitung auf erste Mitarbeiterin |
| Jahr 5–7 | Management-Handbuch · Markenrichtlinie · Lieferantenverträge | Salon muss ohne dich als Gründerin funktionieren |
| Jahr 8+ | Due-Diligence-Ordner (digitaler „Verkaufs-Ordner") | Jederzeit verkaufsbereit |
Salon-Bewertung
Wie viel ist ein Kosmetiksalon wirklich wert? Die Antwort ist ernüchternder, als viele hoffen — und sie folgt drei Methoden, die jede Käuferin nutzt. Entscheidend sind nüchterne Zahlen, keine Leidenschafts-Aufschläge.
3.1 Die drei Bewertungsmethoden
| Methode | Formel | Bereich für Solo-Beauty | Wann relevant |
|---|---|---|---|
| Umsatz-Multiplikator | Jahresumsatz × Faktor | 0,5–1,5 × | Erste grobe Einschätzung, wenn Gewinn unklar ist |
| EBITDA-Multiplikator | bereinigtes EBITDA × Faktor | 2–4 × | Standard-Methode bei Kauf; erfordert sauberen Abschluss |
| Substanzwert | Einrichtung + Geräte + Kundinnenstamm | variabel, meist 15–60 k € | Untergrenze; Liquidation, kleine Salons ohne Brand |
Der realistische Verkaufspreis ist meist der niedrigste oder Durchschnitt der drei Werte. Die 2026er DUB-Daten zeigen: im deutschen Mittelstand liegen EBITDA-Multiplikatoren zwischen 4,1 × und 7,3 × (Schnitt 5,7 ×) — in personenbezogenen Dienstleistungen unterhalb dieses Schnitts, weil die Abhängigkeit von einzelnen Personen den Wert drückt.
3.2 Wichtig: bereinigtes EBITDA bei Einzelunternehmen
Bei einer Einzelunternehmerin steht dein Unternehmerinnen-Lohn nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) — du hast keinen festen Lohn, sondern Privatentnahmen. Damit ist der ausgewiesene Gewinn künstlich höher als bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Für die Bewertung muss ein kalkulatorischer Unternehmerinnen-Lohn abgezogen werden (typisch 40–60 k € pro Jahr für Kosmetik-Managerinnen in Bayern).
bereinigtes EBITDA = Gewinn laut Einnahmen-Überschuss-Rechnung + Zinsen + Abschreibungen − kalkulatorischer Unternehmerinnen-Lohn
Nur dieser Wert ist mit einer GmbH oder Kaufinteressentin vergleichbar. Der Unterschied ist groß: ein Salon mit 80 k € Gewinn sieht nach EBITDA-Bereinigung oft wie 30 k € aus.
3.3 Drei Szenarien — Beispiel-Betrieb
Der kleine, erfolgreiche Solo-Betrieb
Jahresumsatz: 50.000 €
Gewinn (Einnahmen-Überschuss-Rechnung): 25.000 €
Bereinigtes EBITDA: ~ −15.000 € (nach kalkulatorischem Lohn von 40 k)
Umsatz-Multiplikator (0,6–1,0 ×): 30–50 k €
Substanzwert: ~ 15–25 k € (Geräte, Einrichtung, Kundinnenkartei)
Der mittelgroße Salon mit Team
Jahresumsatz: 250.000 €
Gewinn: 80.000 €
Bereinigtes EBITDA: ~ 40.000 € (nach kalkulatorischem Lohn)
Umsatz-Multiplikator (0,8–1,3 ×): 200–325 k €
EBITDA-Multiplikator (3–4 ×): 120–160 k €
Substanzwert: ~ 60 k €
Der etablierte Betrieb mit Mehrfach-Ertragsquelle
Jahresumsatz: 500.000 € (Salon + Produktverkauf + Zweit-Location)
Gewinn: 140.000 €
Bereinigtes EBITDA: ~ 100.000 €
Umsatz-Multiplikator (0,8–1,2 ×): 400–600 k €
EBITDA-Multiplikator (4–5 ×): 400–500 k €
Substanzwert: ~ 120 k €
Tech-Startups verkaufen für 10 × Umsatz. Kosmetiksalons nicht. Die Multiplikatoren sind nüchtern, weil die Gewinn-Fortsetzung nicht garantiert ist — Käuferinnen rechnen mit 20–30 % Umsatz-Erosion im ersten Jahr nach der Übernahme (Kundinnen wandern ab, weil „ihre Kosmetikerin" wechselt). Wer 600 k € für einen 500-k-Salon zahlt, rechnet vorsichtig — das ist realistisch.
