Nur's Beauty Atelier — Businessplan-Guide

Der Businessplan,
der Fördergelder bringt

Wie aus einer Idee ein 25- bis 30-seitiges Dokument wird, das Bankerinnen, KfW-Sachbearbeiter und Gründungsberaterinnen überzeugt — Kapitel für Kapitel, mit Checklisten und Prüffragen.

Version 1.0 · April 2026

Warum ein Businessplan?

Drei Gründe — davon ist mindestens einer für dich relevant, meistens alle drei.

Viele Gründerinnen schreiben einen Businessplan nur, weil die Bank ihn verlangt. Das ist die schlechteste Motivation. Ein guter Businessplan ist ein Denk-Werkzeug, das drei Dinge gleichzeitig leistet: er zwingt dich zu Ehrlichkeit mit den eigenen Zahlen, er macht deine Idee für Außenstehende verständlich, und er wird zur Basis für alle späteren Entscheidungen.

Fördergelder freischalten

KfW-StartGeld, Gründungszuschuss, LfA Bayern

Ohne Businessplan kein KfW-Darlehen, kein Gründungszuschuss, kein Förderkredit der LfA. Die Förder-Institute verlangen ihn als Pflicht-Anlage — ohne prüfen sie nicht einmal.

Bank-Gespräch bestehen

Hausbank als Durchleitungs-Partner

Der KfW-Kredit läuft immer über eine Hausbank. Die Hausbank haftet und prüft daher noch einmal selbst — und prüft streng. Ohne belastbaren Businessplan keine Kreditzusage.

Eigene Klarheit gewinnen

Der heimliche Hauptnutzen

Spätestens beim Finanzplan merkst du, ob die Rechnung aufgeht. Beim Schreiben fallen dir Lücken auf, die du vorher nicht gesehen hast. Besser jetzt als nach Unterschrift unter den Mietvertrag.

Das Paradox

Gründerinnen, die einen Businessplan vor allem für sich selbst schreiben, bekommen die Bankzusage leichter als die, die ihn nur für die Bank schreiben. Grund: wer für sich selbst schreibt, ist ehrlicher, konkreter, genauer — und genau das überzeugt auch die Bank.

Die Voraussetzung für alles Weitere

Der Businessplan ist logisch vor dem Mietvertrag, vor der Gewerbeanmeldung, vor dem Möbelkauf. Er beantwortet die Frage, ob das Vorhaben überhaupt tragfähig ist. Das klingt banal — aber über die Hälfte der Salon-Gründerinnen unterschreibt zuerst den Mietvertrag und rechnet erst danach nach, ob sie sich die Miete leisten kann. Das ist die teuerste aller möglichen Reihenfolgen.

Sinnvolle Reihenfolge: Idee → Grob-Skizze → Businessplan → Finanzierungszusage → Mietvertrag → Gewerbeanmeldung → Go-Live. Der Businessplan ist der Gate-Keeper, der falsche Projekte früh stoppt — bevor Geld fließt, das nicht mehr zurückkommt.

Wer liest den Businessplan?

Drei Leser-Typen, drei Lese-Bedürfnisse. Du schreibst für alle drei gleichzeitig.

Leser-TypLiest vor allemWas überzeugt sieWas schreckt sie ab
Banker der HausbankFinanzplan, Sicherheiten, SchufaRealistische Zahlen, konservative Planung, belastbare AnnahmenZu optimistische Umsätze, unklare Liquidität, fehlende Sicherheiten
KfW / LfA-SachbearbeiterExecutive Summary, Qualifikation, FinanzplanKlare Struktur, nachvollziehbare Förder-Begründung, vollständige AnlagenUnklare Rechtsform, fehlende Steuerberaterin-Bestätigung, formale Mängel
Gründungsberater (IHK, HWK)Gesamtkonzept, Markt, RisikenKlares Alleinstellungsmerkmal (USP), realistische Markt-Einschätzung, durchdachte RisikenCopy-Paste aus Mustern, fehlende Konkurrenz-Analyse, leere Floskeln
Vermieter / MaklerExecutive Summary, Rentabilitäts-Vorschau, SchufaMiet-zu-Umsatz-Verhältnis im grünen Bereich, seriöses Konzept, solide FinanzierungUmsatzplan, der die Miete kaum deckt; keine Rücklagen; unklare Rechtsform
Du selbst in drei JahrenAlle Annahmen, alle ZahlenEhrliche Planung, die man auch nachträglich erklären kannGeschönte Zahlen, die einen später einholen

Die Zehn-Sekunden-Regel

Banker und Sachbearbeiter lesen am Anfang nur die Executive Summary und die Rentabilitäts-Vorschau. Erst wenn beides positiv überrascht, lesen sie den Rest. Das heißt: die ersten zwei Seiten und die Finanzplan-Tabellen müssen in sich schlüssig sein — selbst ohne den Kontext der anderen Kapitel.

Praktische Konsequenz

Schreibe die Executive Summary zuletzt, nicht zuerst. Erst wenn alle anderen Kapitel stehen, kannst du das Wesentliche auf einer Seite zusammenfassen. Wer zuerst die Summary schreibt, schreibt zu vage und muss später drei Mal umschreiben.

Aufbau & Umfang

Ein Salon-Businessplan hat neun Kapitel und kommt auf 25–30 Seiten inklusive Anhang. Alles darunter wirkt zu dünn, alles darüber wird nicht gelesen.

#KapitelUmfangZweck
1Executive Summary1 S.Die eine Seite, die alles entscheidet
2Persönliche Daten & Qualifikation1–2 S.Warum du das Unternehmen führen kannst
3Geschäftsidee & Konzept2–3 S.Was genau angeboten wird, mit welchem Alleinstellungsmerkmal (USP)
4Markt & Wettbewerb2–3 S.Zielgruppe, Marktgröße, Konkurrenz
5Standort1–2 S.Wo und warum dort
6Marketing & Vertrieb2–3 S.Wie Kundinnen kommen
7Rechtsform & Organisation1–2 S.Wie das Unternehmen rechtlich läuft
8Chancen & Risiken (SWOT)1 S.Ehrliche Einschätzung beider Seiten
9Finanzplanung6–8 S.Die Zahlen, die alles tragen
Anhang4–6 S.Nachweise, Kostenvoranschläge, Zeugnisse

Form & Design

Der häufigste Form-Fehler

Rechenfehler in den Tabellen. Wenn die Summe der Zeilen nicht mit dem Total übereinstimmt, verliert die Bank schlagartig Vertrauen in den gesamten Plan. Vor Abgabe jede Tabelle zweimal durchrechnen — oder von der Steuerberaterin gegenrechnen lassen.

