Nur's Beauty Atelier

Vermögen & Exit

Die 30-Jahre-Frage. Der Salon als Vermögenswert, realistische Exit-Strategien und Vermögensaufbau neben dem Betrieb — die Langfrist-Sicht auf ein Leben als Solo-Unternehmerin.

Solo-Selbstständigkeit · April 2026

Die vier Langfrist-Wahrheiten für ein Solo-Atelier

WahrheitWas das heißtKonsequenz heute
Ein Solo-Salon ohne System ist fast wertlosWer den Salon verkörpert, kann ihn nicht verkaufen — nur die Kundinnen weitergebenAb Jahr 1 dokumentieren: Behandlungsprotokolle, Marke, Prozesse
Realistische Multiplikatoren sind nüchtern0,5–1,5× Jahresumsatz oder 2–4× Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) — keine Dotcom-BewertungenJahresabschluss sauber führen; bereinigtes EBITDA berechnen (mit Unternehmerlohn)
Der Salon darf nicht dein einziges Vermögen seinKlumpenrisiko — wenn der Standort wegbricht, ist alles wegParallel: Exchange Traded Fund (ETF)-Sparplan, Liquidität, ggf. Immobilie, Rürup
Steuerliche Exit-Boni sind einmalig45.000 € Freibetrag & halber Steuersatz: nur einmal im Leben, ab 55Verkaufszeitpunkt bewusst planen, nicht zufällig fallen lassen

Ein Salon ist kein Rentenfonds. Er ist ein Einkommen, das mit der richtigen Struktur zu einem Vermögenswert werden kann. Wer sich das in Jahr 1 klarmacht, baut die nächsten 30 Jahre anders.

Die 30-Jahre-Frage

Was willst du mit dem Salon in 30 Jahren? Das klingt nach zu viel, wenn du gerade erst anfängst. Aber die Antwort bestimmt mehr Entscheidungen heute, als du denkst — von der Marke bis zu den Verträgen.

Eine Gründerin mit Ende 20 hat bis zur Regelaltersrente mit 67 rund 35–40 Jahre Berufszeit vor sich. Wer mit 29 startet, ist in 30 Jahren 59 — acht Jahre vor der Rente. In 20 Jahren 49, in 10 Jahren 39. Der Salon wird in dieser Zeit entweder ein Betrieb bleiben, zum Vermögen werden oder einfach auslaufen. Keine dieser drei Varianten ist „falsch" — aber sie haben unterschiedliche Spielregeln, und du musst früh wissen, welches Spiel du spielst.

Beispiel: Gründerin mit 29 Start-Alter

Wer mit 29 startet: in 10 Jahren 39, in 20 Jahren 49, in 30 Jahren 59. Das Exit-Fenster (Freibetrag nach § 16 EStG) öffnet sich erst mit 55 — also rund 26 Jahre später. Frühere Entscheidungen (Markenname, Rechtsform, Dokumentation) wirken sich erst Jahrzehnte später aus, sind aber nur früh günstig zu treffen.

1.1 Die vier typischen Antworten

In der Beauty-Branche landen fast alle Solo-Unternehmerinnen in einer dieser vier Ecken. Keine ist richtig oder falsch — aber jede erfordert andere Entscheidungen heute.

Antwort A

Verkaufen & früh in Rente

Ziel: zwischen 55 und 60 den Salon für 150–500 k € verkaufen, ergänzt durch private Vorsorge.

  • Braucht: übertragbare Marke, dokumentierte Prozesse, Team
  • Heute: ab Jahr 1 Namen ohne eigenen Vornamen wählen (→ Branding überträgt sich)
  • Heute: saubere Buchhaltung & EBITDA-Historie aufbauen
  • Timing: mit 55 ist der Steuerfreibetrag nutzbar (§ 16 Abs. 4 Einkommensteuergesetz (EStG))
Antwort B

An Mitarbeiterin / Familie übergeben

Ziel: eine Nachfolgerin aus dem Team oder der Familie übernimmt — mit oder ohne Kaufpreis.

  • Braucht: Team ab Jahr 4–5 aufbauen, Nachfolgerin identifizieren
  • Heute: Fortbildung & Übernahme von Verantwortung fördern
  • Heute: Earnout-Struktur denken (Übergabe über 3–5 Jahre)
  • Familien-Nachfolge: steuerliche Verschonung nach ErbStG
Antwort C

Bis zum letzten Tag selbst arbeiten

Ziel: Lifestyle-Business. Der Salon ist Beruf und Berufung — keine Exit-Planung, sondern Auslaufen-Lassen.