Exit-Strategien im Vergleich
Es gibt vier Wege, wie ein Salon das Leben seiner Gründerin verlassen kann. Jeder Weg hat einen eigenen Preis, ein eigenes Timing und eigene steuerliche Regeln — und nicht jeder Weg passt zu jeder Person.
4.1 Die vier Wege
Kompletter Verkauf
An Beauty-Gruppe, Kollegin, externe Käuferin. Kaufpreis sofort (teilweise), Übergabe über 3–12 Monate.
- Vorteil: schnell, klarer Schnitt, Kapital sofort
- Nachteil: Bewertungsabschlag (Käuferin rechnet konservativ)
- Markt: dünn; personenbezogene Dienstleistungen schwer verkäuflich
- Typisch: Asset Deal bei Einzelunternehmen; Share Deal nur bei GmbH
Übergabe an Mitarbeiterin
Earnout-Modell oder Pachtung mit Kaufoption. Mitarbeiterin wird über 3–5 Jahre zur Eigentümerin.
- Vorteil: Kundinnen bleiben, Kontinuität, emotional leichter
- Nachteil: Kaufpreis teilweise vom zukünftigen Erfolg abhängig
- Markt: wächst, weil wenig Käuferinnen da sind
- Earnout: 10–50 % des Kaufpreises über 3–5 Jahre
Familien-Nachfolge
Tochter, Schwester, Nichte übernimmt. Oft zu symbolischem Preis oder als vorweggenommene Erbfolge.
- Vorteil: steuerliche Verschonung nach §§ 13a/13b ErbStG möglich
- Nachteil: Familien-Konflikt-Potenzial, Qualifikation der Nachfolgerin
- Steuer: Freibeträge 400 k (Kind) / 20 k (Geschwister)
- Typisch: Schenkung zu Lebzeiten statt Testament
Liquidation
Letzte Option. Ausstattung verkaufen, Kundinnen anderen Kolleginnen empfehlen, Salon schließen.
- Vorteil: einfach, kein Käuferinnen-Suchprozess
- Nachteil: fast kein Erlös; Substanzwert minus Rückbau
- Steuer: Aufgabegewinn zählt als Veräußerungsgewinn (§ 16 EStG)
- Wann: wenn Verkauf nicht gelingt oder Salon zu stark an Person hängt
4.2 Steuerliche Aspekte beim Verkauf
45.000 € Veräußerungsgewinn steuerfrei — einmalig im Leben. Voraussetzung: Verkäuferin hat das 55. Lebensjahr vollendet oder ist dauernd berufsunfähig. Der Freibetrag schmilzt ab einem Veräußerungsgewinn von 136.000 € schrittweise ab und ist ab 181.000 € vollständig weg. Ab Alter 55 relevant — bei Start mit 29 also rund 26 Jahre Vorlauf (Zieljahr ca. 2052).
Zusätzlich zum Freibetrag kann der ermäßigte Steuersatz (ca. 56 % des Durchschnittssteuersatzes) auf den Rest-Veräußerungsgewinn angewendet werden. Ebenfalls einmalig im Leben, ebenfalls ab 55 oder bei Berufsunfähigkeit. Beide Regeln zusammen können bei einem mittelgroßen Salon einen Unterschied von 30–50 k € Steuer machen — das ist kein Kleinkram.