Kapitel 1: Executive Summary

Eine Seite. Die wichtigste des ganzen Dokuments. Wird als erstes gelesen, entscheidet, ob der Rest überhaupt geprüft wird.

Was rein muss

Die sieben Antworten auf einer Seite

  • Wer gründet? (Name, Qualifikation in einem Satz)
  • Was wird gegründet? (Salon-Name, Konzept in zwei Sätzen)
  • Wo? (Standort, Zielregion)
  • Für wen? (Zielgruppe in einem Satz)
  • Was kostet das? (Kapitalbedarf-Summe)
  • Wie wird es finanziert? (Eigenkapital + Darlehen + Förderung, jeweils mit Betrag)
  • Wann ist Break-Even und wie hoch ist der Gewinn in Jahr 3?

Wie sie klingen sollte

Beispiel-Aufbau einer Executive Summary [Name] (34), staatlich geprüfte Kosmetikerin mit acht Jahren Berufserfahrung, eröffnet im [Monat Jahr] in [Ort] den Premium-Kosmetiksalon „[Salon-Name]". Der Salon richtet sich an berufstätige Frauen im Alter von 30–55 Jahren im Einzugsgebiet [Stadt] / [Region] und bietet als Spezial-Salon ausschließlich Gesichtsbehandlungen, Wimpern- und Brauen-Styling in einer ruhigen, privaten Atmosphäre — eine Kundin pro Behandlungs-Slot, keine Parallel-Termine. Die Marktanalyse zeigt in [Ort] [X] direkte Wettbewerber, davon nur zwei im Premium-Segment. Dein Salon positioniert sich klar oberhalb des Durchschnitts (Ø-Preis 78 € gegenüber 55 € im Marktmittel), begründet durch [Alleinstellungsmerkmal in einem Satz]. Der Kapitalbedarf von [X.000 €] setzt sich zusammen aus Umbau, Einrichtung, Geräten, Eröffnungs-Marketing und einer Liquiditätsreserve für sechs Monate. Die Finanzierung erfolgt aus [X.000 €] Eigenkapital, einem KfW-StartGeld von [X.000 €] und [ggf. Gründungszuschuss]. In Jahr 1 wird ein Umsatz von ca. [70.000 €] erwartet, Break-Even nach [7] Monaten. Jahr 3 liegt der geplante Umsatz bei [136.000 €] und der Vorsteuer-Gewinn bei [68.800 €].
Tipp von IHK-Gründungsberater

Wenn du die Executive Summary nicht auf eine Seite bekommst, ist dein Konzept noch nicht scharf genug. Zwinge dich zur Kürze — das schärft den Kern. Kommentare wie „wir bieten außerdem" oder „eventuell später auch" streichen. Entweder es gehört ins Konzept oder nicht.

Kapitel 2: Person & Qualifikation

„Menschen finanzieren Menschen, nicht Businesspläne." — das sagen Banker im Hintergrund. In diesem Kapitel entscheidet sich, ob du als Person glaubwürdig wirkst.

Was rein muss

Steckbrief der Gründerin

  • Vollständiger Name, Geburtsdatum, Adresse, Kontakt
  • Familienstand (nur wenn für die Finanzierung relevant, z. B. bei gemeinsamer Haftung)
  • Ausbildung (Schule, Abschluss-Jahr, Note wenn gut)
  • Berufsausbildung: Kosmetikerin (staatlich geprüft oder Handwerkskammer)
  • Zusatzqualifikationen (Permanent Make-up, Wimpernverlängerung, Microneedling, etc.) jeweils mit Zertifikat und Jahr
  • Beruflicher Werdegang: Stationen, Dauer, Verantwortung, Grund für den Wechsel
  • Aktuelle Tätigkeit

Der Motivations-Absatz

Ein Absatz, der beantwortet: Warum jetzt, warum dieses Konzept, warum an diesem Ort? Keine Floskeln („schon immer ein Traum"), sondern konkrete Auslöser: „In den letzten drei Jahren als Angestellte habe ich in Salon X regelmäßig Kundinnen betreut, die explizit nach einem ruhigen Spezial-Salon gefragt haben — das Angebot fehlt vor Ort komplett." Das ist ein Marktbeleg, eingebettet in die persönliche Geschichte.

Was die Bank zusätzlich sehen will

Was Banken sofort ablehnen lässt

Offene Inkasso-Einträge in der Schufa, laufende private Kredite über mehr als 10.000 €, die zum Zeitpunkt der Anfrage nicht transparent im Plan stehen, oder „geheime" Einkommensquellen, die beim Gespräch unerwähnt bleiben. Alles offenlegen, alles erklären — Vertrauen ist die Währung, die du aufbaust.

Kapitel 3: Geschäftsidee & Konzept

Die Idee des Salons. Was wird angeboten, mit welcher Handschrift, was unterscheidet ihn von allen anderen.

Drei Unter-Abschnitte

Abschnitt 3.1

Die Idee

Zwei bis drei Absätze: Was ist dein Salon? Welche Handschrift hat er? Welche Atmosphäre, welches Versprechen?

Abschnitt 3.2

Leistungsangebot

Vollständige Behandlungs-Liste in Kategorien — Gesicht, Wimpern, Brauen, Körper, Ergänzungen. Mit Behandlungs-Dauer und Preis. Die spätere Preisliste bereits hier.

Abschnitt 3.3

Alleinstellungsmerkmal

Drei bis fünf konkrete Punkte, die deinen Salon von der Konkurrenz unterscheiden. Keine Adjektive („hochwertig", „professionell") — sondern nachweisbare Fakten.

Wie ein starker USP klingt

Schwacher USP (austauschbar)Starker USP (spezifisch)
„Hochwertige Produkte"„Ausschließlich Biologique Recherche und Maria Galland — in der Region nur bei uns erhältlich"
„Persönliche Betreuung"„Eine Kundin pro Termin-Slot, keine Parallel-Behandlungen, 15 Minuten Puffer zwischen Terminen"
„Premium-Ambiente"„Architekten-designter Behandlungsraum, akustische Entkopplung, Tagesdecken-Wechsel nach jeder Kundin, eigenes WC mit Dusche"
„Kompetente Beratung"„45 Minuten Erst-Analyse vor jeder ersten Behandlung, dokumentierter Behandlungsplan, Follow-up-Call nach 7 Tagen"
Test: Der „Oder-was"-Check

Schreibe hinter jeden USP-Punkt: „… oder was?" Wenn der Unterschied zu einer gewöhnlichen Kosmetikerin unklar bleibt, ist der Punkt zu schwach. Beispiel: „Persönliche Betreuung — oder was sonst?" Schwach. „Ein Termin pro Slot, kein Parallel-Betrieb — oder was ist der Standard? Drei Parallel-Termine." Stark.