  • Braucht: starke Altersvorsorge außerhalb des Salons (der Salon selbst trägt nicht)
  • Heute: 15–20 % vom Gewinn in ETF / Rürup / Immobilie
  • Heute: Körperlich nachhaltige Behandlungs-Techniken wählen
  • Realistisch: ab 60 reduzieren, nicht abrupt aufhören
Antwort D

Liquidieren und gehen

Ziel: irgendwann aufhören, Ausstattung verkaufen, Kundinnen empfehlen weiter — ohne Verkauf.

  • Braucht: keine aufwendige Vorbereitung, aber klaren Ausstiegsplan
  • Heute: Mietvertrag so gestalten, dass Ausstieg möglich ist
  • Heute: keine großen Investitionen in den letzten 5 Jahren
  • Wert: nahezu 0 € Verkaufserlös, aber Freiheit & Einfachheit
Warum das heute entscheidet

Wer in Antwort A denkt, wählt einen Salonnamen ohne eigenen Vornamen — weil eine Käuferin keinen fremden Vornamen weiterführt. Wer in Antwort C denkt, investiert 150 € pro Monat in einen ETF, statt alles in neue Geräte zu stecken. Die 30-Jahre-Antwort steuert die Namens-Entscheidung, die Rechtsform (siehe Rechtsformen-Guide), den Investitionsstil und die Marke (siehe Style-Guide).

1.2 Die Antwort darf sich ändern

Niemand weiß mit Ende 20, was mit Ende 50 passiert. Die Antwort auf die 30-Jahre-Frage ist kein Vertrag — sie ist eine Arbeits-Annahme, die alle 3–5 Jahre geprüft wird. Wichtig ist nur: es gibt eine Antwort. „Mal schauen" ist eine Entscheidung — es ist Antwort D in langsamer Form.

1.3 Die Realität: 190.000 Betriebe ohne Nachfolge

Das Institut für Mittelstandsforschung schätzt, dass zwischen 2022 und 2026 rund 190.000 Betriebe in Deutschland zur Nachfolge anstehen — bei einem deutlich kleineren Angebot an Käuferinnen. In personenbezogenen Dienstleistungen (Beauty, Friseur, Kosmetik) ist die Lage besonders angespannt: viele Betriebe werden gar nicht verkauft, sondern liquidiert, weil keine Käuferin gefunden wird. Wer früh an die Übertragbarkeit denkt, ist in einer völlig anderen Verhandlungsposition.

Der Salon als Vermögenswert

Ein Solo-Salon wird nicht automatisch zum Vermögenswert, nur weil er läuft. Er wird es, wenn vier Eigenschaften stimmen — und diese Eigenschaften entstehen nicht zufällig, sondern durch bewusste Entscheidungen ab Jahr 1.

2.1 Was einen Salon verkäuflich macht

Ein Kosmetiksalon ist verkäuflich, wenn eine Käuferin am nächsten Tag die Tür öffnen und weitermachen kann — ohne dass die Gründerin dasteht. Das klingt hart, ist aber die nüchterne Käufer-Perspektive. Vier Werttreiber bestimmen, ob das möglich ist:

Werttreiber 01

Dokumentierte Prozesse

  • SOPs für jede Standardbehandlung (Wimpern, Brauen, Maniküre, Hautanalyse)
  • Produktlisten mit Lieferantinnen & Einkaufspreisen
  • Hygiene- & Sterilisationsprotokolle schriftlich
  • Onboarding-Dokument für neue Mitarbeiterinnen
Werttreiber 02

Ablösbare Marke

  • Markenname ohne Vorname (übertragbar auf eine Nachfolgerin)
  • Eigene URL, Social-Handles, Google-Business-Profil
  • Logo & Styleguide als Dateien (siehe Style-Guide)
  • Kundinnen kennen „den Salon", nicht nur die Person
Werttreiber 03

Mitarbeiter-Unabhängigkeit

  • Ab Jahr 4–5: mindestens eine zweite Behandlerin (siehe Wachstums-Guide · Team)
  • Salon funktioniert, wenn die Gründerin 4 Wochen Urlaub macht
  • Buchungen sind an den Salon gebunden, nicht nur an eine Person
  • Instagram-Feed zeigt mehrere Hände, nicht nur eine
Werttreiber 04

Wiederkehrende Umsätze

  • Hoher Stammkundinnen-Anteil (> 70 % der Umsätze)
  • Behandlungsserien & Abo-Modelle (Microblading 2er-Paket, Hautpflege-Abo)
  • Gutschein-Umsätze Q4 (Weihnachten) als planbarer Cashflow
  • Messbarer CLV (Customer Lifetime Value) pro Kundin

2.2 Der „Gründerinnen-Test"

Eine einfache Übung alle 12 Monate: Was passiert im Salon, wenn du morgen 4 Wochen ins Ausland fliegst — ohne Handy?

