Warum ein Businessplan?
Drei Gründe — davon ist mindestens einer für dich relevant, meistens alle drei.
Viele Gründerinnen schreiben einen Businessplan nur, weil die Bank ihn verlangt. Das ist die schlechteste Motivation. Ein guter Businessplan ist ein Denk-Werkzeug, das drei Dinge gleichzeitig leistet: er zwingt dich zu Ehrlichkeit mit den eigenen Zahlen, er macht deine Idee für Außenstehende verständlich, und er wird zur Basis für alle späteren Entscheidungen.
Fördergelder freischalten
KfW-StartGeld, Gründungszuschuss, LfA BayernOhne Businessplan kein KfW-Darlehen, kein Gründungszuschuss, kein Förderkredit der LfA. Die Förder-Institute verlangen ihn als Pflicht-Anlage — ohne prüfen sie nicht einmal.
Bank-Gespräch bestehen
Hausbank als Durchleitungs-PartnerDer KfW-Kredit läuft immer über eine Hausbank. Die Hausbank haftet und prüft daher noch einmal selbst — und prüft streng. Ohne belastbaren Businessplan keine Kreditzusage.
Eigene Klarheit gewinnen
Der heimliche HauptnutzenSpätestens beim Finanzplan merkst du, ob die Rechnung aufgeht. Beim Schreiben fallen dir Lücken auf, die du vorher nicht gesehen hast. Besser jetzt als nach Unterschrift unter den Mietvertrag.
Gründerinnen, die einen Businessplan vor allem für sich selbst schreiben, bekommen die Bankzusage leichter als die, die ihn nur für die Bank schreiben. Grund: wer für sich selbst schreibt, ist ehrlicher, konkreter, genauer — und genau das überzeugt auch die Bank.
Die Voraussetzung für alles Weitere
Der Businessplan ist logisch vor dem Mietvertrag, vor der Gewerbeanmeldung, vor dem Möbelkauf. Er beantwortet die Frage, ob das Vorhaben überhaupt tragfähig ist. Das klingt banal — aber über die Hälfte der Salon-Gründerinnen unterschreibt zuerst den Mietvertrag und rechnet erst danach nach, ob sie sich die Miete leisten kann. Das ist die teuerste aller möglichen Reihenfolgen.
Sinnvolle Reihenfolge: Idee → Grob-Skizze → Businessplan → Finanzierungszusage → Mietvertrag → Gewerbeanmeldung → Go-Live. Der Businessplan ist der Gate-Keeper, der falsche Projekte früh stoppt — bevor Geld fließt, das nicht mehr zurückkommt.
Wer liest den Businessplan?
Drei Leser-Typen, drei Lese-Bedürfnisse. Du schreibst für alle drei gleichzeitig.
| Leser-Typ | Liest vor allem | Was überzeugt sie | Was schreckt sie ab |
|---|---|---|---|
| Banker der Hausbank | Finanzplan, Sicherheiten, Schufa | Realistische Zahlen, konservative Planung, belastbare Annahmen | Zu optimistische Umsätze, unklare Liquidität, fehlende Sicherheiten |
| KfW / LfA-Sachbearbeiter | Executive Summary, Qualifikation, Finanzplan | Klare Struktur, nachvollziehbare Förder-Begründung, vollständige Anlagen | Unklare Rechtsform, fehlende Steuerberaterin-Bestätigung, formale Mängel |
| Gründungsberater (IHK, HWK) | Gesamtkonzept, Markt, Risiken | Klares Alleinstellungsmerkmal (USP), realistische Markt-Einschätzung, durchdachte Risiken | Copy-Paste aus Mustern, fehlende Konkurrenz-Analyse, leere Floskeln |
| Vermieter / Makler | Executive Summary, Rentabilitäts-Vorschau, Schufa | Miet-zu-Umsatz-Verhältnis im grünen Bereich, seriöses Konzept, solide Finanzierung | Umsatzplan, der die Miete kaum deckt; keine Rücklagen; unklare Rechtsform |
| Du selbst in drei Jahren | Alle Annahmen, alle Zahlen | Ehrliche Planung, die man auch nachträglich erklären kann | Geschönte Zahlen, die einen später einholen |
Die Zehn-Sekunden-Regel
Banker und Sachbearbeiter lesen am Anfang nur die Executive Summary und die Rentabilitäts-Vorschau. Erst wenn beides positiv überrascht, lesen sie den Rest. Das heißt: die ersten zwei Seiten und die Finanzplan-Tabellen müssen in sich schlüssig sein — selbst ohne den Kontext der anderen Kapitel.
Schreibe die Executive Summary zuletzt, nicht zuerst. Erst wenn alle anderen Kapitel stehen, kannst du das Wesentliche auf einer Seite zusammenfassen. Wer zuerst die Summary schreibt, schreibt zu vage und muss später drei Mal umschreiben.
Aufbau & Umfang
Ein Salon-Businessplan hat neun Kapitel und kommt auf 25–30 Seiten inklusive Anhang. Alles darunter wirkt zu dünn, alles darüber wird nicht gelesen.
| # | Kapitel | Umfang | Zweck |
|---|---|---|---|
| 1 | Executive Summary | 1 S. | Die eine Seite, die alles entscheidet |
| 2 | Persönliche Daten & Qualifikation | 1–2 S. | Warum du das Unternehmen führen kannst |
| 3 | Geschäftsidee & Konzept | 2–3 S. | Was genau angeboten wird, mit welchem Alleinstellungsmerkmal (USP) |
| 4 | Markt & Wettbewerb | 2–3 S. | Zielgruppe, Marktgröße, Konkurrenz |
| 5 | Standort | 1–2 S. | Wo und warum dort |
| 6 | Marketing & Vertrieb | 2–3 S. | Wie Kundinnen kommen |
| 7 | Rechtsform & Organisation | 1–2 S. | Wie das Unternehmen rechtlich läuft |
| 8 | Chancen & Risiken (SWOT) | 1 S. | Ehrliche Einschätzung beider Seiten |
| 9 | Finanzplanung | 6–8 S. | Die Zahlen, die alles tragen |
| — | Anhang | 4–6 S. | Nachweise, Kostenvoranschläge, Zeugnisse |
Form & Design
- DIN A4, einseitig bedruckt, 11–12 pt Fließtext, 1,15–1,5 Zeilenabstand
- Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen — Pflicht, nicht Kür
- Deckblatt mit Name, Salon-Name, Datum, Version, Kontakt
- Kopf- oder Fußzeile mit Seitenzahl („Seite 3 von 28") und Salon-Name
- Konsistente Überschriften — nicht mal fett, mal kursiv, mal unterstrichen
- Tabellen mit Totalzeilen, nicht nur lose Zahlen im Fließtext
- PDF zum Versenden, gedrucktes Exemplar zum Termin mitbringen
Rechenfehler in den Tabellen. Wenn die Summe der Zeilen nicht mit dem Total übereinstimmt, verliert die Bank schlagartig Vertrauen in den gesamten Plan. Vor Abgabe jede Tabelle zweimal durchrechnen — oder von der Steuerberaterin gegenrechnen lassen.
