Nur's Beauty Atelier — Dokument 20

Das Operations-Handbuch

Einundzwanzig Standard-Abläufe so dokumentiert, dass jede neue Mitarbeiterin sie nachmachen kann — ohne dass du jedes Mal dabeistehst. Inklusive der Fragen, die sonst nie gestellt werden: Wie putzt man das WC genau? Wie macht man einen Monatsabschluss? Was sagt man einer unzufriedenen Kundin? Was tut eine Mitarbeiterin, wenn gerade keine Kundin da ist?

Version 1.0 · April 2026

Warum SOPs?

Eine Standard Operating Procedure (SOP) ist nichts anderes als: „So machen wir das hier — und zwar jedes Mal gleich." Was banal klingt, ist der Unterschied zwischen einem Atelier, das in deiner Abwesenheit funktioniert, und einem, das dich als Person braucht, um zu existieren.

Solange du Solo bist, hast du alle SOPs im Kopf. Sie funktionieren trotzdem — weil du sie selbst ausführst und keine Reibungsverluste entstehen. Das ändert sich in genau zwei Momenten:

Die drei Fragen, die jede SOP beantwortet
  • Was genau ist fertig? Wie erkenne ich das Ergebnis? („Liege ist bezogen" heißt was konkret?)
  • In welcher Reihenfolge? Welche Schritte in welchem Flow?
  • Woran erkenne ich Qualität? Nicht nur „gemacht", sondern „gut gemacht".

SOPs sind außerdem kein Ersatz für Handwerk. Eine gute Kosmetikerin wird durch eine SOP nicht zur schlechten, eine schlechte nicht zur guten. Sie stellen nur sicher, dass das Rundherum — der Raum, die Begrüßung, die Nachbereitung, die Finanzen — konsistent Premium-Qualität hat. Das Handwerk in der Mitte bleibt deine Verantwortung und wird über Fortbildung gepflegt.

Eine häufige Falle

Perfektionismus beim SOP-Schreiben. Die Versuchung, alles bis ins kleinste Detail zu regeln, führt zu Handbüchern, die niemand liest. Die Regel lautet: Wenn ein Schritt fünf Mal hintereinander auf die gleiche Weise gemacht wird, dann dokumentiere ihn. Vorher nicht. Dieses Handbuch dokumentiert exakt die achtzehn Routinen, die in einem Kosmetik-Atelier ständig wiederholt werden.

Die Trainings-Methode

Eine SOP aufzuschreiben ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist die Methode, wie du sie an eine neue Person übergibst. Drei einfache Schritte — geschult in hunderten Handwerks-Betrieben, bewährt.

Bevor du startest: Training ist deine Verantwortung

Dieses Handbuch ist die Vorbereitung für dein Training — nicht das Training selbst. Wenn du einer neuen Mitarbeiterin das Buch in die Hand drückst mit den Worten „Lies es durch, dann machen wir weiter", funktioniert das garantiert nicht. SOPs sind geschriebene Choreografien. Sie brauchen einen aktiven Trainings-Moment, in dem du vorzeigst, begleitest und prüfst. Jeder Fehler, den deine Mitarbeiterin macht, ohne dass sie die SOP dazu mit dir aktiv durchgearbeitet hat, ist dein Versäumnis — nicht ihres. Mehr dazu im Einstellungs-Guide · Training ist deine Verantwortung (inklusive der „Management Diamond"-Diagnose und dem Trainings-Log als Nachweis-Dokument).

Schritt 01

Zeigen

Du machst die Routine einmal vollständig vor, die Mitarbeiterin schaut zu und stellt Fragen. Pro SOP zehn bis zwanzig Minuten. Parallel das SOP-Blatt zum Mitlesen.

Schritt 02

Mitmachen

Die Mitarbeiterin macht die Routine, du stehst daneben, gibst kurze Hinweise, greifst nicht korrigierend ein. Drei bis fünf Wiederholungen unter Beobachtung reichen für die meisten SOPs.

Schritt 03

Prüfen

Die Mitarbeiterin macht die Routine allein, du überprüfst am Ende das Ergebnis anhand der Qualitäts-Checkliste in der SOP. Abhaken nicht vergessen — das ist Motivation und Dokumentation in einem.

Wie lange dauert die Einarbeitung realistisch?

Für eine erfahrene Kosmetikerin (mit anderer Salon-Erfahrung): etwa zwei Wochen bei Teilzeit, bis alle achtzehn SOPs sicher sitzen. Für eine Anfängerin (frisch aus der Ausbildung): vier bis sechs Wochen — vor allem bei den Finanz-SOPs. Plane das ein, nicht zwei Tage.

Fünf SOPs zu Raum & Reinigung

Das Herz des Ateliers. Der Raum erzählt der Kundin — bevor ein einziges Wort gesprochen wird — was sie hier zu erwarten hat. Eine schmutzige Türklinke reicht, um das Premium-Versprechen zu zerstören.

SOP 01 · Raum

Morgen-Öffnung des Ateliers

Wann: Täglich, 20 Minuten vor erster Kundin Dauer: 20 Minuten Werkzeug: Desinfektionsmittel, frische Wäsche
Die erste Kundin darf nie spüren, dass sie die erste ist. Alles muss wirken, als wäre das Atelier schon seit Stunden in Betrieb — warm, geordnet, einladend.
  1. Licht & Musik einschalten. Hauptlicht warm, nicht grell. Behandlungsraum nur Ambient-Licht. Playlist starten (Leise-Instrumental-Liste), Lautstärke knapp über Hintergrund.Regel: Musik soll hörbar sein, aber kein Gespräch überlagern.
  2. Temperatur prüfen. Sommer: 22 °C, Winter: 23 °C. Lüftung: Fenster kurz stoßlüften (5 Min.), danach schließen.Behandlungsraum wärmer als Empfang, weil Kundinnen dort länger liegen.
  3. Behandlungsliege vorbereiten. Frisches Einmal-Vlies aufziehen, neues Kopfkissen-Einmaltuch, Decke sauber gefaltet am Fußende. Liege mittig ausrichten.Vlies muss glatt sein — Falten sieht die Kundin beim Hinlegen.
  4. Werkzeug-Tablett aufbauen. Für den ersten Termin des Tages die sterilisierten Instrumente aus der Sterilgut-Schublade, nur in der Menge, die gebraucht wird.Tablett mit frischer Einmal-Unterlage, dann Werkzeug — nicht direkt auf Tablett.
  5. Empfangsbereich check. Wasserkaraffe frisch gefüllt, Glashalter sauber, Zeitschriften-Stapel geordnet, Tisch abgewischt, eine Blume/Kerze aktiv (kein Staub).
  6. Hände waschen & desinfizieren. 30 Sekunden mit VAH-Mittel. Arbeitskleidung anziehen, Haare zusammenbinden, Schmuck an Händen/Unterarmen ab.
  7. Kassen-System hochfahren. Technische Sicherheitseinrichtung (TSE)-Kasse, Booking-Software, Kartenterminal. Testbuchung machen (1 Cent als Probe, storniert).Technik-Check vor der Kundin, nie während der Kundin.
  8. Termin-Liste durchsehen. Drei Minuten: Wer kommt heute? Welche Behandlung? Gibt es Besonderheiten in der Kundinnen-Notiz?Das ist der wichtigste Schritt — ohne ihn fehlt mentale Vorbereitung.
Qualitäts-Check: Der Raum ist morgen-fertig wenn …
  • Eine Kundin beim Eintreten denken könnte: „Hier ist heute schon länger offen."
  • Kein sichtbarer Staub auf Arbeitsflächen, keine Wasserflecken am Spiegel.
  • Duft ist dezent und warm, nie leer/muffig.
  • Musik ist an, Temperatur ist richtig, Behandlungsliege sieht „berührungsfrei perfekt" aus.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Die Morgen-Öffnung ist kein Putzen — das haben wir gestern Abend gemacht. Die Morgen-Öffnung ist Bühne aufbauen. Jedes Detail, das du jetzt machst, bekommt die erste Kundin zu sehen. Wenn du merkst, du bist zu langsam: nimm dir lieber morgen 25 Minuten statt heute die Liege mit Falten zu machen. Die Liege darf nie Falten haben."