Verweis auf den Marketing-Plan-Guide für die Entwicklung eines Top-Angebots und auf den Konkurrenz-Analyse-Guide für den USP-Abgleich mit den 53 Salons im 20-km-Radius.

Kapitel 4: Markt & Wettbewerb

Drei Teile: Zielgruppe, Marktgröße, Konkurrenz. Ohne belastbare Zahlen hier wirkt der ganze Plan amateurhaft.

4.1 Zielgruppe

Nicht „alle Frauen" — das ist keine Zielgruppe. Definiere nach Alter, Einkommen, Beruf, Wohnort-Radius und psychografischer Motivation. Je enger, desto überzeugender.

Zielgruppen-Beschreibung — Beispiel Primär-Zielgruppe (ca. 70 % des Umsatzes): Berufstätige Frauen im Alter von 30–55 Jahren mit einem Netto-Haushaltseinkommen von mindestens 3.500 € / Monat im Einzugsgebiet deiner Stadt und der Nachbarorte (ca. 20 Autominuten Radius). Motivation: „Ich gönne mir bewusst Zeit für mich, ich will eine Expertin, die mich langfristig begleitet, ich zahle gerne mehr für echte Ruhe und Qualität." Sekundär-Zielgruppe (ca. 30 %): Bräute im Großraum deiner Region (Hochzeits-Saison März–September), Paar-Treatments für Geschenke, Gutschein-Kundinnen aus Firmen der Region.

4.2 Marktgröße — mit echten Zahlen

Die Bank erwartet Quellenangaben. Verlasse dich nicht auf gefühlte Eindrücke.

Wo du die Zahlen findest

  • Einwohner deiner Stadt und Umkreis: Statistisches Landesamt (je nach Bundesland, z. B. statistik.bayern.de), jeweils aktuellster Jahrgang
  • Altersstruktur: Zensus 2022 oder Statistisches Jahrbuch Bayern
  • Kaufkraft-Index: IHK Schwaben veröffentlicht jährlich einen Kaufkraft-Vergleich
  • Branchen-Kennzahlen: VCP (Verband Cosmetic Professional), BDK (Bundesverband der Kosmetikerinnen) — jährliche Branchen-Berichte
  • Pro-Kopf-Ausgaben Kosmetik: Statistisches Bundesamt „Laufende Wirtschaftsrechnung" — ca. 280–450 € / Jahr pro Frau 25–65, je nach Einkommensdezil

4.3 Wettbewerbsanalyse

Mindestens fünf direkte Wettbewerber beschreiben — Name, Standort, Schwerpunkt, Preisniveau, Online-Bewertung, Abgrenzung zu deinem Salon. Eine Konkurrenzanalyse mit vielen Salons, Preisen und Reviews liefert dir der Konkurrenz-Analyse-Guide; für den Businessplan reichen die Top 5–10 aus deiner direkten Umgebung.

WettbewerberStandortSchwerpunktPreisniveauStärkenSchwächenAbgrenzung dein Salon
Beispiel-Salon AInnenstadtKlassik-Gesichtsbehandlungen€€ (55–80 €)Zentrale Lage, bekanntLaufbetrieb, keine RuheDein Salon: Spezial-Salon, kein Parallel-Betrieb
Beispiel-Salon BGewerbegebietWimpern-Kette€ (25–45 €)Günstig, schnellQualitäts-SchwankungDein Salon: Premium-Wimpern mit Garantie
Beispiel-Salon CNachbarortFriseurin mit Kosmetik-Angebot€€ (50–70 €)Bestehender Kunden-StammKosmetik nur Zusatz-AngebotDein Salon: 100 % Fokus Kosmetik

Abschluss-Absatz: Fazit in zwei bis drei Sätzen, wie sich dein Salon im Markt verortet und welche Nische gezielt besetzt wird.

Kapitel 5: Standort

Lage, Räumlichkeiten, Mietkonditionen. Je konkreter, desto überzeugender — Bankerinnen wollen wissen, ob die Miete im Verhältnis zum geplanten Umsatz steht.

Was rein muss

Standort-Kapitel in sechs Blöcken

  • Adresse und Lage-Beschreibung (Fußgängerzone, Nebenstraße, Gewerbegebiet)
  • Frequenz: Passanten-Zählung oder Schätzung, ÖPNV-Anbindung, Parkplätze im Umkreis
  • Einzugsgebiet: Radius und erwartete Bezugs-Orte der Kundinnen
  • Räumlichkeiten: Gesamtfläche, Aufteilung (Empfang, Behandlungsraum, Lager, WC), Grundriss als Anhang
  • Mietkonditionen: Kalt-/Warm-Miete, Nebenkosten, Kaution, Laufzeit, Staffelmiete-Regelung, Kündigungsfristen
  • Umbau-Bedarf: Was muss gemacht werden, mit welchen Kostenvoranschlägen (gehören in den Anhang)

Die Miet-zu-Umsatz-Regel

Faustregel aus der Branche

Kalt-Miete inklusive Nebenkosten sollte maximal 10–12 % des geplanten Jahres-Umsatzes betragen. Bei geplanten 70.000 € Jahr 1 heißt das: Monatsmiete warm maximal 580–700 €. Wer in den ersten zwei Jahren über 15 % landet, hat ein strukturelles Problem, das kein Marketing mehr heilen kann.

Der Salon-Setup-Guide hat die vollständige Raumanforderungs- und Grundriss-Checkliste, inklusive Wohlfühl-Details (Duft, Pflanzen, Licht, WC) — für den Businessplan nur die geschäftsrelevanten Punkte extrahieren.

Der Businessplan bei der Objekt-Bewerbung

Bei Gewerbeflächen fragen Vermieter und Makler nahezu immer nach wirtschaftlichen Unterlagen — und zwar bevor sie überhaupt einen Mietvertrags-Entwurf schicken. Das wird besonders wichtig, wenn sich mehrere Interessentinnen um dasselbe Objekt bewerben: Dann gewinnt nicht zwangsläufig die höchste Mietzusage, sondern diejenige, deren Konzept am seriösesten wirkt.