Kapitel 1: Executive Summary
Eine Seite. Die wichtigste des ganzen Dokuments. Wird als erstes gelesen, entscheidet, ob der Rest überhaupt geprüft wird.
Was rein muss
Die sieben Antworten auf einer Seite
- Wer gründet? (Name, Qualifikation in einem Satz)
- Was wird gegründet? (Salon-Name, Konzept in zwei Sätzen)
- Wo? (Standort, Zielregion)
- Für wen? (Zielgruppe in einem Satz)
- Was kostet das? (Kapitalbedarf-Summe)
- Wie wird es finanziert? (Eigenkapital + Darlehen + Förderung, jeweils mit Betrag)
- Wann ist Break-Even und wie hoch ist der Gewinn in Jahr 3?
Wie sie klingen sollte
Wenn du die Executive Summary nicht auf eine Seite bekommst, ist dein Konzept noch nicht scharf genug. Zwinge dich zur Kürze — das schärft den Kern. Kommentare wie „wir bieten außerdem" oder „eventuell später auch" streichen. Entweder es gehört ins Konzept oder nicht.
Kapitel 2: Person & Qualifikation
„Menschen finanzieren Menschen, nicht Businesspläne." — das sagen Banker im Hintergrund. In diesem Kapitel entscheidet sich, ob du als Person glaubwürdig wirkst.
Was rein muss
Steckbrief der Gründerin
- Vollständiger Name, Geburtsdatum, Adresse, Kontakt
- Familienstand (nur wenn für die Finanzierung relevant, z. B. bei gemeinsamer Haftung)
- Ausbildung (Schule, Abschluss-Jahr, Note wenn gut)
- Berufsausbildung: Kosmetikerin (staatlich geprüft oder Handwerkskammer)
- Zusatzqualifikationen (Permanent Make-up, Wimpernverlängerung, Microneedling, etc.) jeweils mit Zertifikat und Jahr
- Beruflicher Werdegang: Stationen, Dauer, Verantwortung, Grund für den Wechsel
- Aktuelle Tätigkeit
Der Motivations-Absatz
Ein Absatz, der beantwortet: Warum jetzt, warum dieses Konzept, warum an diesem Ort? Keine Floskeln („schon immer ein Traum"), sondern konkrete Auslöser: „In den letzten drei Jahren als Angestellte habe ich in Salon X regelmäßig Kundinnen betreut, die explizit nach einem ruhigen Spezial-Salon gefragt haben — das Angebot fehlt vor Ort komplett." Das ist ein Marktbeleg, eingebettet in die persönliche Geschichte.
Was die Bank zusätzlich sehen will
- Schufa-Eigenauskunft — einmal pro Jahr kostenlos bei schufa.de beantragen, nicht die kostenpflichtige
- Vermögensaufstellung: Sparguthaben, Depot, Lebensversicherung, Rente — in einer einfachen Tabelle
- Haushaltsrechnung: private Einnahmen und Ausgaben auf Monatsbasis (zeigt, ob du ohne Unternehmens-Gewinn 6 Monate überlebst)
- Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate oder letzte drei Einkommensteuerbescheide
Offene Inkasso-Einträge in der Schufa, laufende private Kredite über mehr als 10.000 €, die zum Zeitpunkt der Anfrage nicht transparent im Plan stehen, oder „geheime" Einkommensquellen, die beim Gespräch unerwähnt bleiben. Alles offenlegen, alles erklären — Vertrauen ist die Währung, die du aufbaust.
Kapitel 3: Geschäftsidee & Konzept
Die Idee des Salons. Was wird angeboten, mit welcher Handschrift, was unterscheidet ihn von allen anderen.
Drei Unter-Abschnitte
Die Idee
Zwei bis drei Absätze: Was ist dein Salon? Welche Handschrift hat er? Welche Atmosphäre, welches Versprechen?
Leistungsangebot
Vollständige Behandlungs-Liste in Kategorien — Gesicht, Wimpern, Brauen, Körper, Ergänzungen. Mit Behandlungs-Dauer und Preis. Die spätere Preisliste bereits hier.
Alleinstellungsmerkmal
Drei bis fünf konkrete Punkte, die deinen Salon von der Konkurrenz unterscheiden. Keine Adjektive („hochwertig", „professionell") — sondern nachweisbare Fakten.
Wie ein starker USP klingt
| Schwacher USP (austauschbar) | Starker USP (spezifisch) |
|---|---|
| „Hochwertige Produkte" | „Ausschließlich Biologique Recherche und Maria Galland — in der Region nur bei uns erhältlich" |
| „Persönliche Betreuung" | „Eine Kundin pro Termin-Slot, keine Parallel-Behandlungen, 15 Minuten Puffer zwischen Terminen" |
| „Premium-Ambiente" | „Architekten-designter Behandlungsraum, akustische Entkopplung, Tagesdecken-Wechsel nach jeder Kundin, eigenes WC mit Dusche" |
| „Kompetente Beratung" | „45 Minuten Erst-Analyse vor jeder ersten Behandlung, dokumentierter Behandlungsplan, Follow-up-Call nach 7 Tagen" |
Schreibe hinter jeden USP-Punkt: „… oder was?" Wenn der Unterschied zu einer gewöhnlichen Kosmetikerin unklar bleibt, ist der Punkt zu schwach. Beispiel: „Persönliche Betreuung — oder was sonst?" Schwach. „Ein Termin pro Slot, kein Parallel-Betrieb — oder was ist der Standard? Drei Parallel-Termine." Stark.
Verweis auf den Marketing-Plan-Guide für die Entwicklung eines Top-Angebots und auf den Konkurrenz-Analyse-Guide für den USP-Abgleich mit den 53 Salons im 20-km-Radius.