Der Kern-Punkt

Was du am Verkaufstag an Kaufpreis bekommst, hängt davon ab, wie viel ohne dich im Salon übrig bleibt. Jeder Prozess, den nur du kennst, mindert den Wert. Jede Kundin, die nur zu dir persönlich kommt, mindert den Wert. Das ist unbequem — denn zu Beginn bist du der Salon. Die Frage ist: schaffst du es, dich über die Jahre aus dem Kern herauszunehmen?

2.3 Wann welche Dokumentation

PhaseDokumentationWarum jetzt
Jahr 1–2Behandlungsprotokolle pro Kundin · Einkaufslisten · HygieneplanDu erinnerst dich selbst nicht mehr an Details in 3 Jahren
Jahr 3–4SOPs für Standardbehandlungen · Onboarding-Dokument · Finanzkennzahlen-ReportVorbereitung auf erste Mitarbeiterin
Jahr 5–7Management-Handbuch · Markenrichtlinie · LieferantenverträgeSalon muss ohne dich als Gründerin funktionieren
Jahr 8+Due-Diligence-Ordner (digitaler „Verkaufs-Ordner")Jederzeit verkaufsbereit

Salon-Bewertung

Wie viel ist ein Kosmetiksalon wirklich wert? Die Antwort ist ernüchternder, als viele hoffen — und sie folgt drei Methoden, die jede Käuferin nutzt. Entscheidend sind nüchterne Zahlen, keine Leidenschafts-Aufschläge.

3.1 Die drei Bewertungsmethoden

MethodeFormelBereich für Solo-BeautyWann relevant
Umsatz-MultiplikatorJahresumsatz × Faktor0,5–1,5 ×Erste grobe Einschätzung, wenn Gewinn unklar ist
EBITDA-Multiplikatorbereinigtes EBITDA × Faktor2–4 ×Standard-Methode bei Kauf; erfordert sauberen Abschluss
SubstanzwertEinrichtung + Geräte + Kundinnenstammvariabel, meist 15–60 k €Untergrenze; Liquidation, kleine Salons ohne Brand

Der realistische Verkaufspreis ist meist der niedrigste oder Durchschnitt der drei Werte. Die 2026er DUB-Daten zeigen: im deutschen Mittelstand liegen EBITDA-Multiplikatoren zwischen 4,1 × und 7,3 × (Schnitt 5,7 ×) — in personenbezogenen Dienstleistungen unterhalb dieses Schnitts, weil die Abhängigkeit von einzelnen Personen den Wert drückt.

3.2 Wichtig: bereinigtes EBITDA bei Einzelunternehmen

Bei einer Einzelunternehmerin steht dein Unternehmerinnen-Lohn nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) — du hast keinen festen Lohn, sondern Privatentnahmen. Damit ist der ausgewiesene Gewinn künstlich höher als bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Für die Bewertung muss ein kalkulatorischer Unternehmerinnen-Lohn abgezogen werden (typisch 40–60 k € pro Jahr für Kosmetik-Managerinnen in Bayern).

Formel für faires EBITDA (Personengesellschaft)

bereinigtes EBITDA = Gewinn laut Einnahmen-Überschuss-Rechnung + Zinsen + Abschreibungen − kalkulatorischer Unternehmerinnen-Lohn
Nur dieser Wert ist mit einer GmbH oder Kaufinteressentin vergleichbar. Der Unterschied ist groß: ein Salon mit 80 k € Gewinn sieht nach EBITDA-Bereinigung oft wie 30 k € aus.

3.3 Drei Szenarien — Beispiel-Betrieb

Szenario 1 · Jahr 3 Solo

Der kleine, erfolgreiche Solo-Betrieb

Jahresumsatz: 50.000 €

Gewinn (Einnahmen-Überschuss-Rechnung): 25.000 €

Bereinigtes EBITDA: ~ −15.000 € (nach kalkulatorischem Lohn von 40 k)

Umsatz-Multiplikator (0,6–1,0 ×): 30–50 k €

Substanzwert: ~ 15–25 k € (Geräte, Einrichtung, Kundinnenkartei)

→ Realistischer Verkehrswert: 30–75 k €. Käuferin zahlt vor allem für Standort + Kundinnenstamm, nicht für Substanz.
Szenario 2 · Jahr 7 mit 2 Mitarbeiterinnen