4.3 Asset Deal vs. Share Deal
| Aspekt | Asset Deal (typisch für Einzelunternehmen) | Share Deal (nur GmbH/Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt (UG)) |
|---|---|---|
| Was wird verkauft? | Einzelne Wirtschaftsgüter (Einrichtung, Kundenstamm, Firmenwert) | Geschäftsanteile (GmbH-Anteile) |
| Verträge | Müssen einzeln übertragen werden (Mietvertrag, Lieferanten) | Verträge bleiben bei der GmbH, Käuferin übernimmt sie mit |
| Haftung | Käuferin haftet begrenzt für Altschulden (§ 25 Handelsgesetzbuch (HGB)) | Käuferin übernimmt alle Verbindlichkeiten der GmbH |
| Steuerlich Verkäuferin | Veräußerungsgewinn nach § 16 EStG (Freibetrag + halber Satz möglich) | Teileinkünfteverfahren (60 % steuerpflichtig) oder § 17 EStG |
| Vorteil für Käuferin | Kaufpreis wird abgeschrieben (AfA auf Goodwill über 15 Jahre) | Keine Abschreibung des Kaufpreises — schlechter für Käuferin |
Für ein Solo-Einzelunternehmen ist der Asset Deal die Regel. Wenn du später zur GmbH wechselst (siehe Rechtsformen-Guide), öffnet sich die Share-Deal-Option — für Käuferinnen weniger attraktiv, für Verkäuferinnen teils günstiger.
4.4 Realistische Exit-Timings
| Alter der Gründerin | Empfohlener Weg | Warum |
|---|---|---|
| 40–50 (Jahr 8–18) | Keine aktive Exit-Vorbereitung — Wachstum | Substanz aufbauen, Marke stabilisieren, Team |
| 50–55 (Jahr 18–23) | Vorbereitung beginnt: Nachfolgerin identifizieren, Prozesse dokumentieren | Verkauf dauert 2–5 Jahre Vorbereitung |
| 55–62 (Jahr 23–30) | Exit-Fenster: Verkauf, Übergabe, Earnout | Freibetrag + halber Steuersatz nutzbar |
| 62+ (Jahr 30+) | Wenn kein Verkauf gelingt: Liquidation oder „sanftes Auslaufen" | Körperliche Belastung sinkt, Teilzeit möglich |
Vermögen neben dem Salon
Der Salon darf nicht dein einziger Vermögenswert sein. Das ist kein Misstrauensvotum gegen den eigenen Erfolg — es ist Risikomanagement. Wer alles in einem Standort hat, ist bei jeder Krise nackt.
5.1 Das Klumpenrisiko
Ein Solo-Salon bündelt drei Risiken in einer Person und einem Standort:
- Arbeitskraftrisiko: eine Schulter-OP, eine Hautallergie, ein Burnout — und der Umsatz halbiert sich
- Standortrisiko: Mietvertrag endet, Gegend ändert sich, Hauptstraße wird Baustelle für 18 Monate
- Branchenrisiko: Regulierung, Kosmetik-Trends, Konkurrenz — eine Kette öffnet 300 m weiter
Deshalb: Vermögen außerhalb des Salons aufbauen, parallel zum Betrieb. Nicht stattdessen. Die Regel aus der Vermögensberatung: nie mehr als 50 % des Nettovermögens im eigenen Unternehmen.
5.2 Die vier Säulen außerhalb
ETF-Sparplan
- Welt-ETF (MSCI World oder FTSE All-World) — breit gestreut
- Ab 50 €/Monat möglich, typisch 100–300 €/Monat
- Langfristige Durchschnittsrendite 6–7 % p.a.