Kapitel 4: Markt & Wettbewerb
Drei Teile: Zielgruppe, Marktgröße, Konkurrenz. Ohne belastbare Zahlen hier wirkt der ganze Plan amateurhaft.
4.1 Zielgruppe
Nicht „alle Frauen" — das ist keine Zielgruppe. Definiere nach Alter, Einkommen, Beruf, Wohnort-Radius und psychografischer Motivation. Je enger, desto überzeugender.
4.2 Marktgröße — mit echten Zahlen
Die Bank erwartet Quellenangaben. Verlasse dich nicht auf gefühlte Eindrücke.
Wo du die Zahlen findest
- Einwohner deiner Stadt und Umkreis: Statistisches Landesamt (je nach Bundesland, z. B. statistik.bayern.de), jeweils aktuellster Jahrgang
- Altersstruktur: Zensus 2022 oder Statistisches Jahrbuch Bayern
- Kaufkraft-Index: IHK Schwaben veröffentlicht jährlich einen Kaufkraft-Vergleich
- Branchen-Kennzahlen: VCP (Verband Cosmetic Professional), BDK (Bundesverband der Kosmetikerinnen) — jährliche Branchen-Berichte
- Pro-Kopf-Ausgaben Kosmetik: Statistisches Bundesamt „Laufende Wirtschaftsrechnung" — ca. 280–450 € / Jahr pro Frau 25–65, je nach Einkommensdezil
4.3 Wettbewerbsanalyse
Mindestens fünf direkte Wettbewerber beschreiben — Name, Standort, Schwerpunkt, Preisniveau, Online-Bewertung, Abgrenzung zu deinem Salon. Eine Konkurrenzanalyse mit vielen Salons, Preisen und Reviews liefert dir der Konkurrenz-Analyse-Guide; für den Businessplan reichen die Top 5–10 aus deiner direkten Umgebung.
| Wettbewerber | Standort | Schwerpunkt | Preisniveau | Stärken | Schwächen | Abgrenzung dein Salon |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel-Salon A | Innenstadt | Klassik-Gesichtsbehandlungen | €€ (55–80 €) | Zentrale Lage, bekannt | Laufbetrieb, keine Ruhe | Dein Salon: Spezial-Salon, kein Parallel-Betrieb |
| Beispiel-Salon B | Gewerbegebiet | Wimpern-Kette | € (25–45 €) | Günstig, schnell | Qualitäts-Schwankung | Dein Salon: Premium-Wimpern mit Garantie |
| Beispiel-Salon C | Nachbarort | Friseurin mit Kosmetik-Angebot | €€ (50–70 €) | Bestehender Kunden-Stamm | Kosmetik nur Zusatz-Angebot | Dein Salon: 100 % Fokus Kosmetik |
Abschluss-Absatz: Fazit in zwei bis drei Sätzen, wie sich dein Salon im Markt verortet und welche Nische gezielt besetzt wird.
Kapitel 5: Standort
Lage, Räumlichkeiten, Mietkonditionen. Je konkreter, desto überzeugender — Bankerinnen wollen wissen, ob die Miete im Verhältnis zum geplanten Umsatz steht.
Was rein muss
Standort-Kapitel in sechs Blöcken
- Adresse und Lage-Beschreibung (Fußgängerzone, Nebenstraße, Gewerbegebiet)
- Frequenz: Passanten-Zählung oder Schätzung, ÖPNV-Anbindung, Parkplätze im Umkreis
- Einzugsgebiet: Radius und erwartete Bezugs-Orte der Kundinnen
- Räumlichkeiten: Gesamtfläche, Aufteilung (Empfang, Behandlungsraum, Lager, WC), Grundriss als Anhang
- Mietkonditionen: Kalt-/Warm-Miete, Nebenkosten, Kaution, Laufzeit, Staffelmiete-Regelung, Kündigungsfristen
- Umbau-Bedarf: Was muss gemacht werden, mit welchen Kostenvoranschlägen (gehören in den Anhang)
Die Miet-zu-Umsatz-Regel
Kalt-Miete inklusive Nebenkosten sollte maximal 10–12 % des geplanten Jahres-Umsatzes betragen. Bei geplanten 70.000 € Jahr 1 heißt das: Monatsmiete warm maximal 580–700 €. Wer in den ersten zwei Jahren über 15 % landet, hat ein strukturelles Problem, das kein Marketing mehr heilen kann.
Der Salon-Setup-Guide hat die vollständige Raumanforderungs- und Grundriss-Checkliste, inklusive Wohlfühl-Details (Duft, Pflanzen, Licht, WC) — für den Businessplan nur die geschäftsrelevanten Punkte extrahieren.
Der Businessplan bei der Objekt-Bewerbung
Bei Gewerbeflächen fragen Vermieter und Makler nahezu immer nach wirtschaftlichen Unterlagen — und zwar bevor sie überhaupt einen Mietvertrags-Entwurf schicken. Das wird besonders wichtig, wenn sich mehrere Interessentinnen um dasselbe Objekt bewerben: Dann gewinnt nicht zwangsläufig die höchste Mietzusage, sondern diejenige, deren Konzept am seriösesten wirkt.
Den vollständigen 30-seitigen Businessplan gibst du nicht an Makler heraus — das ist zu viel Vertraulichkeit zu früh. Stattdessen: eine 3- bis 5-seitige Kurz-Version („Bewerbungs-Mappe") mit Executive Summary, Konzept in einem Absatz, Rentabilitäts-Vorschau Jahr 1–3, Miet-zu-Umsatz-Verhältnis, kurzer Lebenslauf und Schufa-Eigenauskunft. Den vollständigen Plan erst an die Vermieterin direkt, erst bei konkretem Vertrags-Entwurf.
Was Vermieter konkret prüfen
- Rentabilität vs. Miete: passt die geplante Kalt-Miete in die 10–12-%-Faustregel?