Der mittelgroße Salon mit Team

Jahresumsatz: 250.000 €

Gewinn: 80.000 €

Bereinigtes EBITDA: ~ 40.000 € (nach kalkulatorischem Lohn)

Umsatz-Multiplikator (0,8–1,3 ×): 200–325 k €

EBITDA-Multiplikator (3–4 ×): 120–160 k €

Substanzwert: ~ 60 k €

→ Realistischer Verkehrswert: 200–320 k €. Jetzt hat der Salon einen echten Marktpreis — weil er ohne die Gründerin weiterläuft.
Szenario 3 · Jahr 12 mit Produktlinie + Zweit-Location

Der etablierte Betrieb mit Mehrfach-Ertragsquelle

Jahresumsatz: 500.000 € (Salon + Produktverkauf + Zweit-Location)

Gewinn: 140.000 €

Bereinigtes EBITDA: ~ 100.000 €

Umsatz-Multiplikator (0,8–1,2 ×): 400–600 k €

EBITDA-Multiplikator (4–5 ×): 400–500 k €

Substanzwert: ~ 120 k €

→ Realistischer Verkehrswert: 400–600 k €. Brand, Produktlinie und Zweit-Location sind übertragbar, das rechtfertigt höhere Multiplikatoren.
Wichtig: Kein Dotcom-Pricing

Tech-Startups verkaufen für 10 × Umsatz. Kosmetiksalons nicht. Die Multiplikatoren sind nüchtern, weil die Gewinn-Fortsetzung nicht garantiert ist — Käuferinnen rechnen mit 20–30 % Umsatz-Erosion im ersten Jahr nach der Übernahme (Kundinnen wandern ab, weil „ihre Kosmetikerin" wechselt). Wer 600 k € für einen 500-k-Salon zahlt, rechnet vorsichtig — das ist realistisch.

Exit-Strategien im Vergleich

Es gibt vier Wege, wie ein Salon das Leben seiner Gründerin verlassen kann. Jeder Weg hat einen eigenen Preis, ein eigenes Timing und eigene steuerliche Regeln — und nicht jeder Weg passt zu jeder Person.

4.1 Die vier Wege

Weg 01

Kompletter Verkauf

An Beauty-Gruppe, Kollegin, externe Käuferin. Kaufpreis sofort (teilweise), Übergabe über 3–12 Monate.

  • Vorteil: schnell, klarer Schnitt, Kapital sofort
  • Nachteil: Bewertungsabschlag (Käuferin rechnet konservativ)
  • Markt: dünn; personenbezogene Dienstleistungen schwer verkäuflich
  • Typisch: Asset Deal bei Einzelunternehmen; Share Deal nur bei GmbH
Weg 02

Übergabe an Mitarbeiterin

Earnout-Modell oder Pachtung mit Kaufoption. Mitarbeiterin wird über 3–5 Jahre zur Eigentümerin.

  • Vorteil: Kundinnen bleiben, Kontinuität, emotional leichter
  • Nachteil: Kaufpreis teilweise vom zukünftigen Erfolg abhängig
  • Markt: wächst, weil wenig Käuferinnen da sind
  • Earnout: 10–50 % des Kaufpreises über 3–5 Jahre
Weg 03

Familien-Nachfolge

Tochter, Schwester, Nichte übernimmt. Oft zu symbolischem Preis oder als vorweggenommene Erbfolge.

  • Vorteil: steuerliche Verschonung nach §§ 13a/13b ErbStG möglich
  • Nachteil: Familien-Konflikt-Potenzial, Qualifikation der Nachfolgerin
  • Steuer: Freibeträge 400 k (Kind) / 20 k (Geschwister)
  • Typisch: Schenkung zu Lebzeiten statt Testament
Weg 04

Liquidation

Letzte Option. Ausstattung verkaufen, Kundinnen anderen Kolleginnen empfehlen, Salon schließen.

  • Vorteil: einfach, kein Käuferinnen-Suchprozess
  • Nachteil: fast kein Erlös; Substanzwert minus Rückbau
  • Steuer: Aufgabegewinn zählt als Veräußerungsgewinn (§ 16 EStG)
  • Wann: wenn Verkauf nicht gelingt oder Salon zu stark an Person hängt

4.2 Steuerliche Aspekte beim Verkauf

Freibetrag § 16 Abs. 4 EStG

45.000 € Veräußerungsgewinn steuerfrei — einmalig im Leben. Voraussetzung: Verkäuferin hat das 55. Lebensjahr vollendet oder ist dauernd berufsunfähig. Der Freibetrag schmilzt ab einem Veräußerungsgewinn von 136.000 € schrittweise ab und ist ab 181.000 € vollständig weg. Ab Alter 55 relevant — bei Start mit 29 also rund 26 Jahre Vorlauf (Zieljahr ca. 2052).