- Jederzeit verfügbar (nicht wie Rürup gesperrt)
- Details im Finanz-Guide · Altersvorsorge
Immobilie
- Eigengenutzt: Miete sparen, Zwangsvermögen
- Kapitalanlage: Miete kassieren, Absetzung für Abnutzung (AfA) steuerlich nutzen
- Eigenkapital typisch 20–25 % + Nebenkosten (~10 %)
- Nur sinnvoll bei stabilem Einkommen & klaren Zielen
- Beispiel süddeutscher Mittelstand: Eigentumswohnung ~200–350 k, Haus ~450–700 k (2026)
Rürup / Basisrente (nur im Sonderfall)
- Steuerhebel: Beiträge bis 30.826 € (2026) absetzbar
- Nur als lebenslange Rente, nicht kündbar, nicht vererbbar
- Für die meisten Solo-Gründerinnen nicht primäre Wahl — Kosten klassischer Versicherungs-Rürup fressen den Steuerhebel oft auf
- Sinnvoll erst bei stabilem Grenzsteuersatz > 35 % (ab ~75 k € zu versteuerndes Einkommen) und nur als ETF-Rürup (Sutor / Europa / Condor)
- Ehrliche Analyse im Finanz-Guide Kap. 5.2 „Der ehrliche Rürup-Check"
Bar-Rücklage / Tagesgeld
- Liquidität: 3 Monatsumsätze (für Krise, OP, Pause)
- Tagesgeld 2–3 % Zinsen (2026, schwankend)
- Jederzeit verfügbar, kein Kursrisiko
- Kein Renditebringer — aber Fundament
- Details im Finanz-Guide · Liquidität
5.3 Allokation nach Lebensphase
| Phase | Fokus | Typische Verteilung |
|---|---|---|
| 30–40 (Jahr 1–10) | Aufbau, Risiko tragbar | Liquidität 20 % · ETF 75 % · Rürup 0–5 % · Immobilie 0 % |
| 40–50 (Jahr 10–20) | Stabilisieren, Immobilie eintreten | Liquidität 10 % · ETF 50 % · Rürup 10 % · Immobilie 30 % |
| 50+ (Jahr 20+) | Absichern, Exit vorbereiten | Liquidität 15 % · ETF 35 % · Rürup 15 % · Immobilie 35 % |
Der Vermögens-Projektions-Rechner zeigt die Entwicklung live: Sparrate, Rendite, Inflation als Regler. Du siehst nominal und real (nach Inflation) nebeneinander und kannst Szenarien speichern, um sie zu vergleichen.
Mindestens 10 % jedes Monatsgewinns gehen ins Privatvermögen — nicht zurück in den Salon. Egal wie viel Kosmetik-Technologie du dir wünschst. Wer das 20 Jahre durchhält, baut parallel zum Salon ein zweites Vermögen auf, das nichts mit dem Betrieb zu tun hat. Das ist die Versicherung gegen jedes Klumpenrisiko.
Die 5-Jahres-Vermögensroadmap
Eine konkrete Abfolge: was in welchem Jahr Priorität hat. Die folgende Beispiel-Roadmap zeigt die ersten 5 Jahre am Beispiel einer Gründerin mit 29 Start-Alter — Jahr 5 endet mit 34, dann beginnt die nächste Phase. Die Logik der 5 Schritte ist unabhängig vom Start-Alter übertragbar.