- Branchen-Passung: Kosmetiksalon in Wohn-Umgebung mit Laufkundschaft — ja; Industriegebiet — meist nein
- Umbau-Pläne: welche baulichen Änderungen, auf wessen Kosten, Rückbau-Pflicht
- Bonität: Schufa-Eigenauskunft, oft ergänzt durch eine Bürgschaft (Eltern, Partner) oder erhöhte Kaution (3 Monatsmieten statt 2)
- Finanzierungs-Zusage: liegt die KfW-Zusage bereits vor, ist das ein starkes Signal — sie hat strenger geprüft als der Vermieter je könnte
Die Kurz-Version für die Objekt-Bewerbung darf nicht dazu verleiten, den Mietvertrag vor der Finanzierungs-Zusage zu unterschreiben. Verhandle bei guter Passung eine Reservierung (schriftlich, 2–4 Wochen, meist gegen eine Bearbeitungs-Gebühr von 500–1.500 €), die dir Zeit verschafft, bis die KfW-Zusage da ist. Das ist in der Branche üblich und wird von seriösen Vermieter akzeptiert.
Kapitel 6: Marketing & Vertrieb
Drei Teile: Preispolitik, Akquise-Kanäle, Marketing-Budget. Banken wollen wissen, wie die Kundinnen überhaupt zu dir finden.
6.1 Preispolitik
Begründung der Preis-Positionierung — nicht nur die Zahlen, sondern warum diese Preise gerechtfertigt sind. Vergleich mit dem Marktmittel aus der Konkurrenzanalyse.
6.2 Akquise-Kanäle
Eigene Kanäle
Kostenlos, aber AufbauzeitWebsite mit Online-Buchung, Google Business Profil, Instagram & Facebook organisch, Newsletter.
Bezahlte Kanäle
Schnell wirksam, laufende KostenGoogle Ads lokal, Meta Ads, Treatwell / Shore, lokale Zeitungen und Magazine.
Partner & Empfehlung
Mittelfristig hebelbarHochzeits-Planerinnen, Friseur-Kolleginnen, Fotografinnen, Hebammen. Empfehlungs-Programm für Bestandskundinnen.
6.3 Marketing-Budget
| Kanal | Jahr 1 / Monat | Jahr 1 gesamt | Jahr 2 / Monat |
|---|---|---|---|
| Google Ads / Meta Ads | 200 € | 2.400 € | 300 € |
| Treatwell-Grundgebühr + Provision | 150 € | 1.800 € | 150 € |
| Print (Flyer, Magazine) | 75 € | 900 € | 50 € |
| Website-Pflege, Fotoshooting | — | 1.500 € | 1.000 € |
| Eröffnungs-Kampagne (einmalig) | — | 2.000 € | — |
| Summe | ca. 425 € | ca. 8.600 € | ca. 500 € |
Das Marketing-Budget muss zur Rentabilitätsvorschau passen — wer dort „Marketing 6.000 €" schreibt und im Marketing-Kapitel 12.000 € plant, hat einen Widerspruch, der Banken sofort auffällt. Beides muss übereinstimmen.
Details zu jedem Kanal im Marketing-Plan-Guide und im Social-Media-Playbook.
Kapitel 7: Rechtsform & Organisation
Welche Rechtsform, welche Anmeldungen, welche Versicherungen, wie das Unternehmen personell aufgestellt ist.
Rechtsform-Begründung
Ein Absatz zur Rechtsform-Wahl. Für die meisten Solo-Gründerinnen im Kosmetik-Bereich ist das Einzelunternehmen die richtige Wahl — günstig in der Gründung, einfach in der Buchhaltung, persönliche Haftung als zu akzeptierendes Risiko bei überschaubarem Geschäftsvolumen. Eine Unternehmergesellschaft (UG) oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) wird meist erst ab Jahr 3–5 sinnvoll, wenn Personal eingestellt wird oder mehrere Standorte entstehen.
Keine langen Rechtsform-Vergleiche. Nur: Welche Form gewählt, warum, wann ein Wechsel in Betracht kommt. Die ausführliche Abwägung steht im Rechtsformen-Guide; für den Businessplan reichen fünf Zeilen.
Anmeldungen & Zulassungen
- Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt deiner Stadt
- Anmeldung beim zuständigen Finanzamt (Steuernummer, USt-ID bei Regelbesteuerung)
- Mitgliedschaft in der Handwerkskammer (bei Eintragungspflicht) oder in der IHK
- Berufsgenossenschaft (BGW — Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege)
- Zuständiges Gesundheitsamt: Melde- und Dokumentationspflicht bei bestimmten Verfahren (z. B. Piercing, Permanent Make-up)
Versicherungen
| Versicherung | Jahresprämie | Pflicht / Empfohlen |
|---|---|---|
| Berufshaftpflicht Kosmetik | 300–600 € | Dringend empfohlen |
| Inhaltsversicherung (Geräte, Einrichtung) | 400–800 € | Empfohlen |
| Rechtsschutz Gewerbe | 300–500 € | Empfohlen |
| Private Krankenversicherung / freiwillig gesetzlich | 400–700 € / Monat | Pflicht |
| Krankentagegeld (ab Tag 43) | 30–80 € / Monat | Dringend empfohlen |
| Berufsunfähigkeit (BU) | 45–90 € / Monat | Dringend empfohlen |
| Unfallversicherung | 15–30 € / Monat | Empfohlen |
Personal-Planung
Dreizeiler pro Planjahr. Jahr 1 Solo-Betrieb. Jahr 2 eine Minijob-Aushilfe für Empfang und Reinigung (603 €-Basis 2026). Jahr 3–4 Einstellung einer zweiten Kosmetikerin in Teilzeit. Jede Personal-Entscheidung schlägt sich im Rentabilitäts-Plan nieder.
Kapitel 8: Chancen & Risiken (SWOT)
Eine Seite, vier Felder. Banken prüfen hier vor allem, ob die Gründerin ihre eigenen Schwächen kennt. Wer keine nennt, wirkt entweder naiv oder unehrlich.