Halber Steuersatz § 34 Abs. 3 EStG

Zusätzlich zum Freibetrag kann der ermäßigte Steuersatz (ca. 56 % des Durchschnittssteuersatzes) auf den Rest-Veräußerungsgewinn angewendet werden. Ebenfalls einmalig im Leben, ebenfalls ab 55 oder bei Berufsunfähigkeit. Beide Regeln zusammen können bei einem mittelgroßen Salon einen Unterschied von 30–50 k € Steuer machen — das ist kein Kleinkram.

4.3 Asset Deal vs. Share Deal

AspektAsset Deal (typisch für Einzelunternehmen)Share Deal (nur GmbH/Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt (UG))
Was wird verkauft?Einzelne Wirtschaftsgüter (Einrichtung, Kundenstamm, Firmenwert)Geschäftsanteile (GmbH-Anteile)
VerträgeMüssen einzeln übertragen werden (Mietvertrag, Lieferanten)Verträge bleiben bei der GmbH, Käuferin übernimmt sie mit
HaftungKäuferin haftet begrenzt für Altschulden (§ 25 Handelsgesetzbuch (HGB))Käuferin übernimmt alle Verbindlichkeiten der GmbH
Steuerlich VerkäuferinVeräußerungsgewinn nach § 16 EStG (Freibetrag + halber Satz möglich)Teileinkünfteverfahren (60 % steuerpflichtig) oder § 17 EStG
Vorteil für KäuferinKaufpreis wird abgeschrieben (AfA auf Goodwill über 15 Jahre)Keine Abschreibung des Kaufpreises — schlechter für Käuferin

Für ein Solo-Einzelunternehmen ist der Asset Deal die Regel. Wenn du später zur GmbH wechselst (siehe Rechtsformen-Guide), öffnet sich die Share-Deal-Option — für Käuferinnen weniger attraktiv, für Verkäuferinnen teils günstiger.

4.4 Realistische Exit-Timings

Alter der GründerinEmpfohlener WegWarum
40–50 (Jahr 8–18)Keine aktive Exit-Vorbereitung — WachstumSubstanz aufbauen, Marke stabilisieren, Team
50–55 (Jahr 18–23)Vorbereitung beginnt: Nachfolgerin identifizieren, Prozesse dokumentierenVerkauf dauert 2–5 Jahre Vorbereitung
55–62 (Jahr 23–30)Exit-Fenster: Verkauf, Übergabe, EarnoutFreibetrag + halber Steuersatz nutzbar
62+ (Jahr 30+)Wenn kein Verkauf gelingt: Liquidation oder „sanftes Auslaufen"Körperliche Belastung sinkt, Teilzeit möglich

Vermögen neben dem Salon

Der Salon darf nicht dein einziger Vermögenswert sein. Das ist kein Misstrauensvotum gegen den eigenen Erfolg — es ist Risikomanagement. Wer alles in einem Standort hat, ist bei jeder Krise nackt.

5.1 Das Klumpenrisiko

Ein Solo-Salon bündelt drei Risiken in einer Person und einem Standort:

Deshalb: Vermögen außerhalb des Salons aufbauen, parallel zum Betrieb. Nicht stattdessen. Die Regel aus der Vermögensberatung: nie mehr als 50 % des Nettovermögens im eigenen Unternehmen.

5.2 Die vier Säulen außerhalb

Säule 01

ETF-Sparplan

  • Welt-ETF (MSCI World oder FTSE All-World) — breit gestreut
  • Ab 50 €/Monat möglich, typisch 100–300 €/Monat
  • Langfristige Durchschnittsrendite 6–7 % p.a.
  • Jederzeit verfügbar (nicht wie Rürup gesperrt)
  • Details im Finanz-Guide · Altersvorsorge
Säule 02

Immobilie

  • Eigengenutzt: Miete sparen, Zwangsvermögen
  • Kapitalanlage: Miete kassieren, Absetzung für Abnutzung (AfA) steuerlich nutzen
  • Eigenkapital typisch 20–25 % + Nebenkosten (~10 %)
  • Nur sinnvoll bei stabilem Einkommen & klaren Zielen
  • Beispiel süddeutscher Mittelstand: Eigentumswohnung ~200–350 k, Haus ~450–700 k (2026)
Säule 03