6.1 Die fünf Schritte
-
Jahr 1 (Alter 29) — Liquiditätsreserve aufbauen
Ziel: 3 Monatsumsätze (ca. 12.000–15.000 €) auf einem separaten Tagesgeldkonto. Vor allem anderen. Alles weitere wartet, bis das Fundament steht. Rücklagenquote: 30 % Steuer + 10 % Liquidität pro Einnahme. Vorsorge-Minimum: Berufsunfähigkeits-Versicherung (siehe Finanz-Guide · Berufsunfähigkeits-Versicherung). -
Jahr 2 (Alter 30) — ETF-Sparplan starten
Ziel: 100–300 €/Monat in einen Welt-ETF. Auch klein anfangen ist wichtig — die ersten Jahre bringt der Zinseszins noch wenig, aber die Gewohnheit zählt. Berufsunfähigkeits-Versicherung ist jetzt Pflicht (bis 34 günstige Tarife). Liquiditätsreserve voll. -
Jahr 3 (Alter 31) — ETF-Rate erhöhen
Ziel: ETF-Rate auf 300–500 €/Monat. Kein Rürup in Jahr 3 — Einkommen meist noch nicht hoch genug für den Steuerhebel (siehe Finanz-Guide Kap. 5.7 · Phasen-Plan). Erste größere Investitions-Entscheidung: neues Gerät (z.B. HydraFacial 8–15 k) oder Eigenkapital für Immobilie? Regel: Gerät nur, wenn klar refinanzierbar in 24 Monaten. -
Jahr 4 (Alter 32) — Immobilien-Überlegung
Ziel: klären, ob eine Immobilie in die Allokation passt. Eigenkapital 20–25 % + Nebenkosten (~10 %). Für eine Eigentumswohnung im süddeutschen Mittelstand-Markt (~300 k) heißt das: ~90 k Eigenkapital. Wenn das nach 4 Jahren nicht da ist, ist Immobilie (noch) nicht dran — ETF weiter. -
Jahr 5 (Alter 34) — Portfolio-Check & 7-Jahres-Ausblick
Ziel: alle Positionen anschauen, Rebalance, Fortschritt gegenüber der 30-Jahre-Antwort aus Kapitel 1. Fragen: passt die Allokation noch zur Lebensphase? Hat sich die Exit-Absicht geändert? Passt die Gründerin jetzt zu Antwort A, B, C oder D? Die nächsten 5 Jahre (Jahr 6–10) sind die Wachstums-Jahre (siehe Wachstums-Guide).
Was die 5 Jahre ungefähr bringen
Jahr 1 Start: 0 € Vermögen privat
Jahr 1 Ende: 12 k Liquidität + 0 Investment = 12 k
Jahr 2 Ende: 15 k Liquidität + 2,5 k ETF = 17,5 k
Jahr 3 Ende: 15 k Liq. + 10 k ETF = 25 k
Jahr 4 Ende: 15 k + 20 k ETF = 35 k
Jahr 5 Ende: 15 k + 33 k ETF = ~48 k €
6.2 Was in Jahr 6–10 kommt
Die Jahre 6–10 sind die Wachstumsphase für den Salon (Team, zweite Behandlerin, eventuell zweiter Standort — siehe Wachstums-Guide). Parallel setzt sich der Vermögensaufbau fort: ETF-Rate steigt mit dem Gewinn, erste Immobilien-Entscheidung fällt, die Frage der Rechtsform (GmbH?) wird akut (siehe Rechtsformen-Guide). Wer mit 29 gestartet ist und alles läuft, hat mit 42 typischerweise 120–180 k € Privatvermögen und einen Salon, der 250 k € wert sein kann.
Letzte-Lebensphase-Planung
Die unangenehmsten Themen. Testament, Vollmacht, Vorsorge für den Fall, dass du nicht mehr entscheiden kannst — oder nicht mehr da bist. Niemand redet darüber gern. Aber ohne diese Dokumente trifft der Staat die Entscheidungen, nicht du selbst.
7.1 Die fünf Dokumente, die jede Unternehmerin braucht
| Dokument | Was es regelt | Kosten 2026 |
|---|---|---|
| Testament | Wer erbt was, inklusive Salon | 0 € (handschriftlich) · 150–450 € (notariell) |
| Vorsorgevollmacht | Wer entscheidet medizinisch, wenn du es nicht kannst | 60 € (einfach) · bis 1.735 € (notariell, vermögensabhängig) |
| Unternehmervollmacht | Wer führt den Salon bei Koma / Unfall / langer Krankheit | ~ 150–400 € (notariell empfohlen) |
| Patientenverfügung | Welche medizinischen Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit | 0 € (Formular) · 100–300 € (anwaltlich) |
| Notfall-Ordner / digitaler Nachlass | Passwörter, Konten, Accounts, Zweitschlüssel | 0 € (Eigenarbeit) · Tool-Kosten minimal |
7.2 Testament — handschriftlich oder notariell?
Beide Formen sind rechtsgültig. Die Unterschiede:
Handschriftlich (privatschriftlich)
- Komplett mit der Hand geschrieben (nicht am PC!)