Kurz-Version für Makler

Den vollständigen 30-seitigen Businessplan gibst du nicht an Makler heraus — das ist zu viel Vertraulichkeit zu früh. Stattdessen: eine 3- bis 5-seitige Kurz-Version („Bewerbungs-Mappe") mit Executive Summary, Konzept in einem Absatz, Rentabilitäts-Vorschau Jahr 1–3, Miet-zu-Umsatz-Verhältnis, kurzer Lebenslauf und Schufa-Eigenauskunft. Den vollständigen Plan erst an die Vermieterin direkt, erst bei konkretem Vertrags-Entwurf.

Was Vermieter konkret prüfen

Reihenfolge nicht durcheinander bringen

Die Kurz-Version für die Objekt-Bewerbung darf nicht dazu verleiten, den Mietvertrag vor der Finanzierungs-Zusage zu unterschreiben. Verhandle bei guter Passung eine Reservierung (schriftlich, 2–4 Wochen, meist gegen eine Bearbeitungs-Gebühr von 500–1.500 €), die dir Zeit verschafft, bis die KfW-Zusage da ist. Das ist in der Branche üblich und wird von seriösen Vermieter akzeptiert.

Kapitel 6: Marketing & Vertrieb

Drei Teile: Preispolitik, Akquise-Kanäle, Marketing-Budget. Banken wollen wissen, wie die Kundinnen überhaupt zu dir finden.

6.1 Preispolitik

Begründung der Preis-Positionierung — nicht nur die Zahlen, sondern warum diese Preise gerechtfertigt sind. Vergleich mit dem Marktmittel aus der Konkurrenzanalyse.

6.2 Akquise-Kanäle

Eigene Kanäle

Kostenlos, aber Aufbauzeit

Website mit Online-Buchung, Google Business Profil, Instagram & Facebook organisch, Newsletter.

Bezahlte Kanäle

Schnell wirksam, laufende Kosten

Google Ads lokal, Meta Ads, Treatwell / Shore, lokale Zeitungen und Magazine.

Partner & Empfehlung

Mittelfristig hebelbar

Hochzeits-Planerinnen, Friseur-Kolleginnen, Fotografinnen, Hebammen. Empfehlungs-Programm für Bestandskundinnen.

6.3 Marketing-Budget

KanalJahr 1 / MonatJahr 1 gesamtJahr 2 / Monat
Google Ads / Meta Ads200 €2.400 €300 €
Treatwell-Grundgebühr + Provision150 €1.800 €150 €
Print (Flyer, Magazine)75 €900 €50 €
Website-Pflege, Fotoshooting1.500 €1.000 €
Eröffnungs-Kampagne (einmalig)2.000 €
Summeca. 425 €ca. 8.600 €ca. 500 €

Das Marketing-Budget muss zur Rentabilitätsvorschau passen — wer dort „Marketing 6.000 €" schreibt und im Marketing-Kapitel 12.000 € plant, hat einen Widerspruch, der Banken sofort auffällt. Beides muss übereinstimmen.

Details zu jedem Kanal im Marketing-Plan-Guide und im Social-Media-Playbook.

Kapitel 7: Rechtsform & Organisation

Welche Rechtsform, welche Anmeldungen, welche Versicherungen, wie das Unternehmen personell aufgestellt ist.

Rechtsform-Begründung

Ein Absatz zur Rechtsform-Wahl. Für die meisten Solo-Gründerinnen im Kosmetik-Bereich ist das Einzelunternehmen die richtige Wahl — günstig in der Gründung, einfach in der Buchhaltung, persönliche Haftung als zu akzeptierendes Risiko bei überschaubarem Geschäftsvolumen. Eine Unternehmergesellschaft (UG) oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) wird meist erst ab Jahr 3–5 sinnvoll, wenn Personal eingestellt wird oder mehrere Standorte entstehen.

Was die Bank hier sehen will

Keine langen Rechtsform-Vergleiche. Nur: Welche Form gewählt, warum, wann ein Wechsel in Betracht kommt. Die ausführliche Abwägung steht im Rechtsformen-Guide; für den Businessplan reichen fünf Zeilen.

Anmeldungen & Zulassungen

Versicherungen

VersicherungJahresprämiePflicht / Empfohlen
Berufshaftpflicht Kosmetik300–600 €Dringend empfohlen
Inhaltsversicherung (Geräte, Einrichtung)400–800 €Empfohlen
Rechtsschutz Gewerbe300–500 €Empfohlen
Private Krankenversicherung / freiwillig gesetzlich400–700 € / MonatPflicht
Krankentagegeld (ab Tag 43)30–80 € / MonatDringend empfohlen
Berufsunfähigkeit (BU)45–90 € / MonatDringend empfohlen
Unfallversicherung15–30 € / MonatEmpfohlen

Personal-Planung

Dreizeiler pro Planjahr. Jahr 1 Solo-Betrieb. Jahr 2 eine Minijob-Aushilfe für Empfang und Reinigung (603 €-Basis 2026). Jahr 3–4 Einstellung einer zweiten Kosmetikerin in Teilzeit. Jede Personal-Entscheidung schlägt sich im Rentabilitäts-Plan nieder.

Kapitel 8: Chancen & Risiken (SWOT)

Eine Seite, vier Felder. Banken prüfen hier vor allem, ob die Gründerin ihre eigenen Schwächen kennt. Wer keine nennt, wirkt entweder naiv oder unehrlich.

Die SWOT-Matrix

InternExtern
PositivStrengths — eigene Stärken (Qualifikation, Netzwerk, Kapital, persönliche Eigenschaften)Opportunities — Markt-Chancen (wachsender Premium-Markt, ungenutzte Nische vor Ort, Empfehlungs-Dynamik)
NegativWeaknesses — eigene Schwächen (wenig Kapital, Solo-Betrieb, kein Personal in der Anfangsphase, keine Marken-Bekanntheit)Threats — Markt-Risiken (Konjunktur, neue Wettbewerber, Online-Plattformen, Saisonalität)

Risiko-Mitigation

Zu jedem Risiko eine Zeile, wie damit umgegangen wird. Das trennt einen guten Businessplan von einem durchschnittlichen.

RisikoMitigation
Hohe Abhängigkeit von einer Person (Krankheit)Krankentagegeld ab Tag 43, Berufsunfähigkeits-Versicherung, Vertretungs-Netzwerk mit zwei Kolleginnen aufgebaut, Liquiditätsreserve für 6 Monate
Konjunkturelle SchwankungPreisliste mit Angeboten in zwei Preis-Segmenten, Gutschein-Geschäft als Krisen-Puffer, konservative Rentabilitätsplanung mit 70 %-Auslastungs-Szenario
Neue WettbewerberMonatliche Konkurrenz-Analyse (siehe Konkurrenz-Guide), Nischen-Positionierung erschwert Kopie, enge Kundinnen-Bindung via Empfehlungs-Programm
Saisonalität (Juli/August, Jan./Feb.)Gutschein-Kampagnen zum Jahresende, Bräute-Saison März–September als Gegengewicht, Produktlinie als zweites Standbein ab Jahr 3
Preisdruck durch Treatwell / OnlinePremium-Positionierung bewusst abgrenzt, keine Rabatt-Schlachten, stattdessen Fokus auf Stamm-Kundinnen-Bindung

Für die Tiefen-Bearbeitung von Krisen: Krisen-Resilienz-Guide und Typische Fehler & Warnsignale.