Rürup / Basisrente (nur im Sonderfall)

  • Steuerhebel: Beiträge bis 30.826 € (2026) absetzbar
  • Nur als lebenslange Rente, nicht kündbar, nicht vererbbar
  • Für die meisten Solo-Gründerinnen nicht primäre Wahl — Kosten klassischer Versicherungs-Rürup fressen den Steuerhebel oft auf
  • Sinnvoll erst bei stabilem Grenzsteuersatz > 35 % (ab ~75 k € zu versteuerndes Einkommen) und nur als ETF-Rürup (Sutor / Europa / Condor)
  • Ehrliche Analyse im Finanz-Guide Kap. 5.2 „Der ehrliche Rürup-Check"
Säule 04

Bar-Rücklage / Tagesgeld

  • Liquidität: 3 Monatsumsätze (für Krise, OP, Pause)
  • Tagesgeld 2–3 % Zinsen (2026, schwankend)
  • Jederzeit verfügbar, kein Kursrisiko
  • Kein Renditebringer — aber Fundament
  • Details im Finanz-Guide · Liquidität

5.3 Allokation nach Lebensphase

PhaseFokusTypische Verteilung
30–40 (Jahr 1–10)Aufbau, Risiko tragbarLiquidität 20 % · ETF 75 % · Rürup 0–5 % · Immobilie 0 %
40–50 (Jahr 10–20)Stabilisieren, Immobilie eintretenLiquidität 10 % · ETF 50 % · Rürup 10 % · Immobilie 30 %
50+ (Jahr 20+)Absichern, Exit vorbereitenLiquidität 15 % · ETF 35 % · Rürup 15 % · Immobilie 35 %
Selbst ausprobieren

Der Vermögens-Projektions-Rechner zeigt die Entwicklung live: Sparrate, Rendite, Inflation als Regler. Du siehst nominal und real (nach Inflation) nebeneinander und kannst Szenarien speichern, um sie zu vergleichen.

Die 10-%-Regel

Mindestens 10 % jedes Monatsgewinns gehen ins Privatvermögen — nicht zurück in den Salon. Egal wie viel Kosmetik-Technologie du dir wünschst. Wer das 20 Jahre durchhält, baut parallel zum Salon ein zweites Vermögen auf, das nichts mit dem Betrieb zu tun hat. Das ist die Versicherung gegen jedes Klumpenrisiko.

Die 5-Jahres-Vermögensroadmap

Eine konkrete Abfolge: was in welchem Jahr Priorität hat. Die folgende Beispiel-Roadmap zeigt die ersten 5 Jahre am Beispiel einer Gründerin mit 29 Start-Alter — Jahr 5 endet mit 34, dann beginnt die nächste Phase. Die Logik der 5 Schritte ist unabhängig vom Start-Alter übertragbar.

6.1 Die fünf Schritte

Beispiel-Roadmap: Gründerin mit 29 Start-Alter
  1. Jahr 1 (Alter 29) — Liquiditätsreserve aufbauen
    Ziel: 3 Monatsumsätze (ca. 12.000–15.000 €) auf einem separaten Tagesgeldkonto. Vor allem anderen. Alles weitere wartet, bis das Fundament steht. Rücklagenquote: 30 % Steuer + 10 % Liquidität pro Einnahme. Vorsorge-Minimum: Berufsunfähigkeits-Versicherung (siehe Finanz-Guide · Berufsunfähigkeits-Versicherung).
  2. Jahr 2 (Alter 30) — ETF-Sparplan starten
    Ziel: 100–300 €/Monat in einen Welt-ETF. Auch klein anfangen ist wichtig — die ersten Jahre bringt der Zinseszins noch wenig, aber die Gewohnheit zählt. Berufsunfähigkeits-Versicherung ist jetzt Pflicht (bis 34 günstige Tarife). Liquiditätsreserve voll.
  3. Jahr 3 (Alter 31) — ETF-Rate erhöhen
    Ziel: ETF-Rate auf 300–500 €/Monat. Kein Rürup in Jahr 3 — Einkommen meist noch nicht hoch genug für den Steuerhebel (siehe Finanz-Guide Kap. 5.7 · Phasen-Plan). Erste größere Investitions-Entscheidung: neues Gerät (z.B. HydraFacial 8–15 k) oder Eigenkapital für Immobilie? Regel: Gerät nur, wenn klar refinanzierbar in 24 Monaten.
  4. Jahr 4 (Alter 32) — Immobilien-Überlegung
    Ziel: klären, ob eine Immobilie in die Allokation passt. Eigenkapital 20–25 % + Nebenkosten (~10 %). Für eine Eigentumswohnung im süddeutschen Mittelstand-Markt (~300 k) heißt das: ~90 k Eigenkapital. Wenn das nach 4 Jahren nicht da ist, ist Immobilie (noch) nicht dran — ETF weiter.
  5. Jahr 5 (Alter 34) — Portfolio-Check & 7-Jahres-Ausblick
    Ziel: alle Positionen anschauen, Rebalance, Fortschritt gegenüber der 30-Jahre-Antwort aus Kapitel 1. Fragen: passt die Allokation noch zur Lebensphase? Hat sich die Exit-Absicht geändert? Passt die Gründerin jetzt zu Antwort A, B, C oder D? Die nächsten 5 Jahre (Jahr 6–10) sind die Wachstums-Jahre (siehe Wachstums-Guide).
Rechenbeispiel · konservativ