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SOP 02 · Raum

Turnaround zwischen Kundinnen

Wann: Zwischen jeder Kundin Dauer: 15 Minuten Termin-Puffer: min. 20 Min. blocken
Jede neue Kundin muss den Raum so erleben, als wäre sie die Erste des Tages. Der Turnaround darf nicht nach Reinigung aussehen — nur das Ergebnis zählt.
  1. Einmal-Vlies der Liege komplett abziehen. In geschlossenen Wäschesack (nie offen liegen lassen). Auch bei „sah noch gut aus" — immer neu.Niemals Vlies recyclen. Nie.
  2. Benutztes Werkzeug in Ultraschallbad. Sofort — nicht auf dem Tablett liegen lassen. Einmal-Nadeln in die stichsichere Kanülenbox.
  3. Flächendesinfektion. Liege (Bezug, Kopfstütze, Seitenlehnen), Rolltisch, Lampenarm und Lampenschirm-Unterseite, Ablageflächen, Türklinke. VAH-Mittel, 1–5 Min. Einwirkzeit.Lampenschirm ist der häufigste Vergessen-Punkt.
  4. Verbrauchsmaterial auffüllen. Einmalhandschuhe, Watte, Wattestäbchen, Tücher — prüfen, nachlegen. Nur so viel, wie die nächste Behandlung braucht, plus 20 % Reserve.
  5. Neues Einmal-Vlies aufziehen. Sehr glatt, keine Falten. Kopfkissen-Einmaltuch neu. Decke am Fußende neu gefaltet.
  6. Eigene Händehygiene. 30 Sekunden VAH-Desinfektion. Neue Handschuhe-Box bereithalten.
  7. Quick-Check Empfangsbereich. Wurden Gläser benutzt? Abräumen. Zeitschrift verrutscht? Ordnen. Mülleimer volle? Leeren. Das dauert 60 Sekunden.
Qualitäts-Check: Fertig für die nächste Kundin wenn …
  • Liegenbezug glatt wie unbenutzt (Foto-geeignet).
  • Kein Fremd-Geruch (kein Desinfektionsmittel-Duft mehr in der Luft — deshalb Fenster 2 Min. kippen).
  • Werkzeug-Tablett für die nächste spezifische Behandlung schon vorbereitet.
  • Deine Hände sind frisch desinfiziert, dein Haar ordentlich, die Bluse sauber.
Häufige Fehler
  • Zu wenig Puffer im Kalender. 20 Minuten blocken, 15 Min. Turnaround machen, 5 Min. für Atmen und Notieren.
  • Werkzeug „später" reinigen. Nein — sofort ins Ultraschallbad. Später = nie.
  • Einmal-Vlies recyceln weil „nur kurz drauf". Das zerstört das Vertrauensversprechen. Kompromisslos.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Der Turnaround ist der Moment, in dem die meisten Salons schludern. Wir nicht. Jede Kundin bekommt denselben perfekten Raum — egal ob sie die erste oder die sechste Kundin des Tages ist. Wenn du zwischendurch denkst ‚wurde der Spiegel heute schon poliert?' — dann polierst du ihn jetzt. Zweifel = neu machen."

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SOP 03 · Raum

WC-Reinigung

Wann: Schnell-Check 3×/Tag, Voll-Reinigung 1×/Tag abends Dauer: 3 Min. / 20 Min. Werkzeug: Sanitärreiniger, Desinfektion, Einmalhandschuhe
Eine einzige Kundinnen-WC-Benutzung mit schmutzigem Eindruck — und das gesamte Premium-Versprechen ist weg. Das WC ist der einzige Raum, den die Kundin ungestört allein erlebt. Er muss makellos sein.
  1. Toilettensitz & -rand abwischen. Desinfektionstuch oder Papier + Desinfektionsmittel. Innen und außen.
  2. Waschbecken-Rand abwischen. Zahnpasta-Spritzer, Seifenreste, Wasser-Tropfen. 20 Sekunden.
  3. Spiegel polieren. Glasreiniger, Einweg-Tuch. Kein Schliere hinterlassen.
  4. Seifenspender & Desinfektionsspender prüfen. Voll? Wenn unter 1/4: sofort nachfüllen.
  5. Handtücher / Papiertücher prüfen. Immer mindestens 2 Exemplare sichtbar.
  6. Mülleimer prüfen. Halbvoll? Leeren. Neuer Beutel.
  7. Türklinke desinfizieren (beide Seiten). 5 Sekunden — aber wichtig.
  1. Einmalhandschuhe an. Immer. Das ist kein Luxus, das ist Hygiene.
  2. Toilettenschüssel innen. WC-Reiniger unterm Rand, 5 Min. einwirken. Mit WC-Bürste ausbürsten. Spülen.
  3. Toilettenschüssel außen komplett. Sanitärreiniger, Lappen, Boden bis zum Rand am Fuß der Schüssel inkl. Rohrleitungen. Schrauben-Köpfe nicht vergessen.
  4. WC-Brille komplett (Scharniere, Unterseite): erst Reiniger, dann Desinfektion.
  5. Waschbecken Voll-Reinigung. Sanitärreiniger, Bürste für Ausguss, Rand, Armatur. Kalk-Reste an der Armatur entfernen.
  6. Spiegel Voll-Reinigung mit Glasreiniger, Tuch und neu polieren.
  7. Fliesen-Boden wischen mit Desinfektionsreiniger. Ecken und Ritze nicht vergessen.
  8. Abfall-Komplett-Leerung inklusive neuer Beutel.
  9. Nachfüllen: Toilettenpapier (2 Rollen sichtbar + 1 Reserve), Seifenspender voll, Desinfektion voll, Handtücher/Papier voll.
  10. Duft-Auffrischer / Raumduft kontrollieren. Dezent, niemals künstlich-schwer.
  11. Handschuhe aus, Hände waschen, 30 Sek. desinfizieren.
  12. Protokoll abhaken (Datum + Kürzel).
Qualitäts-Check: Das WC ist fertig wenn …
  • Du selbst deine Kundin dort hineinschicken würdest, ohne vorab zu überprüfen.
  • Kein Geruch außer dezentem Raumduft.
  • Spiegel ohne Schliere, Waschbecken glänzt, Armatur kalkfrei.
  • Toilette innen und außen sichtbar sauber (auch in den Ritzen am Fuß).
  • Alle Verbrauchsmaterialien sichtbar voll.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Das WC ist hier kein Nebenthema. Kundinnen sehen den Behandlungsraum nur von der Liege aus — aber das WC untersuchen sie aus Nähe, allein, mit Zeit. Wenn dort irgendwas nicht stimmt, reden sie mit ihrer Freundin darüber. Regel: Du würdest dort selber gern pinkeln. Wenn nicht — nochmal putzen."