Die SWOT-Matrix
| Intern | Extern | |
|---|---|---|
| Positiv | Strengths — eigene Stärken (Qualifikation, Netzwerk, Kapital, persönliche Eigenschaften) | Opportunities — Markt-Chancen (wachsender Premium-Markt, ungenutzte Nische vor Ort, Empfehlungs-Dynamik) |
| Negativ | Weaknesses — eigene Schwächen (wenig Kapital, Solo-Betrieb, kein Personal in der Anfangsphase, keine Marken-Bekanntheit) | Threats — Markt-Risiken (Konjunktur, neue Wettbewerber, Online-Plattformen, Saisonalität) |
Risiko-Mitigation
Zu jedem Risiko eine Zeile, wie damit umgegangen wird. Das trennt einen guten Businessplan von einem durchschnittlichen.
| Risiko | Mitigation |
|---|---|
| Hohe Abhängigkeit von einer Person (Krankheit) | Krankentagegeld ab Tag 43, Berufsunfähigkeits-Versicherung, Vertretungs-Netzwerk mit zwei Kolleginnen aufgebaut, Liquiditätsreserve für 6 Monate |
| Konjunkturelle Schwankung | Preisliste mit Angeboten in zwei Preis-Segmenten, Gutschein-Geschäft als Krisen-Puffer, konservative Rentabilitätsplanung mit 70 %-Auslastungs-Szenario |
| Neue Wettbewerber | Monatliche Konkurrenz-Analyse (siehe Konkurrenz-Guide), Nischen-Positionierung erschwert Kopie, enge Kundinnen-Bindung via Empfehlungs-Programm |
| Saisonalität (Juli/August, Jan./Feb.) | Gutschein-Kampagnen zum Jahresende, Bräute-Saison März–September als Gegengewicht, Produktlinie als zweites Standbein ab Jahr 3 |
| Preisdruck durch Treatwell / Online | Premium-Positionierung bewusst abgrenzt, keine Rabatt-Schlachten, stattdessen Fokus auf Stamm-Kundinnen-Bindung |
Für die Tiefen-Bearbeitung von Krisen: Krisen-Resilienz-Guide und Typische Fehler & Warnsignale.
Kapitel 9: Finanzplanung
Das Herzstück des Businessplans. Fünf Teil-Pläne, die alle zusammenpassen müssen. Die Bank prüft hier genauer als irgendwo anders.
Der Finanz-Guide erklärt Buchhaltung, Steuern, Technische Sicherheitseinrichtung (TSE), Altersvorsorge, Liquidität — das Tagesgeschäft der Finanzen. Dieses Kapitel im Businessplan ist die Plan-Version dieser Themen: was vorausgeplant wird, bevor der erste Euro fließt. Viele Begriffe überschneiden sich, aber der Zweck ist ein anderer: hier geht es darum, die Bank und die KfW von der Tragfähigkeit zu überzeugen.
9.1 Kapitalbedarfsplan
Alle einmaligen Kosten bis zum Break-Even. Nicht nur Möbel und Geräte — auch Gründungskosten, Eröffnungs-Marketing, Mietkaution und vor allem eine Liquiditätsreserve für mindestens sechs Monate Fixkosten.
| Position | Beispiel-Betrag | Anmerkung |
|---|---|---|
| Umbau & Renovierung | 15.000–25.000 € | Sanitär, Boden, Licht, Wände |
| Möbel & Einrichtung | 8.000–12.000 € | Behandlungsliege, Empfang, Regale, Beleuchtung |
| Geräte (Kosmetik, Sterilisation, TSE-Kasse, Kartenterminal) | 10.000–18.000 € | Inkl. Anbindung Buchhaltung |
| Erstausstattung Produkte & Verbrauchsmaterial | 3.000–5.000 € | Pflegeserie, Einmal-Material, Hygiene |
| Marketing & Launch | 3.000–5.000 € | Website, Fotoshooting, Eröffnungs-Kampagne |
| Gründungskosten (Anwältin, Steuerberaterin, Anmeldungen) | 1.500–2.500 € | Einmalig |
| Kaution + erste Miete | 3.000–5.000 € | Je Mietvertrag |
| Liquiditätsreserve (6 Monate Fixkosten) | 15.000–25.000 € | Kern-Puffer für Anlaufphase |
| Gesamt-Kapitalbedarf | 58.500–97.500 € |
9.2 Finanzierungsplan
Die Summe muss exakt dem Kapitalbedarf entsprechen. Wer „ungefähr 60.000 €" schreibt, ohne dass 60.000 € in der Gegenrechnung genau aufgehen, verliert sofort an Glaubwürdigkeit.
| Quelle | Betrag | Konditionen |
|---|---|---|
| Eigenkapital | 20.000 € | Ersparnis, Vermögensaufstellung in Anlage |
| KfW-StartGeld | 50.000 € | 10 J. Laufzeit, 2 J. tilgungsfrei, Zinssatz variabel |
| LfA Bayern Universalkredit (optional) | 10.000 € | Bayerisches Förder-Programm |
| Gründungszuschuss Agentur für Arbeit | 9.000 € | 6 Monate, bei vorheriger Arbeitslosigkeit |
| Gesamt-Finanzierung | = Kapitalbedarf |
9.3 Umsatz- und Ertragsvorschau
Monat für Monat für 12 Monate, dann Jahressummen für Jahr 2 und Jahr 3. Mit realistischer Hochlauf-Kurve — niemand startet mit 100 Kundinnen im ersten Monat.
| Zeitraum | Termine | Ø Umsatz / Termin | Umsatz | Variable Kosten (15 %) | Deckungsbeitrag |
|---|---|---|---|---|---|
| Monat 1 (Eröffnung) | 30 | 65 € | 1.950 € | 293 € | 1.657 € |
| Monat 3 | 70 | 72 € | 5.040 € | 756 € | 4.284 € |
| Monat 6 (Break-Even) | 100 | 75 € | 7.500 € | 1.125 € | 6.375 € |
| Monat 12 | 130 | 78 € | 10.140 € | 1.521 € | 8.619 € |
| Jahr 1 gesamt | ca. 950 | 73 € | ca. 70.000 € | 10.500 € | 59.500 € |
| Jahr 2 | 1.350 | 80 € | 108.000 € | 16.200 € | 91.800 € |
| Jahr 3 | 1.600 | 85 € | 136.000 € | 20.400 € | 115.600 € |
9.4 Liquiditätsplan
Der oft vergessene Plan — und derjenige, bei dem Banken am genauesten hinschauen. Umsatz ist nicht gleich Geld auf dem Konto. Zwischen Leistung und Zahlung liegt Zeit (vor allem bei Treatwell-Abrechnung: meist 14 Tage Verzug). Zwischen Investition und Umsatz liegen Monate. Der Liquiditätsplan stellt Monat für Monat Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge gegenüber.
Der Konto-Endstand am Monatsende darf niemals negativ sein. Wenn die Liquiditätsplanung in Monat 4 einen negativen Kontostand zeigt, muss die Liquiditätsreserve erhöht werden — nicht der Umsatzplan geschönt. Banken erkennen diesen Trick sofort.