Kapitel 9: Finanzplanung

Das Herzstück des Businessplans. Fünf Teil-Pläne, die alle zusammenpassen müssen. Die Bank prüft hier genauer als irgendwo anders.

Verhältnis zum Finanz-Guide

Der Finanz-Guide erklärt Buchhaltung, Steuern, Technische Sicherheitseinrichtung (TSE), Altersvorsorge, Liquidität — das Tagesgeschäft der Finanzen. Dieses Kapitel im Businessplan ist die Plan-Version dieser Themen: was voraus­geplant wird, bevor der erste Euro fließt. Viele Begriffe überschneiden sich, aber der Zweck ist ein anderer: hier geht es darum, die Bank und die KfW von der Tragfähigkeit zu überzeugen.

9.1 Kapitalbedarfsplan

Alle einmaligen Kosten bis zum Break-Even. Nicht nur Möbel und Geräte — auch Gründungskosten, Eröffnungs-Marketing, Mietkaution und vor allem eine Liquiditätsreserve für mindestens sechs Monate Fixkosten.

PositionBeispiel-BetragAnmerkung
Umbau & Renovierung15.000–25.000 €Sanitär, Boden, Licht, Wände
Möbel & Einrichtung8.000–12.000 €Behandlungsliege, Empfang, Regale, Beleuchtung
Geräte (Kosmetik, Sterilisation, TSE-Kasse, Kartenterminal)10.000–18.000 €Inkl. Anbindung Buchhaltung
Erstausstattung Produkte & Verbrauchsmaterial3.000–5.000 €Pflegeserie, Einmal-Material, Hygiene
Marketing & Launch3.000–5.000 €Website, Fotoshooting, Eröffnungs-Kampagne
Gründungskosten (Anwältin, Steuerberaterin, Anmeldungen)1.500–2.500 €Einmalig
Kaution + erste Miete3.000–5.000 €Je Mietvertrag
Liquiditätsreserve (6 Monate Fixkosten)15.000–25.000 €Kern-Puffer für Anlaufphase
Gesamt-Kapitalbedarf58.500–97.500 €

9.2 Finanzierungsplan

Die Summe muss exakt dem Kapitalbedarf entsprechen. Wer „ungefähr 60.000 €" schreibt, ohne dass 60.000 € in der Gegenrechnung genau aufgehen, verliert sofort an Glaubwürdigkeit.

QuelleBetragKonditionen
Eigenkapital20.000 €Ersparnis, Vermögensaufstellung in Anlage
KfW-StartGeld50.000 €10 J. Laufzeit, 2 J. tilgungsfrei, Zinssatz variabel
LfA Bayern Universalkredit (optional)10.000 €Bayerisches Förder-Programm
Gründungszuschuss Agentur für Arbeit9.000 €6 Monate, bei vorheriger Arbeitslosigkeit
Gesamt-Finanzierung= Kapitalbedarf

9.3 Umsatz- und Ertragsvorschau

Monat für Monat für 12 Monate, dann Jahressummen für Jahr 2 und Jahr 3. Mit realistischer Hochlauf-Kurve — niemand startet mit 100 Kundinnen im ersten Monat.

ZeitraumTermineØ Umsatz / TerminUmsatzVariable Kosten (15 %)Deckungsbeitrag
Monat 1 (Eröffnung)3065 €1.950 €293 €1.657 €
Monat 37072 €5.040 €756 €4.284 €
Monat 6 (Break-Even)10075 €7.500 €1.125 €6.375 €
Monat 1213078 €10.140 €1.521 €8.619 €
Jahr 1 gesamtca. 95073 €ca. 70.000 €10.500 €59.500 €
Jahr 21.35080 €108.000 €16.200 €91.800 €
Jahr 31.60085 €136.000 €20.400 €115.600 €

9.4 Liquiditätsplan

Der oft vergessene Plan — und derjenige, bei dem Banken am genauesten hinschauen. Umsatz ist nicht gleich Geld auf dem Konto. Zwischen Leistung und Zahlung liegt Zeit (vor allem bei Treatwell-Abrechnung: meist 14 Tage Verzug). Zwischen Investition und Umsatz liegen Monate. Der Liquiditätsplan stellt Monat für Monat Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge gegenüber.

Die zentrale Regel

Der Konto-Endstand am Monatsende darf niemals negativ sein. Wenn die Liquiditätsplanung in Monat 4 einen negativen Kontostand zeigt, muss die Liquiditätsreserve erhöht werden — nicht der Umsatzplan geschönt. Banken erkennen diesen Trick sofort.

9.5 Rentabilitätsvorschau

Die langfristige Perspektive über drei Jahre. Aus Jahres-Umsatz minus allen Kosten ergibt sich der Vorsteuer-Gewinn, nach Einkommensteuer bleibt das Netto-Einkommen — das, wovon du leben kannst, Darlehen tilgen und Altersvorsorge aufbauen.

PositionJahr 1Jahr 2Jahr 3
Umsatz70.000108.000136.000
./. Wareneinsatz (ca. 15 %)10.50016.20020.400
./. Miete inkl. NK12.00012.00012.500
./. Personal (ab Jahr 2)8.00018.000
./. Marketing8.6006.0006.000
./. Versicherungen (Berufs, Inhalt, Rechts)1.5001.6001.700
./. Sonstige Betriebskosten6.0007.0008.000
./. Zinsen Darlehen1.5001.3001.100
Vorsteuer-Gewinn29.90055.90068.300
./. Einkommensteuer, Soli (ca. 20 %)6.00011.20013.700
Netto-Einkommen (für Lebenshaltung + Tilgung + Vorsorge)23.90044.70054.600
Der Plausibilitäts-Test der Bank

Banken teilen das Netto-Einkommen durch 12 und vergleichen mit einem Mindest-Lebensbedarf (ca. 1.500–1.800 € / Monat für eine Einzelperson). Wenn im Jahr 1 nach allen Kosten weniger als 1.200 € / Monat herauskommen, gilt der Plan als nicht tragfähig — unabhängig davon, wie gut der Rest klingt. Deshalb ist die Liquiditätsreserve so wichtig: sie puffert Jahr 1.