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SOP 04 · Raum

Abend-Schließung

Wann: Täglich nach letzter Kundin Dauer: 45 Minuten Ordnung: strikt nach Liste
Die Abend-Schließung macht am nächsten Morgen den Unterschied. Wer gut schließt, hat morgens entspannte 20 Minuten. Wer schlampt, hat chaotische 40 Minuten mit Stress. Außerdem: Alle rechtlichen Dokumentationspflichten werden heute Abend erfüllt — nicht morgen.
  1. Werkzeug-Komplett-Reinigung. Alle Instrumente aus dem Ultraschallbad, Wasser abschütten, Desinfektion, heißluftsterilisieren oder autoklavieren. Chargen-Protokoll Autoklav eintragen.
  2. Voll-Reinigung Behandlungsraum. Alle Flächen (nicht nur Arbeitsflächen) — Schrank-Oberflächen, Fensterbank, Lampen. Wischdesinfektion.
  3. Boden Behandlungsraum. Zuerst saugen, dann nass wischen mit Desinfektionsreiniger. In Ecken einmal pro Woche mit Bürste.
  4. Empfangsbereich: Tisch abwischen, Sofa/Sessel-Polster absaugen, Gläser und Karaffen einspülen, Fensterbank.
  5. WC Voll-Reinigung (siehe SOP 03).
  6. Wäsche-Sammelung. Alle benutzten Tücher, Einmalmaterial-Wegwerfen, Wäschesack verknoten wenn voll (siehe SOP 05).
  7. Müll leeren, neue Beutel. Sonderabfall-Kanülenbox prüfen (nie über 3/4 voll).
  8. Tagesabschluss Finanzen. Z-Bon drucken und archivieren, Kassenbericht, Kartenzahlungen abgleichen (siehe SOP 10).
  9. Kundinnen-Dokumentation. Jede heutige Kundin kurz in der Akte notiert: Was gemacht, Auffälligkeiten, Folgetermin-Hinweis? Jetzt, nicht morgen.
  10. Morgen vorbereiten. Termin-Liste ausdrucken oder auf dem Desktop. Für jede Kundin: welche Besonderheiten? Welche Produkte muss ich bereitstellen?
  11. Reinigungs-Protokoll: Abhaken, Datum, Unterschrift.
  12. Technik-Runterfahren. TSE-Kasse, Booking-Software, Kartenterminal, Musik-System.
  13. Licht aus, Alarm an, Tür abschließen. Schlüssel-Check.
Qualitäts-Check: Gut geschlossen wenn …
  • Am nächsten Morgen nichts mehr gemacht werden muss außer der Morgen-Öffnung (SOP 01).
  • Alle Dokumentationen von heute sind eingetragen, nicht „morgen".
  • Kanülenbox, Wäschesack, Müll-Eimer nicht voll.
  • Keine „ich mach's morgen"-Offene-Enden.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Abend-Schließung ist Disziplin. Am Anfang fühlt sich die Reihenfolge starr an — aber sie ist das, was den Unterschied macht zwischen einem Salon, der funktioniert, und einem, bei dem am Ende der Woche fünf Dokumentations-Lücken klaffen. Nach drei Wochen geht das in Fleisch und Blut über. Die Regel lautet: Du bist erst fertig, wenn die Liste abgehakt ist. Nicht wenn du müde bist."

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SOP 05 · Raum

Wäsche-Workflow

Wann: Sammeln täglich, waschen 2×/Woche Dauer: 60 Min. pro Zyklus Trennung: 3 Kategorien zwingend
Die Wäsche ist der unsichtbare Teil der Hygiene — und der, bei dem viele Salons tricksen. Sauber gewaschene, gut sortierte Wäsche bedeutet: keine Keimverschleppung, Handtücher riechen neutral, Liegenbezüge wirken premium.
  1. Kategorie 1 — Arbeitskleidung Inhaberin/Mitarbeiterin. Eigener Wäschesack. 60 °C Kochwäsche mit Vollwaschmittel.
  2. Kategorie 2 — Liegentücher, Handtücher, Kopfkissenbezüge (Mehrweg). Eigener Wäschesack. 60 °C Kochwäsche mit Vollwaschmittel. Hygienewaschgang wenn Maschine es anbietet.
  3. Kategorie 3 — Stirn-/Haarbänder, Fleece-Decken. Eigener Wäschesack. 60 °C wenn Material erlaubt; sonst 40 °C mit Hygienespüler (z. B. Sagrotan).
  1. Nach jeder Kundin: benutzte Tücher/Bezüge sofort in den entsprechenden Wäschesack.
  2. Nie offen liegen lassen. Keine Wäsche auf dem Boden. Kein „ich leg's auf den Stuhl".
  3. Wäschesack zu, wenn 3/4 voll. Knoten zu, beschriftet (Kategorie + Datum), ab ins Lager.
  1. Alle vollen Säcke in die Waschmaschine, kategorieweise. Nie mehrere Kategorien in einem Waschgang.
  2. Vollwaschmittel-Dosierung für 60 °C laut Hersteller. Weichspüler: NEIN, schwächt Saugfähigkeit und hinterlässt Duftrest.
  3. Nach dem Waschen: Trocknen im Trockner (Desinfektion durch Hitze) oder auf Wäscheständer im belüfteten Raum.Nie nass länger als 2 Stunden — sonst entsteht Muffgeruch.
  4. Zusammenfalten & Lagern. Jede Kategorie getrennt in geschlossenen Schränken. Nicht auf offenen Regalen.
  5. Bestand prüfen: Haben wir noch genug saubere Liegentücher für die nächsten 4 Tage? Wenn nicht, sofort nachkaufen.
Qualitäts-Check: Wäsche ist korrekt verarbeitet wenn …
  • Fertige Wäsche riecht neutral (nicht nach Waschmittel, nicht muffig).
  • Keine Flecken mehr sichtbar (gelbe Fettflecken werden nicht mehr ausgewaschen — solche Tücher ersetzen).
  • Lager-Schränke sind sauber, Kategorien sichtbar getrennt.
  • Vorrat mindestens 5 Arbeitstage.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Wäsche ist unsichtbar — aber wenn es schief geht, merkt's die Kundin sofort. Ein Tuch mit muffigem Geruch, ein Liegenbezug mit gelblichem Fleck — und der Premium-Eindruck ist verloren. Wir sind hier nicht in einem Fitness-Studio. Regel: Wenn du Zweifel hast, ob das Tuch gut ist — ist es das nicht. Neu aus dem Schrank."

Vier SOPs zur Interaktion mit Kundinnen

Von der ersten Sekunde am Telefon bis zum Abschied. Konsistenz in der Interaktion ist das, was aus einmaligen Kundinnen Stammkundinnen macht — und aus Stammkundinnen Botschafterinnen. Die Scripts hier sind keine Vorschriften — sie sind Orientierungen.

SOP 06 · Kundinnen

Kundin-Ankunft

Wann: Ab Moment Tür geht auf Dauer: 90 Sekunden Intensität: hoch — entscheidet Gesamteindruck
Die ersten 90 Sekunden entscheiden über 80 % des Gesamteindrucks. Die Kundin scannt unbewusst: Wurde ich erkannt? Bin ich willkommen? Ist dies ein Ort, dem ich vertrauen kann? Wir beantworten alle drei Fragen mit einem deutlichen Ja — innerhalb von anderthalb Minuten.
  1. Sekunde 0–5. Tür öffnet sich, du stehst auf (nie sitzenbleiben!), Blickkontakt, Lächeln, Begrüßung beim Namen.Name hört man aus der Termin-Liste vorher. Ohne Name: „Schön, Sie zu sehen, herzlich willkommen" — aber nie „Hallo, wie kann ich helfen?"
  2. Sekunde 5–20. Hand reichen (wenn es die Kundin nicht verweigert), Mantel/Jacke entgegennehmen, an den Garderobe-Haken hängen, persönliche Frage stellen (nicht „wie geht's").
  3. Sekunde 20–60. Zum Platz führen, Getränk mit Auswahl anbieten: „Möchten Sie lieber Kaffee, Türkischen Tee oder stilles Wasser?" Stilles Wasser ist der Standard bei Premium.
  4. Sekunde 60–90. Kurze Einstiegsfrage vor dem Beginn: „Bevor wir anfangen — wie fühlen Sie sich heute? Gibt es etwas, worauf ich heute besonders achten soll?"
Neukundin (nie hier gewesen) „Frau [Nachname] — schön, dass Sie da sind. Ich bin [Dein Name], ich freue mich sehr, Sie heute begrüßen zu dürfen. Kommen Sie bitte, ich zeige Ihnen kurz, wie's hier aussieht — und dann setzen wir uns erstmal hin."
Stammkundin „Frau [Nachname], hallo! Schön, dass Sie da sind. Wie geht's [konkrete Sache aus letztem Termin aufgreifen — Sohn-Prüfung, Urlaub, Gesundheit]?"
Kundin kommt verspätet „Frau [Nachname], kein Problem, Sie sind jetzt da. Lassen Sie uns gleich anfangen — möchten Sie vorher schnell aufs WC?" (kein Vorwurf, keine Bemerkung. Das Zeitmanagement ist dein Problem, nicht ihres.)
Kundin wirkt gestresst / nervös „Frau [Nachname], schön, dass Sie da sind. Sie sind jetzt hier — die nächste Stunde ist für Sie. Kommen Sie, wir gehen gleich rein, Sie können erstmal ankommen." (keinen Grund erfragen, keine Erklärung provozieren — einfach Raum geben.)
Qualitäts-Check: Ankunft gelungen wenn …
  • Die Kundin innerhalb von 5 Sekunden persönlich angesprochen wurde — mit Namen.
  • Du aufgestanden bist (nicht sitzend begrüßt).
  • Ein Getränk angeboten wurde mit konkreter Auswahl.
  • Die Kundin sich spürbar entspannt hat, bevor die Behandlung startet.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Die 90 Sekunden sind wie ein Tanz. Du kannst das nicht improvisieren — du übst das. Lerne die Schritte, dann mach' sie so oft, dass du nicht mehr nachdenken musst. Und eine Regel: Nie sitzenbleiben, wenn jemand reinkommt. Aufstehen ist Respekt. Das spürt jede Kundin in der ersten Sekunde."