9.5 Rentabilitätsvorschau
Die langfristige Perspektive über drei Jahre. Aus Jahres-Umsatz minus allen Kosten ergibt sich der Vorsteuer-Gewinn, nach Einkommensteuer bleibt das Netto-Einkommen — das, wovon du leben kannst, Darlehen tilgen und Altersvorsorge aufbauen.
| Position | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 70.000 | 108.000 | 136.000 |
| ./. Wareneinsatz (ca. 15 %) | 10.500 | 16.200 | 20.400 |
| ./. Miete inkl. NK | 12.000 | 12.000 | 12.500 |
| ./. Personal (ab Jahr 2) | — | 8.000 | 18.000 |
| ./. Marketing | 8.600 | 6.000 | 6.000 |
| ./. Versicherungen (Berufs, Inhalt, Rechts) | 1.500 | 1.600 | 1.700 |
| ./. Sonstige Betriebskosten | 6.000 | 7.000 | 8.000 |
| ./. Zinsen Darlehen | 1.500 | 1.300 | 1.100 |
| Vorsteuer-Gewinn | 29.900 | 55.900 | 68.300 |
| ./. Einkommensteuer, Soli (ca. 20 %) | 6.000 | 11.200 | 13.700 |
| Netto-Einkommen (für Lebenshaltung + Tilgung + Vorsorge) | 23.900 | 44.700 | 54.600 |
Banken teilen das Netto-Einkommen durch 12 und vergleichen mit einem Mindest-Lebensbedarf (ca. 1.500–1.800 € / Monat für eine Einzelperson). Wenn im Jahr 1 nach allen Kosten weniger als 1.200 € / Monat herauskommen, gilt der Plan als nicht tragfähig — unabhängig davon, wie gut der Rest klingt. Deshalb ist die Liquiditätsreserve so wichtig: sie puffert Jahr 1.
Kapitel 10: Anhang
Der Anhang macht aus einem schönen Businessplan einen belastbaren. Ohne Nachweise sind alle Zahlen nur Behauptungen.
Standard-Anhang eines Salon-Businessplans
- Tabellarischer Lebenslauf mit Foto
- Abschlusszeugnis Ausbildung Kosmetikerin
- Zertifikate Zusatzqualifikationen (Permanent Make-up, Wimpern, Microneedling, etc.)
- Arbeitszeugnisse der letzten drei Stationen
- Schufa-Eigenauskunft (nicht älter als 4 Wochen)
- Vermögensaufstellung (privat) in Tabellenform
- Private Haushaltsrechnung (monatlich, Einnahmen + Ausgaben)
- Letzte drei Einkommensteuerbescheide oder Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate
- Mietvertrag oder Vor-Vertrag / Absichtserklärung der Vermieterin
- Grundriss und Fotos der Räumlichkeiten
- Kostenvoranschläge für Umbau, Möbel, Geräte (jeweils mind. zwei Angebote)
- Finanzplan als Excel- oder LibreOffice-Datei (digital mitliefern)
- Versicherungs-Zusagen (falls bereits vorliegend)
- Gewerbeanmeldung (falls schon erfolgt) oder Nachweis der Beantragung
Die Förder-Landkarte
Vier zentrale Förder-Instrumente für Salon-Gründerinnen in Bayern — und wie man sie kombiniert.
| Förderung | Zweck | Maximale Höhe | Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| KfW-StartGeld (Programm 067) | Investitionen + Betriebsmittel | 125.000 € | Businessplan, Hausbank-Durchleitung |
| KfW ERP-Gründerkredit-StartGeld | Zinsgünstiger Kredit für Investitionen | 125.000 € | Ähnlich wie StartGeld, oft Alternative |
| LfA Bayern Universalkredit | Ergänzender bayerischer Kredit | bis 10 Mio. €, für Gründung meist 50–100 k | Sitz / Standort in Bayern |
| Gründungszuschuss Agentur für Arbeit | Monatlicher Zuschuss in den ersten 6+9 Monaten | ca. 9.000 € (6 Mon. × Arbeitslosengeld + 300 € pauschal) + optional 9 Mon. × 300 € | Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Antragstellung |
| Meisterbonus Bayern (falls Meister-Prüfung) | Einmaliger Zuschuss nach bestandener Meisterprüfung | 3.000 € | Bestandene Meisterprüfung |
| Coaching-Zuschuss (BAFA, nach Gründung) | Zuschuss für Unternehmensberatung | bis 80 % der Beratungskosten, max. 4.000 € | Erst nach Gründung nutzbar, nicht während Businessplan-Erstellung |
KfW-StartGeld und Gründungszuschuss sind kombinierbar. LfA Bayern kann ergänzend dazukommen. Meisterbonus läuft parallel. Der BAFA-Coaching-Zuschuss greift erst nach Gründung. Nicht kombinierbar: mehrere KfW-Programme gleichzeitig für denselben Zweck.
KfW-StartGeld
Das wichtigste Gründungs-Instrument in Deutschland. Günstige Zinsen, zwei tilgungsfreie Jahre, bis zu 125.000 €.
Konditionen (Stand April 2026, unverbindlich)
Maximaler Betrag
bis 125.000 €Davon maximal 50.000 € Betriebsmittel (z. B. Miete, Marketing), Rest für Investitionen.
Laufzeit
5 oder 10 JahreBei 10 Jahren: 2 tilgungsfreie Anlauf-Jahre, danach 8 Jahre Tilgung. Üblich für Gründung.
Haftungsfreistellung
80 % durch KfWDie Hausbank haftet nur zu 20 %. Macht die Hausbank deutlich entgegenkommender als bei einem reinen Hausbank-Kredit.
Wie man beantragt
Erst den Darlehensvertrag unterschreiben, dann Geld ausgeben. Wer vor der Zusage Möbel oder Geräte kauft, verliert in der Regel die Förderfähigkeit — die KfW fördert nur, was nach Antragstellung angeschafft wird. Rechnungen mit Datum vor der Zusage werden gestrichen.
Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit
Monatliche Zahlung in den ersten sechs Monaten — nur für Gründerinnen, die zum Zeitpunkt der Gründung noch Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.