Kapitel 10: Anhang

Der Anhang macht aus einem schönen Businessplan einen belastbaren. Ohne Nachweise sind alle Zahlen nur Behauptungen.

Standard-Anhang eines Salon-Businessplans

  • Tabellarischer Lebenslauf mit Foto
  • Abschlusszeugnis Ausbildung Kosmetikerin
  • Zertifikate Zusatzqualifikationen (Permanent Make-up, Wimpern, Microneedling, etc.)
  • Arbeitszeugnisse der letzten drei Stationen
  • Schufa-Eigenauskunft (nicht älter als 4 Wochen)
  • Vermögensaufstellung (privat) in Tabellenform
  • Private Haushaltsrechnung (monatlich, Einnahmen + Ausgaben)
  • Letzte drei Einkommensteuerbescheide oder Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate
  • Mietvertrag oder Vor-Vertrag / Absichtserklärung der Vermieterin
  • Grundriss und Fotos der Räumlichkeiten
  • Kostenvoranschläge für Umbau, Möbel, Geräte (jeweils mind. zwei Angebote)
  • Finanzplan als Excel- oder LibreOffice-Datei (digital mitliefern)
  • Versicherungs-Zusagen (falls bereits vorliegend)
  • Gewerbeanmeldung (falls schon erfolgt) oder Nachweis der Beantragung

Die Förder-Landkarte

Vier zentrale Förder-Instrumente für Salon-Gründerinnen in Bayern — und wie man sie kombiniert.

FörderungZweckMaximale HöheVoraussetzung
KfW-StartGeld (Programm 067)Investitionen + Betriebsmittel125.000 €Businessplan, Hausbank-Durchleitung
KfW ERP-Gründerkredit-StartGeldZinsgünstiger Kredit für Investitionen125.000 €Ähnlich wie StartGeld, oft Alternative
LfA Bayern UniversalkreditErgänzender bayerischer Kreditbis 10 Mio. €, für Gründung meist 50–100 kSitz / Standort in Bayern
Gründungszuschuss Agentur für ArbeitMonatlicher Zuschuss in den ersten 6+9 Monatenca. 9.000 € (6 Mon. × Arbeitslosengeld + 300 € pauschal) + optional 9 Mon. × 300 €Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Antragstellung
Meisterbonus Bayern (falls Meister-Prüfung)Einmaliger Zuschuss nach bestandener Meisterprüfung3.000 €Bestandene Meisterprüfung
Coaching-Zuschuss (BAFA, nach Gründung)Zuschuss für Unternehmensberatungbis 80 % der Beratungskosten, max. 4.000 €Erst nach Gründung nutzbar, nicht während Businessplan-Erstellung
Kombination — was geht, was nicht

KfW-StartGeld und Gründungszuschuss sind kombinierbar. LfA Bayern kann ergänzend dazukommen. Meisterbonus läuft parallel. Der BAFA-Coaching-Zuschuss greift erst nach Gründung. Nicht kombinierbar: mehrere KfW-Programme gleichzeitig für denselben Zweck.

KfW-StartGeld

Das wichtigste Gründungs-Instrument in Deutschland. Günstige Zinsen, zwei tilgungsfreie Jahre, bis zu 125.000 €.

Konditionen (Stand April 2026, unverbindlich)

Maximaler Betrag

bis 125.000 €

Davon maximal 50.000 € Betriebsmittel (z. B. Miete, Marketing), Rest für Investitionen.

Laufzeit

5 oder 10 Jahre

Bei 10 Jahren: 2 tilgungsfreie Anlauf-Jahre, danach 8 Jahre Tilgung. Üblich für Gründung.

Haftungsfreistellung

80 % durch KfW

Die Hausbank haftet nur zu 20 %. Macht die Hausbank deutlich entgegenkommender als bei einem reinen Hausbank-Kredit.

Wie man beantragt

Schritt 1 · Businessplan fertigstellen Vollständig, geprüft durch IHK, HWK oder Aktivsenioren, im Idealfall Finanzplan durch Steuerberaterin bestätigt.
Schritt 2 · Hausbank wählen Sparkasse Allgäu, VR-Bank oder Hausbank der Wahl — KfW verleiht nicht direkt, sondern nur über Durchleitung. Terminvereinbarung bei der Kredit-Abteilung.
Schritt 3 · Erstes Hausbank-Gespräch Businessplan vorstellen, Finanzierungs-Mix besprechen, Hausbank prüft intern.
Schritt 4 · KfW-Antrag durch Hausbank Die Hausbank stellt den Antrag bei der KfW. Bearbeitung dauert 2–6 Wochen.
Schritt 5 · Zusage oder Ablehnung Bei Zusage: Darlehensvertrag mit der Hausbank, KfW-Mittel werden über die Hausbank ausgezahlt. Bei Ablehnung: andere Hausbank versuchen oder Konzept überarbeiten.
Goldene Regel

Erst den Darlehensvertrag unterschreiben, dann Geld ausgeben. Wer vor der Zusage Möbel oder Geräte kauft, verliert in der Regel die Förderfähigkeit — die KfW fördert nur, was nach Antragstellung angeschafft wird. Rechnungen mit Datum vor der Zusage werden gestrichen.

Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit

Monatliche Zahlung in den ersten sechs Monaten — nur für Gründerinnen, die zum Zeitpunkt der Gründung noch Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Die Voraussetzungen

Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein

  • Zum Zeitpunkt der Antragstellung laufender Anspruch auf Arbeitslosengeld I (nicht Bürgergeld / ALG II)
  • Mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld
  • Vollständiger Businessplan und Tragfähigkeits-Bescheinigung einer fachkundigen Stelle (IHK, HWK, Steuerberaterin, Aktivsenioren)

Höhe & Dauer

PhaseDauerZusammensetzungBeispiel (bei 1.500 € ALG I)
Phase 1 (Pflicht)6 MonateHöhe des Arbeitslosengelds + 300 € monatliche Sozialversicherungs-Pauschale1.800 € / Monat × 6 = 10.800 €
Phase 2 (Ermessen)9 MonateNur 300 € monatlich2.700 € insgesamt
Gesamt-Zuschuss15 Monateca. 13.500 €
Wichtig: strategische Reihenfolge

Wer aktuell in Festanstellung ist und gründen will, sollte vor dem Jobwechsel prüfen, ob eine Kündigung sinnvoll ist. Bei freiwilliger Arbeitslosigkeit gibt es i. d. R. eine Sperrzeit von 12 Wochen — in dieser Zeit kein Arbeitslosengeld, damit auch kein Gründungszuschuss. Wer dagegen gekündigt wird oder durch Aufhebungsvertrag geht (mit Abfindung sauber geregelt), hat sofort Anspruch. Termin bei der Agentur für Arbeit vor der Kündigung ist essenziell.