SOP 07 · Kundinnen

Telefon-Erstanruf

Wann: Sofort beim Klingeln (spätestens 3. Ton) Dauer: 3–5 Minuten Ziel: Terminbuchung + Vertrauen
Am Telefon bildet sich innerhalb von zehn Sekunden ein Eindruck. Eine ruhige, warme Begrüßung signalisiert sofort Premium — eine hektische, lieblose Antwort kostet dich die Buchung. Die meisten Kosmetikerinnen schludern hier, weil Anrufe stören. Du nicht.
  1. Entspannen vor dem Abnehmen. Ein Atemzug, Haltung aufrecht, lächeln (auch wenn sie's nicht sieht — man hört's).
  2. Begrüßung mit Salon-Name + deinem Namen: „[Dein Salon], [Dein Name] am Apparat — wie kann ich Ihnen helfen?"
  3. Aktiv zuhören: Was ist der Anlass des Anrufs? Termin? Frage? Beschwerde? Nicht unterbrechen.
  4. Rückfrage stellen: „Darf ich Ihren Namen notieren, dann schau ich direkt in den Kalender?"
  5. Termin anbieten mit Alternative: „Ich habe am Donnerstag um 15 Uhr oder am Freitag um 11 Uhr etwas frei — was passt Ihnen besser?"
Terminbuchung Neukundin „Schön, dass Sie anrufen! Damit ich den richtigen Termin für Sie finde — haben Sie schon eine bestimmte Behandlung im Kopf? ... Okay, [Behandlung] dauert [Zeit], ich brauche also [Zeitblock]. Ich habe am [Tag] um [Uhrzeit] oder [Tag 2] um [Uhrzeit] etwas frei — was passt Ihnen besser? ... Wunderbar. Dann notiere ich mir: [Name], [Behandlung], [Datum + Uhrzeit]. Ich schicke Ihnen gleich eine Bestätigung per [SMS/Email]. Was ist Ihre [Telefonnummer/Email]? ... Danke, und falls Sie vorher noch Fragen haben — Sie erreichen mich am besten per Nachricht, meistens antworte ich innerhalb einer Stunde. Bis [Datum]!"
Preis-Frage „Gerne gebe ich Ihnen den Preis — [Behandlung] kostet bei uns [XX €]. Er beinhaltet [was alles drin ist: Beratung, Nachsorge, etc.]. Soll ich direkt schauen, wann ein Termin frei wäre?"
Absage eines Termins „Alles klar, Frau [Nachname], das passiert. Darf ich Ihnen direkt einen neuen Termin vorschlagen? Ich hätte am [Tag] um [Uhrzeit] oder [Tag 2] um [Uhrzeit] etwas frei." (nicht nach Gründen fragen — nicht nachhaken, das ist nicht unser Thema.)
Beschwerde oder Unzufriedenheit „Frau [Nachname], das tut mir leid zu hören. Ich verstehe, dass Sie enttäuscht sind. Lassen Sie uns das persönlich klären — kommen Sie bitte einfach zu mir vorbei, ich finde dafür Zeit. Würde Ihnen [Tag] um [Uhrzeit] passen? Dann schauen wir gemeinsam, wie wir das gut lösen." (nie rechtfertigen am Telefon. Nie. Immer persönliches Gespräch anbieten.)
Qualitäts-Check: Gutes Telefonat wenn …
  • Die Anruferin fühlte sich vom ersten Satz an warm empfangen.
  • Sie hat einen konkreten Termin (oder weiß, wann sie einen bekommt).
  • Sie kennt den Preis — kein „weiß nicht" in Preisfragen.
  • Sie hat eine Bestätigung per SMS/Email innerhalb von 10 Minuten.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Am Telefon bist du die erste Stimme des Ateliers. Nicht die Kosmetikerin — die Stimme. Wenn du hektisch klingst, wirkt das Atelier hektisch. Wenn du Ruhe ausstrahlst, wirkt alles ruhig und professionell. Einen Satz vor dem Abnehmen im Kopf: „Ich habe Zeit, ich freu mich auf diesen Anruf." Auch wenn es nicht stimmt."

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SOP 08 · Kundinnen

Instagram-DM & WhatsApp

Wann: 2× tgl. (10 Uhr + 17 Uhr), nicht dazwischen Dauer: 15 Min. pro Block Antwortzeit Kundin: innerhalb 4 Arbeitsstunden
Instagram-DMs und WhatsApp-Nachrichten sind heute der erste Kontaktpunkt für viele Neukundinnen. Wer dort schludert oder zu spät antwortet, verliert Buchungen. Wer zu oft antwortet, verliert Fokus auf die Behandlung. Zwei feste Blöcke am Tag lösen beides.
  1. 10:00–10:15 Nach der Morgen-Öffnung, vor der ersten Kundin. Alle eingegangenen DMs/WhatsApps der letzten 16 Stunden beantworten.
  2. 17:00–17:15 Vor der letzten Kundin oder am Ende des Behandlungstags. Was seit Mittag reinkam.
  1. Immer innerhalb von einer Minute eröffnen: Name der Person verwenden, warme Begrüßung.
  2. Nie eine Frage offen lassen. Lieber zwei Fragen zurück beantworten, als die Kundin eine dritte Nachricht schreiben lassen.
  3. Preise nennen, wenn gefragt. Nie Preisverschleierung („rufen Sie bitte an") — das killt Premium-Wirkung sofort.
  4. Klare Handlung vorschlagen: „Soll ich Ihnen einen Termin am [Datum] vormerken?" — nicht „Gerne beraten wir Sie" (inaktiv).
  5. Zeichensetzung & Tonlage: freundlich, warm, ein Emoji maximal pro Nachricht (🤍 oder 🌿 oder ✨, nie mehr). Niemals mehrere Ausrufezeichen.
Erste DM-Anfrage Neukundin „Hi [Name], schön, dass du dich meldest 🤍 Die [Behandlung] ist eine unserer Lieblings-Behandlungen — sie kostet [XX €] und dauert [Zeit]. Möchtest du gleich einen Termin? Ich hätte [Tag] oder [Tag 2] frei, was passt dir besser?"
Preis-Anfrage allgemein „Hi [Name], gerne! [Behandlung 1] kostet [XX €], [Behandlung 2] kostet [YY €]. Wenn du möchtest, schaue ich dir einen passenden Termin raus — worauf hättest du Lust?"
Umbuchung/Absage „Hi [Name], alles klar — kein Problem. Möchtest du direkt einen neuen Termin? Ich hätte [Tag] um [Uhr] oder [Tag 2] um [Uhr]."
Abends spät / am Wochenende (Vorlage Abwesenheit) „Hi [Name], ich habe deine Nachricht gesehen 🤍 Ich antworte morgen früh (zwischen 9 und 10) persönlich. Bis gleich!"
Häufige Fehler
  • Den ganzen Tag nebenbei reagieren → zerreißt Fokus während der Behandlung. Zwei feste Blöcke, nicht mehr.
  • Preise verschleiern („das besprechen wir im Salon") → Wirkung: unseriös, günstig.
  • Sprachnachrichten schicken → nervt Kundinnen, die im Bus sitzen oder arbeiten. Nur Text.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„DMs sind tückisch — sie fühlen sich ‚schnell' an, aber sie bilden die Marke genauso stark wie jede andere Interaktion. Denk daran: Was du als DM schreibst, steht auf dem Screenshot der Freundin. Die Kundin wird es teilen. Jede DM muss so klingen, als würdest du sie persönlich sprechen — ruhig, warm, klar."