- Unterschrieben, datiert, mit Ort
- Kosten: 0 €
- Nachteil: kein Erbschein-Ersatz — Erben müssen beim Gericht beantragen (teuer)
Notarielles Testament
- Beim Notar beurkundet, automatisch in Zentralregister
- Erben brauchen keinen Erbschein — spart Geld & Zeit
- Kosten: nach GNotKG (vermögensabhängig), bei 100 k Vermögen ca. 273 €
- Vorteil: kann rechtssicher komplizierte Unternehmens-Klauseln enthalten
Für Unternehmerinnen ist ein Unternehmertestament empfohlen, kein Standard-Testament. Es regelt nicht nur, wer erbt, sondern auch, wie der Betrieb weitergeführt oder abgewickelt wird. Ohne Unternehmertestament kann eine Erbengemeinschaft den Salon blockieren (jede Entscheidung braucht Mehrheit). Notariell, ca. 300–600 € je nach Vermögen und Komplexität.
7.3 Vorsorgevollmacht — die wichtigste Vollmacht
Weit verbreiteter Irrtum: „Wenn ich bewusstlos bin, entscheidet mein Partner / meine Familie automatisch." Falsch. Ohne Vorsorgevollmacht bestellt das Betreuungsgericht eine Betreuerin — das kann Wochen dauern, und es ist nicht zwingend eine Vertraute. Eine Vorsorgevollmacht regelt:
- Medizinische Entscheidungen (Operationen, Behandlungen, Beatmung)
- Finanzielle Entscheidungen (Kontozugriff, Rechnungen zahlen)
- Behördliche Angelegenheiten (Krankenkasse, Rentenversicherung)
- Wohnungsangelegenheiten (Miete, Kündigungen)
Notariell beurkundet (~ 165 € bei 50 k Geschäftswert) ist sie auch für Handlungen nötig, die Grundbuch oder Handelsregister betreffen — und die Bank akzeptiert sie zweifelsfrei. Manche Versicherer übernehmen 2026 eine Pauschale von 250–500 € für die Erstellung — lohnt sich anzufragen.
7.4 Unternehmervollmacht — wer führt den Salon?
Die härteste Frage dieses Guides: Wer führt den Salon weiter, wenn du für 6 Monate im Koma liegst?
Ohne Unternehmervollmacht: niemand. Eine Mitarbeiterin darf keine Rechnungen zahlen, keine Lieferanten bestellen, keinen Kassenabschluss machen, keine Kündigung aussprechen. Mit Unternehmervollmacht: eine benannte Person (Mitarbeiterin, Schwester, Ehepartner) darf den Salon interim führen. Inhalt:
- Kontozugriff für Geschäftskonto
- Vertretung vor Finanzamt, Gewerbeamt, Versicherungen
- Arbeitgeber-Befugnisse (Lohnzahlung, Urlaub, ggf. Kündigung)
- Einkauf & Lieferantenbeziehungen
- Entscheidung „vorübergehend schließen vs. mit Vertretung öffnen"
7.5 Patientenverfügung & Bestattungsvorsorge
Die Patientenverfügung regelt, welche medizinischen Maßnahmen du im Voraus ablehnst — z.B. künstliche Beatmung bei unheilbarem Zustand. Das nimmt Angehörigen die schwerste Entscheidung ab. Formular der Ärztekammer Bayern oder Bundesministerium der Justiz — kostenlos.