Die Tragfähigkeitsbescheinigung ist das Schlüssel-Dokument — meistens günstig oder kostenlos erhältlich bei Aktivsenioren Bayern e. V. oder IHK Schwaben Gründerzentrum (siehe Prüfstellen unten).

LfA Bayern Universalkredit

Das bayerische Pendant zur KfW. Kann zusätzlich oder alternativ zum KfW-StartGeld eingesetzt werden.

Was die LfA bietet

Wann die LfA Sinn ergibt

SituationEmpfehlung
Kapitalbedarf unter 125.000 €, einfache StrukturMeist reicht KfW-StartGeld allein
Kapitalbedarf zwischen 100–200 k €KfW-StartGeld + LfA-Ergänzung gut kombinierbar
Schwieriges Bank-Profil (geringes Eigenkapital, Schufa-Eintrag, etc.)LfA-Startkredit 100 oft leichter zu bekommen als KfW
Standort außerhalb BayernLfA nicht möglich — Alternativen sind NRW.Bank, IB.SH, etc.

Antragstellung erfolgt ebenfalls über die Hausbank. Beratung direkt bei der LfA über das Förder-Telefon: 0800–21 24 24 24 (kostenlos).

Das Hausbank-Gespräch

Der Moment, auf den der ganze Businessplan hinausläuft. Ein gutes Gespräch entscheidet über Finanzierung — oft stärker als der Plan selbst.

Vor dem Termin

Vorbereitung eine Woche vorher

  • Businessplan als PDF senden (drei Werktage vor Termin)
  • Ausgedruckte Version mit Tabreitern oder Klebestreifen zum Termin mitbringen
  • Schufa-Eigenauskunft bereitlegen
  • Vermögensaufstellung und Haushaltsrechnung dabei
  • Alle Kostenvoranschläge dabei (Umbau, Geräte, Möbel)
  • Visitenkarte der Steuerberaterin mitbringen (für Rückfragen durch die Bank)

Typische Fragen

Häufig gestellte Fragen im Hausbank-Gespräch

„Wie kommen Sie auf den Umsatz in Monat 3? Das wirkt hoch."
„Was ist Plan B, wenn Sie 6 Monate lang krank werden?"
„Warum diese Rechtsform und nicht eine Unternehmergesellschaft?"
„Welche Sicherheiten können Sie einbringen?"
„Was passiert, wenn die Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss ablehnt?"
„Ihre Liquiditätsreserve deckt sechs Monate — warum nicht neun?"
„Welche Erfahrungen haben Sie mit Personalführung?"

Die beste Antwort auf jede Frage

Zugeben, was du nicht weißt — und zeigen, wie du es herausfinden wirst. „Das haben wir so noch nicht kalkuliert, aber die Logik ist folgende, und ich melde mich bis Freitag mit der konkreten Zahl." Banker hassen Bluff mehr als Wissenslücken. Kompetenz heißt: man kennt den eigenen Arbeitsweg, nicht jedes Detail.

Nach dem Gespräch

Zeitplan & Reihenfolge

Sechs bis neun Monate Vorlauf vor dem geplanten Eröffnungstermin. Wer es in weniger Zeit versucht, produziert einen schwachen Plan — und Banken merken das.

Monat −9 bis −8 · Grob-Entwurf Idee konkret ausformulieren, Alleinstellungsmerkmal schärfen, Grob-Skizze der Kapitel 1–3. Erstes Gespräch bei Aktivsenioren oder IHK für Feedback.
Monat −8 bis −6 · Daten sammeln Konkurrenz-Analyse (siehe Konkurrenz-Guide), Zielgruppen-Recherche, Markt-Zahlen aus Statistischem Landesamt, Kostenvoranschläge einholen (mind. zwei pro Position).
Monat −6 bis −5 · Standort fixieren Mietobjekt-Besichtigungen, Vor-Vertrag / Absichtserklärung mit Vermieterin, Grundriss erstellen, Umbau-Kostenvoranschläge von Handwerkern.
Monat −5 bis −4 · Finanzplan Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatzplan, Liquiditätsplan, Rentabilitätsvorschau. Am besten gemeinsam mit Steuerberaterin — das zahlt sich bei der Bank doppelt aus.
Monat −4 bis −3 · Review & Prüfung Businessplan komplett, Executive Summary als letztes geschrieben. Prüfung durch IHK Schwaben, HWK, Aktivsenioren Bayern. Überarbeitung nach Feedback.
Monat −3 bis −2 · Bank-Gespräche Termine bei zwei Hausbanken parallel (z. B. Sparkasse + VR-Bank vor Ort). Antrag KfW über die gewählte Hausbank. Parallel: Gründungszuschuss bei Agentur für Arbeit beantragen.
Monat −2 bis −1 · Zusagen & Verträge Finanzierungs-Zusage, Darlehensvertrag unterschreiben, Mietvertrag unterschreiben, Gewerbeanmeldung, erste Bestellungen (Möbel, Geräte) — erst nach KfW-Zusage.
Monat 0 · Eröffnung Go-Live nach Checkliste aus dem Salon-Setup-Guide.

Kostenlose Prüfstellen

Lass deinen Businessplan vor der Bank-Abgabe gegenlesen — oft kostenlos, immer lohnend.

IHK Schwaben — Gründerzentrum

Kostenlos · Augsburg / Schwaben

Ein bis drei Beratungstermine kostenlos, jeweils 60–90 Minuten. Gründungsberater lesen den Plan, geben strukturelles Feedback, prüfen die Rentabilität auf Plausibilität. Termine online buchbar.

HWK Schwaben

Kostenlos · für Handwerks-Gründerinnen

Identisches Angebot wie IHK, aber spezifisch für Handwerksberufe. Bei Kosmetik-Salons je nach Eintragungspflicht entweder IHK oder HWK zuständig.

Aktivsenioren Bayern e. V.

Kostenlos · erfahrene Ex-Unternehmer

Ehrenamtliches Beratungs-Netzwerk. Oft pragmatischer und direkter als IHK. Stellen auch Tragfähigkeits-Bescheinigungen für den Gründungszuschuss aus. Termine über aktivsenioren.de.