SOP 09 · Kundinnen

Verabschiedung & Folgetermin

Wann: Letzte 5 Min. jedes Termins Dauer: 5 Minuten Bedeutung: Peak-End-Rule — wichtigste Phase
Verhaltensökonomie-Regel (Daniel Kahneman): Menschen erinnern sich disproportional stark an den Abschluss eines Erlebnisses. Eine verpatzte Verabschiedung kann einen sonst perfekten Termin nachträglich abwerten. Eine warme, klare Verabschiedung macht einen mittelmäßigen Termin zu einer Empfehlung.
  1. Minute 1 — Ergebnis präsentieren: Spiegel reichen, das Ergebnis zeigen, der Kundin Zeit zum Anschauen geben.Nicht sofort kommentieren. Warten, bis sie reagiert.
  2. Minute 2 — Nachsorge-Info: Was darf sie in den nächsten 24/48/72 Stunden? Was nicht? Schriftliches Nachsorge-Blatt mitgeben (Vorlage vorhanden).
  3. Minute 3 — Produkt-Empfehlung (dezent): 1–2 Produkte, die zur Behandlung passen. „Ich würde Ihnen [Produkt X] empfehlen — es verstärkt das Ergebnis und hält 3 Monate. Soll ich es gleich einpacken?"
  4. Minute 4 — Folgetermin buchen (die „Alternativfrage"): „Der nächste Termin wäre in [6 Wochen]. Möchten Sie [Donnerstag, 14 Uhr] oder [Freitag, 16 Uhr]?" Nicht „Möchten Sie einen Folgetermin?" — das öffnet Nein-Optionen.
  5. Minute 5 — Warme Verabschiedung: Zur Tür begleiten, Jacke helfen anziehen, persönliche Verabschiedung mit Namen.
Standard (zufriedene Kundin) „Frau [Name], das hat heute wirklich Freude gemacht. Ich freue mich schon auf unseren nächsten Termin am [Datum]. Passen Sie gut auf sich auf — und denken Sie dran: [konkrete Nachsorge-Empfehlung, 1 Satz]. Einen schönen Tag noch!"
Neukundin (erste Behandlung) „Frau [Name], vielen Dank, dass Sie heute da waren. Ich hoffe, Sie haben sich wohl gefühlt — und ich würde mich freuen, Sie wiederzusehen. Wenn Sie in den nächsten Tagen noch Fragen haben, schreiben Sie mir gerne, ich bin für Sie da. Alles Gute!"
Kundin hat sich gegen Folgetermin entschieden „Kein Problem, Frau [Name] — ich schicke Ihnen in [4 Wochen] eine kurze Erinnerung per WhatsApp, dann können Sie entscheiden, wie Sie sich fühlen. Bis dahin: passen Sie gut auf sich auf."
Qualitäts-Check: Verabschiedung gelungen wenn …
  • Die Kundin die Nachsorge-Info schriftlich mitgenommen hat.
  • Ein Folgetermin gebucht ist (oder zumindest konkret eine Reminder-Verabredung).
  • Die Kundin das Atelier mit einem Lächeln verlässt.
  • Du sie persönlich zur Tür begleitet hast — nicht vom Schreibtisch aus verabschiedet.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Die Verabschiedung ist die wichtigste Phase. Viele denken: ‚Behandlung fertig, Geld kassiert, nächste rein.' Das ist der falsche Reflex. Die letzten fünf Minuten entscheiden, ob die Kundin in zwei Monaten wiederkommt — oder in Vergessenheit gerät. Eine Regel: Nie die Kundin hinausgehen lassen, ohne zu wissen, wann du sie wiedersiehst."

Fünf SOPs zu Finanzen & Büro

Die unliebsamen, aber unvermeidbaren Routinen. Wer hier schludert, zahlt später doppelt — mit Steuernachzahlungen, Bußgeldern, Wochenenden in der Buchhaltung. Die gute Nachricht: diese Routinen sind automatisierbarer als jede andere.

SOP 10 · Finanzen

Tagesabschluss & Z-Bon

Wann: Täglich, nach letzter Kundin Dauer: 10 Minuten Pflicht: ja (KassenSichV)
Der Z-Bon ist der tägliche Kassen-Abschluss — vom Finanzamt vorgeschrieben. Wer den nicht druckt, hat bei einer Kassen-Nachschau ein Problem. Zusätzlich: ein Tag ohne Abgleich zwischen Kasse, Karte und Software wird später nie mehr sauber zu rekonstruieren.
  1. Letzte Buchung in der TSE-Kasse abschließen. Alle Tagestermine eingebucht, alle Zahlungen verarbeitet?
  2. Z-Bon drucken (in jeder TSE-Kasse ein eigener Menüpunkt, meist „Tagesabschluss" oder „Z-Abschlag").Z-Bon ist ausdrücklich ein Ausdruck, keine Digitalkopie. Aufbewahren 10 Jahre.
  3. Z-Bon in den Ordner „Kassenbelege [Jahr]", chronologisch hinten anheften.
  4. Kartenzahlungen abgleichen. Tagesabschluss am Kartenterminal erstellen. Summe muss mit der Summe der Karten-Transaktionen im TSE-Kassenbericht übereinstimmen.Bei Abweichung sofort notieren — nicht später — und nachgehen.
  5. Barbestand zählen. Tatsächlicher Kassenbestand = Anfangsbestand + Bar-Einnahmen – Bar-Ausgaben. Abweichung? Sofort dokumentieren.
  6. Abweichungs-Notiz (falls nötig): Datum, Abweichungsbetrag, vermutete Ursache, Unterschrift. Auch bei Cents.
  7. Kartenzahlungen-Beleg an den Z-Bon heften.
  8. Trinkgelder dokumentieren (separate Liste): Datum, Betrag, von wem. Auch wenn nicht steuerpflichtig — Dokumentation spart Ärger bei Prüfung.
Qualitäts-Check: Tagesabschluss korrekt wenn …
  • Z-Bon ist gedruckt und eingeheftet.
  • Karten-Summe = TSE-Kasse-Karten-Summe (bis auf Cent).
  • Bar-Bestand stimmt überein (bei Abweichung: notiert).
  • Kein „mach ich morgen" — alles heute.
Häufige Fehler
  • Z-Bon vergessen → Kasse-Nachschau-Strafe. Bis zu 25.000 € Bußgeld laut KassenSichV.
  • Karten-Abgleich erst am Monatsende → Abweichungen nicht mehr rekonstruierbar.
  • Abweichung „ignoriert" → bei Prüfung fehlt Nachweis.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Der Z-Bon ist nicht optional. Er ist das kleine tägliche Ritual, das dich bei jeder Prüfung schützt. Drucke ihn, auch wenn nur eine einzige Kundin heute da war. Ohne Z-Bon gibt es für das Finanzamt keinen Abschluss — und wo kein Abschluss ist, vermutet es das Schlimmste."