Die Bestattungsvorsorge ist optional — manche regeln es über eine Sterbegeldversicherung (~ 10–40 €/Monat), andere über ein reserviertes Tagesgeldkonto mit Notiz im Testament. Nicht dringend mit Ende 20, aber spätestens mit 50 Thema.
7.6 Digitaler Nachlass
Das Thema wird regelmäßig unterschätzt. Eine Unternehmerin hat 2026 durchschnittlich 50–80 Accounts mit geschäftlicher Bedeutung: Hosting, Booking-Software, Kasse, Instagram, Google, Bank, Steuerberater-Portal, Cloud-Speicher. Ohne Zugang sind die alle ab Tag 1 nach einem Todesfall nicht erreichbar.
Lösung: Passwort-Manager (z.B. 1Password, Bitwarden) + Notfall-Zugangsberechtigung für eine Vertrauensperson. Details zur Tool-Setup im Tools-Guide · Digitaler Nachlass. Dazu ein Notfall-Ordner (physisch oder digital verschlüsselt) mit: Liste aller Accounts, Zweitschlüssel Salon, Steuerberaterin-Kontakt, Versicherungspolicen, wichtigste Kundinnen-Listen.
Vorsorge-Checkliste bis Jahr 3
- Handschriftliches Testament aufsetzen (Übergangslösung, sofort möglich)
- Unternehmertestament beim Notar beauftragen (Jahr 2, wenn Salon läuft)
- Vorsorgevollmacht notariell beurkunden (bevorzugte Person festlegen)
- Patientenverfügung ausfüllen (Bundesjustizministerium-Formular reicht)
- Unternehmervollmacht für Mitarbeiterin/Schwester/Partner erstellen
- Notfall-Ordner physisch anlegen (Testament-Kopie, Vollmachten, Versicherungen)
- Passwort-Manager einrichten mit Notfallzugang (siehe Tools-Guide)
- Gespräch mit benannten Personen: wissen sie, dass sie benannt sind?
- Sterbegeldversicherung prüfen (ab 40 sinnvoll, vorher nicht dringend)
- Alle 5 Jahre: Dokumente durchsehen, aktualisieren, Personen prüfen
Diese Dokumente schützen nicht dich. Sie schützen die Menschen, die du liebst — vor endlosen Behördengängen, Gerichtsentscheidungen, finanziellen Engpässen und Streit. Der Notartermin dauert 2 Stunden. Der fehlende Termin kann Angehörige Jahre kosten. Das ist die ehrliche Rechnung.
Woher diese Zahlen kommen
- DUB — KMU Multiples Report 2026 (EBIT & Umsatz)
- NIMBO — Aktuelle Umsatz- und EBIT-Multiples für KMU 2026
- Exit Coach — EBITDA Multiples 2026 Branchenüberblick
- KERN — Multiplikatorverfahren für KMU
- Firmenzukaufen — EBIT Multiplikator Tabelle 2026
- sevDesk — Multiplikatorverfahren bei Personengesellschaften
- Gesetze im Internet — § 16 EStG Betriebsveräußerung
- Haufe — Freibetrag bei Veräußerung eines Betriebs optimal nutzen
- Deutsche Unternehmensverkauf — 55-Jahr-Altersgrenze & halber Steuersatz
- Steuertipps — Betriebsveräußerung & Freibetrag erklärt
- Wikipedia — Betriebsveräußerung (§§ 16, 34 EStG)
- KERN — Earn-Out: Bedeutung mit Beispiel und Muster-Klausel
- DUB — Earn-Out-Vereinbarungen beim Unternehmensverkauf
- StMWi Bayern — Unternehmensnachfolge in Bayern (Broschüre)
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Existenzgründungsportal — Kosmetiksalon übernehmen
- Senioren der Wirtschaft — Unternehmensnachfolge & Betriebsübergabe 2026
- Pflege-Helfer — Notarkosten Vorsorgevollmacht 2026
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