Steuerberaterin / Steuerberater

Kostenpflichtig · 200–500 €

Nicht kostenlos, aber die beste Investition. Steuerliche Plausibilitäts-Prüfung des Finanzplans, Rechtsform-Empfehlung, Einkommensteuer-Schätzung. Ein Bestätigungsvermerk durch Steuerberaterin ist für Banken ein starkes Signal.

gfi Bayern (Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration)

Meist gefördert · Lange Kurse

Mehrwöchige Existenzgründungs-Seminare mit intensiver Betreuung. Überzieht, wenn ein kompletter Neuanfang ansteht. Für die schnelle Plan-Prüfung oft zu aufwändig.

Gründer-Coaches (privat)

150–250 € / Stunde

Einzel-Coaching bei erfahrenen Gründungs-Beraterinnen. Sinnvoll bei komplexen Fragestellungen, zu teuer für einfache Gegenlesen-Runden.

Empfohlene Reihenfolge

Erst eigener Entwurf → Aktivsenioren (schnelles Feedback, direkt) → Überarbeitung → IHK/HWK (formales Feedback) → Steuerberaterin (Finanzplan-Check) → Hausbank. Wer sich alle Stufen leistet, hat ein deutlich besseres Plan-Ergebnis — und oft die Tragfähigkeits-Bescheinigung für den Gründungszuschuss gleich mit.

Typische Fehler im Businessplan

Die zehn häufigsten Muster, die Bank-Ablehnungen produzieren — aus der Praxis von IHK-Gründungsberater.

#FehlerWarum er weh tutAbhilfe
1Umsatzplan zu optimistischJahr 1 mit 100+ Kundinnen/Monat ab Monat 1 — das ist niemals realistischKonservativ starten, konkrete Hochlauf-Kurve mit Begründung
2Liquiditätsreserve zu kleinDeckt nur 2–3 Monate — die erste Krankheit kippt das UnternehmenMindestens 6 Monate Fixkosten als Puffer einplanen
3Alleinstellungsmerkmal unklar oder austauschbar„Premium-Qualität, persönliche Beratung" — sagt jeder SalonKonkrete, nachweisbare Unterscheidungsmerkmale (siehe Kapitel 3)
4Konkurrenz-Analyse fehlt oder pauschal„Es gibt einige Wettbewerber vor Ort" — Bank erkennt: keine Hausaufgaben gemachtMindestens 5 direkte Wettbewerber konkret beschreiben, mit Preisen und Schwerpunkten
5Rechenfehler in TabellenSummen passen nicht — verliert sofort Glaubwürdigkeit aller ZahlenJede Tabelle zweimal rechnen, durch Steuerberaterin gegenchecken lassen
6Executive Summary zu vageKeine konkreten Zahlen, keine Struktur — wird nicht weitergelesenDie sieben Kern-Fragen beantworten (siehe Kapitel 4)
7Private Haushaltsrechnung fehltBank weiß nicht, wie viel Netto-Einkommen du brauchst — kann nicht tragfähig beurteilenMonatliche Einnahmen + Ausgaben im Anhang
8Keine Risiken genanntWirkt naiv oder unehrlich — Banken erwarten SWOT mit MitigationMindestens 5 Risiken, zu jedem eine Mitigations-Strategie
9Copy-Paste aus Muster-PlänenBanker erkennen Phrasen sofort, sie wirken beliebigJeden Satz in eigenen Worten schreiben — lieber stolpernd und ehrlich als glatt und generisch
10Keine digitale Excel-VersionBank kann mit statischen PDFs nicht rechnen, braucht interaktive TabellenFinanzplan als Excel oder LibreOffice-Datei mitliefern, PDF als Ausdruck
Der tödliche Fehler: Gleich-Zeitigkeit

Manche Gründerinnen unterschreiben den Mietvertrag bevor die Bank zusagt — aus Angst, das Ladenlokal zu verlieren. Wenn die Bank dann ablehnt, hängt die Gründerin privat mit Miet-Verpflichtungen fest, bevor überhaupt ein Euro Umsatz fließt. Immer in der richtigen Reihenfolge: erst Finanzierung, dann Mietvertrag. Wer das Objekt halten will, verhandelt stattdessen einen Vor-Vertrag oder eine Reservierungs-Gebühr.

Abgabe-Checkliste

Vor dem Versand an die Bank. Jeden Punkt abhaken — erst dann raus damit.

Struktur & Form

  • Deckblatt mit Name, Salon-Name, Datum, Version, Kontakt vollständig
  • Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen stimmt mit dem Text überein
  • Fußzeile „Seite X von Y" und Salon-Name auf allen Seiten
  • Rechtschreibung durch zweite Person geprüft (Duden-Korrektur reicht nicht)
  • Überschriften konsistent formatiert
  • PDF-Datei nicht größer als 10 MB (sonst Kompression)

Inhalt

  • Executive Summary auf maximal einer Seite, enthält die sieben Kern-Antworten
  • Alleinstellungsmerkmal konkret, nicht austauschbar
  • Mindestens 5 direkte Wettbewerber beschrieben, mit Preisen und Schwerpunkten
  • Markt-Zahlen mit Quellenangaben
  • Alle fünf Finanz-Teil-Pläne vorhanden (Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatz/Ertrag, Liquidität, Rentabilität)
  • Summen-Zeilen in allen Tabellen geprüft
  • SWOT mit mindestens 5 Risiken plus Mitigation

Anhang

  • Lebenslauf mit Foto
  • Ausbildungs- und Zusatz-Zertifikate
  • Arbeitszeugnisse der letzten drei Stationen
  • Schufa-Eigenauskunft (< 4 Wochen alt)
  • Vermögensaufstellung privat
  • Haushaltsrechnung monatlich
  • Einkommensteuerbescheide / Gehaltsabrechnungen
  • Mietvertrag oder Vor-Vertrag
  • Grundriss + Fotos
  • Zwei Kostenvoranschläge pro Investitions-Position
  • Finanzplan als digitale Tabellen-Datei

Externe Prüfung

  • Mindestens eine Prüfstelle hat den Plan gegengelesen (IHK, HWK oder Aktivsenioren)
  • Steuerberaterin hat den Finanzplan geprüft oder bestätigt (empfohlen)
  • Alle Rückmeldungen eingearbeitet oder bewusst verworfen mit Notiz, warum
Wenn alle Punkte abgehakt sind

Dann hast du einen Businessplan, der jede Hausbank-Prüfung überstehen sollte. Spätestens jetzt auch das Businessplan-Skelett-Template öffnen und mit den eigenen Zahlen füllen — das Skelett hat die fertige Struktur und spart einige Stunden Formatierung.