SOP 11 · Finanzen

Monatsabschluss Runbook

Wann: 1.–3. des Folgemonats Dauer: 90 Minuten Rhythmus: 12×/Jahr
Der Monatsabschluss ist der Moment, in dem deine Buchhaltung „abgerundet" wird. Alle Belege gescannt, alle Zahlungen zugeordnet, alle Lücken geschlossen. Wer den Monat schließt, muss nie wieder drei Wochen rückwirkend rekonstruieren. Wer ihn nicht schließt, zahlt drei Jahre später das Doppelte an die Steuerberaterin.
  1. Alle Eingangsrechnungen des Monats scannen und hochladen (z. B. lexoffice, sevDesk, DATEV Unternehmen Online). Papier-Original ins Monats-Fach „[Monat] [Jahr] — Eingangsrechnungen".Auch Quittungen für 2 € Büro-Stifte. Lückenlos.
  2. Alle Ausgangsrechnungen prüfen. Jede Behandlung des Monats hat eine Rechnung? (In der Booking-Software auf „Rechnung ausgestellt" checken.)
  3. Bank-Kontoauszüge abrufen (Monats-PDF beim Online-Banking). Im Buchhaltungs-Tool hochladen.
  4. Zahlungszuordnung. Jede Rechnung bekommt ihre Bank-/Kassen-Zahlung zugeordnet. Offene Posten (unbezahlt) separat auf eine Liste.
  5. Kassenbericht für den Monat erstellen. Aus den 20–30 Z-Bons des Monats entsteht ein Monats-Kassenbericht. Die meisten Tools generieren das automatisch.
  6. Monats-Steuerberichte erstellen: Einnahmen gesamt, Ausgaben nach Kategorie, vorläufiger Gewinn. Abweichung zum geplanten Monatsumsatz? Notiz im Finanz-Dashboard.
  7. USt-Voranmeldung vorbereiten (falls Regelbesteuerung; bei Kleinunternehmerin entfällt). Siehe SOP 12.
  1. Alle Belege hochgeladen (nichts im „Scan-Stapel" übrig).
  2. Alle Rechnungen haben einen Zahlungsstatus.
  3. Offene Posten auf einer Liste (für Zahlungserinnerungen).
  4. Monats-Summen stimmen mit Bank + Kasse überein.
  5. Vorläufige Steuer-Rücklage überwiesen (z. B. 25 % des Monats-Gewinns aufs Rücklagen-Tagesgeld).
Tool-Empfehlung

Für Solo-Gründerinnen: lexoffice S (19 €/Monat) oder sevDesk S (18 €/Monat) decken beide die Monatsabschluss-Routine komplett ab. Mit Banking-Anbindung (automatischer Import) und DATEV-Export für die Steuerberaterin. Die 20 € sind gut investiert — zwei Stunden Zeit pro Monat gespart.

Trainings-Text für neue Mitarbeiterin (oder für dich selbst)

„Der Monatsabschluss fühlt sich wie Hausaufgaben an — langweilig, aber nicht schwer. Mach ihn am ersten Montag im Monat. Nicht irgendwann. Immer Montagmorgen. Kaffee dazu, Musik an, 90 Minuten. Wer das zwei Monate hintereinander schafft, macht es sein ganzes Leben."

Druckbares Monatsabschluss-Runbook
SOP 12 · Finanzen

USt-Voranmeldung

Wann: Bis zum 10. des Folgemonats (monatlich) bzw. 10. des Folgequartals Dauer: 45 Min. Pflicht: wenn Regelbesteuerung
Als Regelbesteuerte musst du monatlich/quartalsweise dem Finanzamt melden, wie viel Umsatzsteuer du eingenommen und wie viel Vorsteuer du gezahlt hast. Die Differenz wird überwiesen (oder erstattet). Keine Abgabe = automatische Schätzung durch das Finanzamt, meistens zu deinen Ungunsten. Als Kleinunternehmerin (§ 19 Umsatzsteuergesetz (UStG), bis 22.000 € Vorjahres-Umsatz) entfällt diese SOP komplett.
  1. ELSTER-Online aufrufen (elster.de), mit deinem Zertifikat anmelden.
  2. Formular „Umsatzsteuer-Voranmeldung" auswählen, aktuelles Jahr, entsprechender Zeitraum (Monat oder Quartal).
  3. Umsätze eintragen: Zeile 81 (19 %-Umsätze, netto) — das sind deine gesamten Brutto-Einnahmen ÷ 1,19. Dein Buchhaltungstool (lexoffice, sevDesk) zeigt die Summe automatisch.
  4. Vorsteuer eintragen: Zeile 66 — das ist die Umsatzsteuer, die du auf Eingangsrechnungen gezahlt hast (Miete, Produkte, Strom, etc.). Auch das liefert dein Tool.
  5. Differenz prüfen (Umsatzsteuer minus Vorsteuer). Das ist deine Zahllast an das Finanzamt.
  6. Plausibilitätscheck: Stimmt die Summe mit dem Monatsabschluss in deinem Tool überein? Abweichung? Ursache finden.
  7. Absenden per ELSTER (mit Zertifikat signiert). Quittung ausdrucken + digital ablegen.
  8. Überweisung an Finanzamt innerhalb 10 Tage. Verwendungszweck: „USt-VZ [Monat/Quartal] [Jahr], Steuernummer [XX/XXX/XXXXX]".Lastschrift-Mandat ans Finanzamt spart diesen Schritt — empfohlen.
Wenn du lexoffice / sevDesk nutzt

Die Tools bieten eine ELSTER-Direkt-Schnittstelle: ein Klick, Meldung wird signiert und an das Finanzamt übertragen. Du sparst Schritt 1–7 und machst nur noch den Plausibilitätscheck und die Überweisung. Zeitaufwand: 15 Minuten.

Häufige Fehler
  • Frist 10. verpasst: Verspätungszuschlag (mind. 25 €, max. 10 % der Zahllast).
  • Überweisung vergessen: Säumniszuschläge 1 % pro Monat auf die Zahllast.
  • Zahlen nicht plausibel (z. B. zu wenig Umsatz gemeldet): löst Nachfrage oder Prüfung aus.
SOP 13 · Finanzen

Jahres-abschluss

Wann: Januar–April des Folgejahres Dauer: 3 Stunden deine Arbeit + Steuerberaterin Pflicht: ja (Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
Der Jahresabschluss ist der Moment, in dem alle zwölf Monate zu einem Dokument werden — deiner Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Ohne EÜR keine Einkommensteuer-Erklärung, ohne Einkommensteuer-Erklärung droht Zwangsschätzung. Die gute Nachricht: wenn du Monatsabschlüsse sauber gemacht hast (SOP 11), ist der Jahresabschluss ein entspannter halber Tag.
  1. Januar Woche 1: Dezember-Monatsabschluss abschließen wie gewohnt (SOP 11).
  2. Januar Woche 2: Alle zwölf Monats-Pakete in deinem Tool nochmal prüfen. Fehlt eine einzige Rechnung? Jetzt nachliefern.
  3. Januar Woche 3: Jahres-Export erstellen (alle Buchungen, alle Kategorien, alle Belege). Im Tool gibt es einen „Jahresabschluss-Export"-Button.
  4. Januar Woche 4 bis Februar: Dokumente an Steuerberaterin übergeben. DATEV-Export oder Zugriff auf das Tool. Begleit-Dokumente: Anlagenverzeichnis, Kassenbuch-Jahres-PDF, alle Z-Bons als Monats-Päckchen.
  5. Februar–März: Steuerberaterin erstellt EÜR + Einkommensteuer-Erklärung. Du bekommst einen Entwurf zur Prüfung. 2 Stunden Zeit nehmen, durchlesen.
  6. April (oder Mai): Steuerberaterin reicht über ELSTER ein. Steuerbescheid kommt 2–6 Monate später vom Finanzamt.
  1. DATEV-Export oder Zugang zu deinem Buchhaltungstool.
  2. Anlagenverzeichnis (alle Gegenstände > 800 € netto, mit Absetzung für Abnutzung (AfA)-Plan).
  3. Kassenbuch-Jahres-PDF inkl. aller Z-Bons.
  4. Inventur-Liste zum 31.12. (Produkte auf Lager, Wert).
  5. Offene Posten (unbezahlte Rechnungen) per 31.12.
  6. Private Entnahmen-Liste und private Einlagen-Liste.
  7. Alle Bank-Kontoauszüge und Kreditkarten-Abrechnungen des Jahres.
  1. Inventur zum 31.12. Alle Produkte auf Lager zählen, mit EK-Preis bewerten. Liste signieren und datieren (siehe SOP 14).
  2. Kassenbestand zum 31.12. zählen, protokollieren (genaue Summe, Datum, Unterschrift).
  3. Offene Posten erfassen: alle Rechnungen, die noch offen sind (Kundinnen-Rückstände, eigene unbezahlte Rechnungen).
  4. Privatentnahmen-Gesamtsumme berechnen (alle persönlichen Auszahlungen vom Geschäfts-Konto).
Kosten Jahresabschluss