Was die 5 Jahre ungefähr bringen

Jahr 1 Start: 0 € Vermögen privat

Jahr 1 Ende: 12 k Liquidität + 0 Investment = 12 k

Jahr 2 Ende: 15 k Liquidität + 2,5 k ETF = 17,5 k

Jahr 3 Ende: 15 k Liq. + 10 k ETF = 25 k

Jahr 4 Ende: 15 k + 20 k ETF = 35 k

Jahr 5 Ende: 15 k + 33 k ETF = ~48 k €

→ Nach 5 Jahren: fast 50 k € privates Vermögen zusätzlich zum Salon. Das ist die Grundlage für die nächste Entscheidung (Immobilie, mehr ETF, Team-Ausbau).

6.2 Was in Jahr 6–10 kommt

Die Jahre 6–10 sind die Wachstumsphase für den Salon (Team, zweite Behandlerin, eventuell zweiter Standort — siehe Wachstums-Guide). Parallel setzt sich der Vermögensaufbau fort: ETF-Rate steigt mit dem Gewinn, erste Immobilien-Entscheidung fällt, die Frage der Rechtsform (GmbH?) wird akut (siehe Rechtsformen-Guide). Wer mit 29 gestartet ist und alles läuft, hat mit 42 typischerweise 120–180 k € Privatvermögen und einen Salon, der 250 k € wert sein kann.

Letzte-Lebensphase-Planung

Die unangenehmsten Themen. Testament, Vollmacht, Vorsorge für den Fall, dass du nicht mehr entscheiden kannst — oder nicht mehr da bist. Niemand redet darüber gern. Aber ohne diese Dokumente trifft der Staat die Entscheidungen, nicht du selbst.

7.1 Die fünf Dokumente, die jede Unternehmerin braucht

DokumentWas es regeltKosten 2026
TestamentWer erbt was, inklusive Salon0 € (handschriftlich) · 150–450 € (notariell)
VorsorgevollmachtWer entscheidet medizinisch, wenn du es nicht kannst60 € (einfach) · bis 1.735 € (notariell, vermögensabhängig)
UnternehmervollmachtWer führt den Salon bei Koma / Unfall / langer Krankheit~ 150–400 € (notariell empfohlen)
PatientenverfügungWelche medizinischen Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit0 € (Formular) · 100–300 € (anwaltlich)
Notfall-Ordner / digitaler NachlassPasswörter, Konten, Accounts, Zweitschlüssel0 € (Eigenarbeit) · Tool-Kosten minimal

7.2 Testament — handschriftlich oder notariell?

Beide Formen sind rechtsgültig. Die Unterschiede:

Option A

Handschriftlich (privatschriftlich)

  • Komplett mit der Hand geschrieben (nicht am PC!)
  • Unterschrieben, datiert, mit Ort
  • Kosten: 0 €
  • Nachteil: kein Erbschein-Ersatz — Erben müssen beim Gericht beantragen (teuer)
Option B

Notarielles Testament

  • Beim Notar beurkundet, automatisch in Zentralregister
  • Erben brauchen keinen Erbschein — spart Geld & Zeit
  • Kosten: nach GNotKG (vermögensabhängig), bei 100 k Vermögen ca. 273 €
  • Vorteil: kann rechtssicher komplizierte Unternehmens-Klauseln enthalten
Unternehmertestament — nicht normales Testament

Für Unternehmerinnen ist ein Unternehmertestament empfohlen, kein Standard-Testament. Es regelt nicht nur, wer erbt, sondern auch, wie der Betrieb weitergeführt oder abgewickelt wird. Ohne Unternehmertestament kann eine Erbengemeinschaft den Salon blockieren (jede Entscheidung braucht Mehrheit). Notariell, ca. 300–600 € je nach Vermögen und Komplexität.