Die Voraussetzungen
Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein
- Zum Zeitpunkt der Antragstellung laufender Anspruch auf Arbeitslosengeld I (nicht Bürgergeld / ALG II)
- Mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld
- Vollständiger Businessplan und Tragfähigkeits-Bescheinigung einer fachkundigen Stelle (IHK, HWK, Steuerberaterin, Aktivsenioren)
Höhe & Dauer
| Phase | Dauer | Zusammensetzung | Beispiel (bei 1.500 € ALG I) |
|---|---|---|---|
| Phase 1 (Pflicht) | 6 Monate | Höhe des Arbeitslosengelds + 300 € monatliche Sozialversicherungs-Pauschale | 1.800 € / Monat × 6 = 10.800 € |
| Phase 2 (Ermessen) | 9 Monate | Nur 300 € monatlich | 2.700 € insgesamt |
| Gesamt-Zuschuss | 15 Monate | ca. 13.500 € |
Wer aktuell in Festanstellung ist und gründen will, sollte vor dem Jobwechsel prüfen, ob eine Kündigung sinnvoll ist. Bei freiwilliger Arbeitslosigkeit gibt es i. d. R. eine Sperrzeit von 12 Wochen — in dieser Zeit kein Arbeitslosengeld, damit auch kein Gründungszuschuss. Wer dagegen gekündigt wird oder durch Aufhebungsvertrag geht (mit Abfindung sauber geregelt), hat sofort Anspruch. Termin bei der Agentur für Arbeit vor der Kündigung ist essenziell.
Die Tragfähigkeitsbescheinigung ist das Schlüssel-Dokument — meistens günstig oder kostenlos erhältlich bei Aktivsenioren Bayern e. V. oder IHK Schwaben Gründerzentrum (siehe Prüfstellen unten).
LfA Bayern Universalkredit
Das bayerische Pendant zur KfW. Kann zusätzlich oder alternativ zum KfW-StartGeld eingesetzt werden.
Was die LfA bietet
- Universalkredit für Investitionen und Betriebsmittel — ähnlich zum KfW-StartGeld, aber spezifisch bayerisch
- Startkredit 100 für Existenzgründerinnen — bis 100.000 €, auch ohne Eigenkapital möglich
- Zinsverbilligung gegenüber dem Hausbank-Zinssatz um 0,5–1,5 Prozentpunkte
- Haftungsfreistellung bis 60 %, ergänzend zur KfW-Haftungsfreistellung
Wann die LfA Sinn ergibt
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Kapitalbedarf unter 125.000 €, einfache Struktur | Meist reicht KfW-StartGeld allein |
| Kapitalbedarf zwischen 100–200 k € | KfW-StartGeld + LfA-Ergänzung gut kombinierbar |
| Schwieriges Bank-Profil (geringes Eigenkapital, Schufa-Eintrag, etc.) | LfA-Startkredit 100 oft leichter zu bekommen als KfW |
| Standort außerhalb Bayern | LfA nicht möglich — Alternativen sind NRW.Bank, IB.SH, etc. |
Antragstellung erfolgt ebenfalls über die Hausbank. Beratung direkt bei der LfA über das Förder-Telefon: 0800–21 24 24 24 (kostenlos).
Das Hausbank-Gespräch
Der Moment, auf den der ganze Businessplan hinausläuft. Ein gutes Gespräch entscheidet über Finanzierung — oft stärker als der Plan selbst.
Vor dem Termin
Vorbereitung eine Woche vorher
- Businessplan als PDF senden (drei Werktage vor Termin)
- Ausgedruckte Version mit Tabreitern oder Klebestreifen zum Termin mitbringen
- Schufa-Eigenauskunft bereitlegen
- Vermögensaufstellung und Haushaltsrechnung dabei
- Alle Kostenvoranschläge dabei (Umbau, Geräte, Möbel)
- Visitenkarte der Steuerberaterin mitbringen (für Rückfragen durch die Bank)
Typische Fragen
„Wie kommen Sie auf den Umsatz in Monat 3? Das wirkt hoch."
„Was ist Plan B, wenn Sie 6 Monate lang krank werden?"
„Warum diese Rechtsform und nicht eine Unternehmergesellschaft?"
„Welche Sicherheiten können Sie einbringen?"
„Was passiert, wenn die Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss ablehnt?"
„Ihre Liquiditätsreserve deckt sechs Monate — warum nicht neun?"
„Welche Erfahrungen haben Sie mit Personalführung?"
Zugeben, was du nicht weißt — und zeigen, wie du es herausfinden wirst. „Das haben wir so noch nicht kalkuliert, aber die Logik ist folgende, und ich melde mich bis Freitag mit der konkreten Zahl." Banker hassen Bluff mehr als Wissenslücken. Kompetenz heißt: man kennt den eigenen Arbeitsweg, nicht jedes Detail.
Nach dem Gespräch
- Dank-Mail noch am selben Tag — kurz, höflich, mit Zusammenfassung der Vereinbarungen
- Jede Zusage schriftlich — mündliche Zusagen gelten nicht
- Bearbeitungsfrist klären — wann rechnen sie mit Rückmeldung
- Bei Ablehnung: nach konkreten Gründen fragen, zweite Hausbank kontaktieren (Sparkasse und VR-Bank sind typische Optionen vor Ort)
Zeitplan & Reihenfolge
Sechs bis neun Monate Vorlauf vor dem geplanten Eröffnungstermin. Wer es in weniger Zeit versucht, produziert einen schwachen Plan — und Banken merken das.
Kostenlose Prüfstellen
Lass deinen Businessplan vor der Bank-Abgabe gegenlesen — oft kostenlos, immer lohnend.
IHK Schwaben — Gründerzentrum
Kostenlos · Augsburg / SchwabenEin bis drei Beratungstermine kostenlos, jeweils 60–90 Minuten. Gründungsberater lesen den Plan, geben strukturelles Feedback, prüfen die Rentabilität auf Plausibilität. Termine online buchbar.
HWK Schwaben
Kostenlos · für Handwerks-GründerinnenIdentisches Angebot wie IHK, aber spezifisch für Handwerksberufe. Bei Kosmetik-Salons je nach Eintragungspflicht entweder IHK oder HWK zuständig.
Aktivsenioren Bayern e. V.
Kostenlos · erfahrene Ex-UnternehmerEhrenamtliches Beratungs-Netzwerk. Oft pragmatischer und direkter als IHK. Stellen auch Tragfähigkeits-Bescheinigungen für den Gründungszuschuss aus. Termine über aktivsenioren.de.