Für Solo-Kosmetikerin mit sauberer Monatsabschlüssen: 500–900 €. Ohne Monatsabschlüsse (reines „Schuhkarton-System"): 1.500–2.500 €. Das ist der Unterschied zwischen SOP 11 machen und nicht machen — und rechnet sich sofort.

Druckbare Jahresabschluss-Checklist
SOP 14 · Finanzen · Beschaffung

Beschaffung & Inventur — das vollständige Playbook

Wann: Inventur 1×/Monat + 31.12., Bestellung 2×/Monat Dauer: Inventur 30 Min., Bestellung 20 Min. Ziel: nie Produkt-Engpass, nie Kapital-Überhang
Einkauf ist kein Buchhaltungs-Thema — er ist der zweitgrößte Kostenblock nach Miete und entscheidet über Cashflow, Regal-Rendite und ob deine Behandlungen in zwei Wochen noch möglich sind. Lager zu voll = gebundenes Kapital plus ablaufendes Material. Lager zu leer = Behandlung wird abgesagt. Diese SOP macht aus dem Bauchgefühl ein System. Verwandt: Finanz-Guide Kap. 8 (Produkt-Performance & Margen), Wachstums-Guide Kap. 7 (Retail-Produktlinie).

Vor jeder Bestellung steht die Frage: Welche Kategorie ist das? Die Einkaufs-Logik (Menge, Rhythmus, Bindung, Marge) ist je Kategorie fundamental anders — und ein häufiger Fehler ist, alle Produkte gleich zu behandeln.

Kategorie A

Behandlungs-Verbrauch

Was: Peelings, Ampullen, Masken-Basen, Tupfer, Nitril-Handschuhe, Watte, Zellstoff. Verbrauch: täglich, gleichmäßig. Logik: Großhandels-Standard, 2–3 feste Lieferantinnen, ROP-Formel, keine Marke am Regal sichtbar.

Kategorie B

Retail / Home-Care

Was: Pflegeprodukte für den Weiterverkauf an Kundinnen. Verbrauch: Kunden­abhängig, oft langsam. Logik: hohe Marge (40–60 %), hohe Cashflow-Bindung, aktives Verkaufskonzept nötig. Wird über Performance-Kennzahlen gesteuert, nicht über Verbrauch (siehe Finanz-Guide).

Kategorie C

Spezial-Material

Was: Permanent Make-up (PMU)-Pigmente, Einmal-Nadeln, Wimpern-Starter-Sets. Verbrauch: periodisch, an Spezial-Behandlungen gebunden. Logik: rechtzeitig bestellen, oft herstellerdirekt, Mindestabnahmen beachten.

Nicht Teil dieser SOP: Investitionsgüter

Geräte (Laser, Hydrafacial, Lumenis), Möbel, Liegen, größere Ausstattung sind einmalige Investitions­entscheidungen mit anderer Logik — Finanzierung, Abschreibung, Förderung. Siehe Salon-Setup-Guide und Finanz-Guide Kap. 8.

14.1 beschreibt die Kategorien — hier die konkrete Einkaufsliste. Diese Artikel laufen täglich durch deine Hände und müssen nie ausgehen. Einmal als Bestellroutine etabliert, braucht das Thema 10 Minuten pro Monat.

Gruppe 1 · Hygiene & Körperschutz (täglich)
  • Nitril-Einweghandschuhe (latexfrei — Allergie-Sicherheit) · M/L/S
  • Medizinischer Mundschutz / FFP2 (je nach Behandlung)
  • Einweghauben
  • Einwegschürzen / Kittel
  • Wattepads (fusselfrei)
  • Wattestäbchen
  • Zellstoff-Rollen / Krepp
  • Einweg-Liegenüberzüge + Kopfstützen-Bezüge
Gruppe 2 · Desinfektion (VAH-gelistet — Pflicht!)
  • Händedesinfektion (Sterillium oder andere VAH-Liste, alkoholbasiert)
  • Flächendesinfektion (Bacillol AF, Mikrobac Forte)
  • Instrumentendesinfektion (Sonys Instru, Gigasept Instru AF)
  • Hautdesinfektion für prä-operative Behandlungen (Octenisan, Kodan Tinktur forte für PMU/Microneedling)
  • Einweg-Sterilisationsbeutel (bei Autoklav)
Gruppe 3 · Behandlungs-Einmalmaterial
  • Einweg-Spatel (Holz) für Masken / Wachs
  • Einweg-Mundspatel
  • Einweg-Applikationspinsel (Masken, Seren)
  • Einweg-Wachsstäbchen für Enthaarung
  • Lancetten einzelverpackt steril
  • Spezial-Nadeln einzelverpackt steril (PMU, Microneedling, Wimpern-Applikator-Nadeln)
  • Gel-Pads (Wimpern-Unterlid-Schutz)
  • Tapes (medizinisch)
Gruppe 4 · Wäsche & Textilien
  • Handtücher (waschbar, ca. 40 × 50 cm) — siehe SOP 15 für Entscheidung Service vs. Eigenwäsche
  • Einweg-Handtücher (Option für unterwegs / Notfall)
  • Turbane / Kopfbänder
  • Bademäntel / Cover-Ups (bei Premium-Behandlungen)
ArtikelEinheitMonatsverbrauchEK-Preis (€)Monatskosten (€)Lieferant
Nitril-Handschuhe M (Box 100 Stk)Box2–38–1220–35Amazon Business / Großhandel
Mundschutz medizinischBox 5011010Amazon Business
Wattepads (Pack 500)Pack166Großhandel
Wattestäbchen (Pack 500)Pack155Amazon / Drogerie
Zellstoff-Rolle 50 mRolle4416Großhandel
Einweg-Liegenauflage (Rolle 60 m)Rolle21530Praxisdienst
Händedesinfektion 1 L (Sterillium)Flasche2–31230BODE Chemie / Apotheke
Flächendesinfektion 2 LKanister12020BODE / Praxisdienst
Hautdesinfektion Octenisan 250 mlFlasche1–2812Apotheke
Sterile Lancetten (Pack 100)Pack11515Praxisdienst
PMU / Microneedling Nadeln (einzeln)Stk5–153–6 / Stk30–60PhiAcademy / Nouveau Contour
Einweg-Spatel (Pack 100)Pack1–244–8Großhandel
Einweg-Applikationspinsel (Pack 100)Pack188Großhandel
Wimpern-Kleber / PrimerFlasche0,525–4015–20Wimpern-Großhandel
Tapes / Gel-PadsPack11010Wimpern-Großhandel
Waschmittel / Desinfektions-Zusatz (bei Eigenwäsche)Flasche0,5126Drogerie
Druckerpapier / Anamnese-Blätter500 Bl.0,563Bürohandel
Gesamt-Monatskosten~250–320 €
Skalierung der Liste

Die Liste zielt auf ein 100-Behandlungen-Monat. Bei weniger (Start-Phase 40–60 / Monat) halbiere. Die Werte speisen direkt Finanz-Guide Kap. 8 (Retail-Performance) und die COGS-Kalkulation pro Behandlung.