7.3 Vorsorgevollmacht — die wichtigste Vollmacht

Weit verbreiteter Irrtum: „Wenn ich bewusstlos bin, entscheidet mein Partner / meine Familie automatisch." Falsch. Ohne Vorsorgevollmacht bestellt das Betreuungsgericht eine Betreuerin — das kann Wochen dauern, und es ist nicht zwingend eine Vertraute. Eine Vorsorgevollmacht regelt:

Notariell beurkundet (~ 165 € bei 50 k Geschäftswert) ist sie auch für Handlungen nötig, die Grundbuch oder Handelsregister betreffen — und die Bank akzeptiert sie zweifelsfrei. Manche Versicherer übernehmen 2026 eine Pauschale von 250–500 € für die Erstellung — lohnt sich anzufragen.

7.4 Unternehmervollmacht — wer führt den Salon?

Die härteste Frage dieses Guides: Wer führt den Salon weiter, wenn du für 6 Monate im Koma liegst?

Ohne Unternehmervollmacht: niemand. Eine Mitarbeiterin darf keine Rechnungen zahlen, keine Lieferanten bestellen, keinen Kassenabschluss machen, keine Kündigung aussprechen. Mit Unternehmervollmacht: eine benannte Person (Mitarbeiterin, Schwester, Ehepartner) darf den Salon interim führen. Inhalt:

7.5 Patientenverfügung & Bestattungsvorsorge

Die Patientenverfügung regelt, welche medizinischen Maßnahmen du im Voraus ablehnst — z.B. künstliche Beatmung bei unheilbarem Zustand. Das nimmt Angehörigen die schwerste Entscheidung ab. Formular der Ärztekammer Bayern oder Bundesministerium der Justiz — kostenlos.

Die Bestattungsvorsorge ist optional — manche regeln es über eine Sterbegeldversicherung (~ 10–40 €/Monat), andere über ein reserviertes Tagesgeldkonto mit Notiz im Testament. Nicht dringend mit Ende 20, aber spätestens mit 50 Thema.

7.6 Digitaler Nachlass

Das Thema wird regelmäßig unterschätzt. Eine Unternehmerin hat 2026 durchschnittlich 50–80 Accounts mit geschäftlicher Bedeutung: Hosting, Booking-Software, Kasse, Instagram, Google, Bank, Steuerberater-Portal, Cloud-Speicher. Ohne Zugang sind die alle ab Tag 1 nach einem Todesfall nicht erreichbar.

Lösung: Passwort-Manager (z.B. 1Password, Bitwarden) + Notfall-Zugangsberechtigung für eine Vertrauensperson. Details zur Tool-Setup im Tools-Guide · Digitaler Nachlass. Dazu ein Notfall-Ordner (physisch oder digital verschlüsselt) mit: Liste aller Accounts, Zweitschlüssel Salon, Steuerberaterin-Kontakt, Versicherungspolicen, wichtigste Kundinnen-Listen.

Vorsorge-Checkliste bis Jahr 3

  • Handschriftliches Testament aufsetzen (Übergangslösung, sofort möglich)
  • Unternehmertestament beim Notar beauftragen (Jahr 2, wenn Salon läuft)
  • Vorsorgevollmacht notariell beurkunden (bevorzugte Person festlegen)
  • Patientenverfügung ausfüllen (Bundesjustizministerium-Formular reicht)
  • Unternehmervollmacht für Mitarbeiterin/Schwester/Partner erstellen
  • Notfall-Ordner physisch anlegen (Testament-Kopie, Vollmachten, Versicherungen)
  • Passwort-Manager einrichten mit Notfallzugang (siehe Tools-Guide)
  • Gespräch mit benannten Personen: wissen sie, dass sie benannt sind?
  • Sterbegeldversicherung prüfen (ab 40 sinnvoll, vorher nicht dringend)
  • Alle 5 Jahre: Dokumente durchsehen, aktualisieren, Personen prüfen
Der unbequeme Satz

Diese Dokumente schützen nicht dich. Sie schützen die Menschen, die du liebst — vor endlosen Behördengängen, Gerichtsentscheidungen, finanziellen Engpässen und Streit. Der Notartermin dauert 2 Stunden. Der fehlende Termin kann Angehörige Jahre kosten. Das ist die ehrliche Rechnung.

Woher diese Zahlen kommen