Steuerberaterin / Steuerberater
Kostenpflichtig · 200–500 €Nicht kostenlos, aber die beste Investition. Steuerliche Plausibilitäts-Prüfung des Finanzplans, Rechtsform-Empfehlung, Einkommensteuer-Schätzung. Ein Bestätigungsvermerk durch Steuerberaterin ist für Banken ein starkes Signal.
gfi Bayern (Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration)
Meist gefördert · Lange KurseMehrwöchige Existenzgründungs-Seminare mit intensiver Betreuung. Überzieht, wenn ein kompletter Neuanfang ansteht. Für die schnelle Plan-Prüfung oft zu aufwändig.
Gründer-Coaches (privat)
150–250 € / StundeEinzel-Coaching bei erfahrenen Gründungs-Beraterinnen. Sinnvoll bei komplexen Fragestellungen, zu teuer für einfache Gegenlesen-Runden.
Erst eigener Entwurf → Aktivsenioren (schnelles Feedback, direkt) → Überarbeitung → IHK/HWK (formales Feedback) → Steuerberaterin (Finanzplan-Check) → Hausbank. Wer sich alle Stufen leistet, hat ein deutlich besseres Plan-Ergebnis — und oft die Tragfähigkeits-Bescheinigung für den Gründungszuschuss gleich mit.
Typische Fehler im Businessplan
Die zehn häufigsten Muster, die Bank-Ablehnungen produzieren — aus der Praxis von IHK-Gründungsberater.
| # | Fehler | Warum er weh tut | Abhilfe |
|---|---|---|---|
| 1 | Umsatzplan zu optimistisch | Jahr 1 mit 100+ Kundinnen/Monat ab Monat 1 — das ist niemals realistisch | Konservativ starten, konkrete Hochlauf-Kurve mit Begründung |
| 2 | Liquiditätsreserve zu klein | Deckt nur 2–3 Monate — die erste Krankheit kippt das Unternehmen | Mindestens 6 Monate Fixkosten als Puffer einplanen |
| 3 | Alleinstellungsmerkmal unklar oder austauschbar | „Premium-Qualität, persönliche Beratung" — sagt jeder Salon | Konkrete, nachweisbare Unterscheidungsmerkmale (siehe Kapitel 3) |
| 4 | Konkurrenz-Analyse fehlt oder pauschal | „Es gibt einige Wettbewerber vor Ort" — Bank erkennt: keine Hausaufgaben gemacht | Mindestens 5 direkte Wettbewerber konkret beschreiben, mit Preisen und Schwerpunkten |
| 5 | Rechenfehler in Tabellen | Summen passen nicht — verliert sofort Glaubwürdigkeit aller Zahlen | Jede Tabelle zweimal rechnen, durch Steuerberaterin gegenchecken lassen |
| 6 | Executive Summary zu vage | Keine konkreten Zahlen, keine Struktur — wird nicht weitergelesen | Die sieben Kern-Fragen beantworten (siehe Kapitel 4) |
| 7 | Private Haushaltsrechnung fehlt | Bank weiß nicht, wie viel Netto-Einkommen du brauchst — kann nicht tragfähig beurteilen | Monatliche Einnahmen + Ausgaben im Anhang |
| 8 | Keine Risiken genannt | Wirkt naiv oder unehrlich — Banken erwarten SWOT mit Mitigation | Mindestens 5 Risiken, zu jedem eine Mitigations-Strategie |
| 9 | Copy-Paste aus Muster-Plänen | Banker erkennen Phrasen sofort, sie wirken beliebig | Jeden Satz in eigenen Worten schreiben — lieber stolpernd und ehrlich als glatt und generisch |
| 10 | Keine digitale Excel-Version | Bank kann mit statischen PDFs nicht rechnen, braucht interaktive Tabellen | Finanzplan als Excel oder LibreOffice-Datei mitliefern, PDF als Ausdruck |
Manche Gründerinnen unterschreiben den Mietvertrag bevor die Bank zusagt — aus Angst, das Ladenlokal zu verlieren. Wenn die Bank dann ablehnt, hängt die Gründerin privat mit Miet-Verpflichtungen fest, bevor überhaupt ein Euro Umsatz fließt. Immer in der richtigen Reihenfolge: erst Finanzierung, dann Mietvertrag. Wer das Objekt halten will, verhandelt stattdessen einen Vor-Vertrag oder eine Reservierungs-Gebühr.
Abgabe-Checkliste
Vor dem Versand an die Bank. Jeden Punkt abhaken — erst dann raus damit.
Struktur & Form
- Deckblatt mit Name, Salon-Name, Datum, Version, Kontakt vollständig
- Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen stimmt mit dem Text überein
- Fußzeile „Seite X von Y" und Salon-Name auf allen Seiten
- Rechtschreibung durch zweite Person geprüft (Duden-Korrektur reicht nicht)
- Überschriften konsistent formatiert
- PDF-Datei nicht größer als 10 MB (sonst Kompression)
Inhalt
- Executive Summary auf maximal einer Seite, enthält die sieben Kern-Antworten
- Alleinstellungsmerkmal konkret, nicht austauschbar
- Mindestens 5 direkte Wettbewerber beschrieben, mit Preisen und Schwerpunkten
- Markt-Zahlen mit Quellenangaben
- Alle fünf Finanz-Teil-Pläne vorhanden (Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatz/Ertrag, Liquidität, Rentabilität)
- Summen-Zeilen in allen Tabellen geprüft
- SWOT mit mindestens 5 Risiken plus Mitigation
Anhang
- Lebenslauf mit Foto
- Ausbildungs- und Zusatz-Zertifikate
- Arbeitszeugnisse der letzten drei Stationen
- Schufa-Eigenauskunft (< 4 Wochen alt)
- Vermögensaufstellung privat
- Haushaltsrechnung monatlich
- Einkommensteuerbescheide / Gehaltsabrechnungen
- Mietvertrag oder Vor-Vertrag
- Grundriss + Fotos
- Zwei Kostenvoranschläge pro Investitions-Position
- Finanzplan als digitale Tabellen-Datei
Externe Prüfung
- Mindestens eine Prüfstelle hat den Plan gegengelesen (IHK, HWK oder Aktivsenioren)
- Steuerberaterin hat den Finanzplan geprüft oder bestätigt (empfohlen)
- Alle Rückmeldungen eingearbeitet oder bewusst verworfen mit Notiz, warum
Dann hast du einen Businessplan, der jede Hausbank-Prüfung überstehen sollte. Spätestens jetzt auch das Businessplan-Skelett-Template öffnen und mit den eigenen Zahlen füllen — das Skelett hat die fertige Struktur und spart einige Stunden Formatierung.