Die Kern-Einkaufsliste oben deckt Behandlung und Hygiene ab. Darüber hinaus laufen monatlich weitere Kleinposten, die man leicht vergisst — aber sobald Toilettenpapier oder Diffuser-Öl leer ist, wirkt der Salon plötzlich „nicht professionell". Diese Liste ergänzt die Hauptliste.

1 · Sanitär & Hausgebrauch
  • Toilettenpapier (3-lagig, geruchsneutral): 4–6 Rollen/Monat, ~8 €
  • Handseife (nachfüllbar, hochwertig — keine billige Dusche-Seife): 1× alle 2 Monate, ~10 €
  • Küchenrolle / Papierhandtücher (Gästetoilette): 2–3/Monat, ~6 €
  • Spülmittel + Schwämme: 1× Monat, ~5 €
  • Mikrofaser-Reinigungstücher (Apparate, Spiegel): 1× Monat, ~5 €
  • Müllbeutel verschiedener Größen: 1× Quartal, ~8 €
  • WC-Reiniger + Glasreiniger: 1× Quartal, ~8 €

Kosten ca. 35–55 €/Monat

2 · Büro & Administration
  • Druckerpatronen (schwarz + farbig): 1× alle 2–3 Monate, ~40 € pro Satz
  • Druckerpapier 80 g A4: 500 Blatt alle 2 Monate, ~6 €
  • Foto-Papier (Zertifikate, Vorher-Nachher-Fotos): 1× Quartal, ~12 €
  • Kugelschreiber (Kundinnen greifen gerne mit, plus Branding-Effekt): 1× Monat 10–20 Stk, ~8–15 €
  • Permanent-Marker, Textmarker: 1× Quartal, ~5 €
  • Klebeband, Klebepunkte, Etiketten-Drucker-Rollen: 1× Quartal, ~8 €
  • Notizbücher (Tages-/Wochen-Planung): 1× Quartal, ~10 €
  • Umschläge + Briefmarken: 1× Monat, ~10 €
  • Ordner + Registerklappen: 1× Quartal, ~8 €

Kosten ca. 30–50 €/Monat

3 · Atmosphäre & Duft (wichtig fürs Brand-Erlebnis!)
  • Raumduft-Diffuser (Stick-Modell, nachfüllbar): Nachfüllung 1× Monat, ~12–20 €
  • Aromatherapie-Öle (Lavendel, Eukalyptus, Rose — passend zur Behandlung): 1× alle 2 Monate, ~15–25 €
  • Elektrischer Diffuser-Ultraschall + Öl-Set (optional): einmalig ~40 € Gerät
  • Kerzen (nur für Ambiente-Momente, nicht während Behandlung): 1× Monat, ~8–15 €
  • Blumen / frisches Grün (Empfangstheke, Behandlungszimmer): wöchentlich oder alle 2 Wochen 15–25 € → Monat ~40–60 €
  • Musik-Abo (Spotify for Business, Soundmachine): 10–15 €/Monat

Kosten ca. 80–130 €/Monat — hochwertig investiert, zahlt sich als Premium-Signal aus

4 · Kundinnen-Empfang (kostet wenig, wirkt groß)
  • Tee-Sortiment (hochwertig, loser Tee oder Pyramidenbeutel — kein 100er-Pack Lipton): 1× Quartal, ~20 €
  • Kaffee-Bohnen (wenn Siebträger) / Kapseln (Nespresso Pro): monatlich ~15–25 €
  • Stilles Wasser (Glasflaschen besser als Plastik): 3–4× Monat 6er-Packs, ~12 €
  • Sprudelwasser: 1–2× Monat, ~6 €
  • Honig, Kandiszucker, Milch-Alternativen (Hafer/Mandel): 1× Monat, ~10 €
  • Kleingebäck / Bio-Snacks / Schokoladen-Stückchen: 1× Monat, ~15–20 €
  • Servietten hochwertig (nicht Küchenrolle auf Tablett): 1× Quartal, ~8 €

Kosten ca. 50–80 €/Monat

Gesamt-Monatsbudget für Verbrauchsgüter
  • Behandlungs-Verbrauch (14.1a.2): ~250–320 €
  • Sanitär & Hausgebrauch: ~35–55 €
  • Büro: ~30–50 €
  • Atmosphäre: ~80–130 €
  • Kundinnen-Empfang: ~50–80 €
  • Gesamt: ~445–635 €/Monat

Das klingt viel. Aber wer bei Atmosphäre und Empfang spart, spart gleichzeitig den Premium-Eindruck weg. Eine Kundin zahlt 85 € für eine Behandlung — ob sie wiederkommt, entscheidet oft die Summe aus gutem Kaffee, Musik, Blumen, sauberer Toilette. 80–130 € für Atmosphäre sind die billigsten 130 € im Marketing-Mix.

Rationalisierungs-Tipps
  • Stammkunden-Lieferant für Blumen aufbauen (1× Woche fester Termin, günstiger als Spontan-Kauf)
  • Drogerie-Großeinkauf alle 6 Wochen (Rossmann/dm) statt Einzelkäufe
  • Amazon Business Abo für Büromaterial (schnelle Lieferung, Rechnung mit DATEV-Export)
  • Lokale Bio-Bäckerei für Snacks statt Kaffee-Ketten
Desinfektionsmittel MÜSSEN VAH-gelistet sein.

Der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) führt die offiziell anerkannten Produkte. Bei Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)-Kontrolle oder Gesundheitsamt-Prüfung ist eine nicht-VAH-konforme Desinfektion ein Hygiene-Verstoß — kostet Bußgeld und kann im Extremfall Zulassung gefährden.

  • Alle Desinfektionsprodukte auf VAH-Liste checken: vah-online.de
  • Dokumentation der verwendeten Produkte im Hygieneplan (Charge, Einwirkzeit, Konzentration)
  • MHD der Desinfektionsmittel nicht überschreiten (oft 6–12 Monate nach Öffnung)
  • Hochfrequent (Handschuhe, Tupfer, Händedesinfektion): 6–8 Wochen Vorrat pro Bestellung, Bestellung alle 2 Monate.
  • Mittelfrequent (Flächendesinfektion, Spatel, Wattepads): 3-Monats-Vorrat, Bestellung quartalsweise.
  • Niedrigfrequent (Sterilisations-Beutel, Haut-Desinfektion, Spezial-Nadeln): 6-Monats-Vorrat, Bestellung halbjährlich.
Großhandel (Hauptlieferant)

Praxisdienst, Kosmetik-Welt, Cosimax, CareMed — professionelle Salon-Qualität, Bulk-Preise, schnelle Lieferung.

Amazon Business

Standard-Hygiene (Handschuhe, Wattepads, Mundschutz) — oft günstigster Preis, keine Salon-Spezifität nötig.

BODE Chemie / B. Braun

Medizinisch-hygienische Desinfektion mit VAH-Listung (Sterillium, Bacillol, Kodan) — klinisches Niveau.

Lokale Apotheke

Notfall-Nachschub bei Lieferverzögerungen — teurer als Großhandel, aber schnell verfügbar.

Eine neue Lieferantin reinzulassen kostet mehr als gedacht — Bestellportal lernen, MOQ einhalten, Sortiment prüfen, Rechnungs-Workflow einrichten. Deshalb: sechs Kriterien durchgehen, bevor Rahmen­vertrag unterzeichnet wird.

Kriterium 01

Qualität & Marken-Ruf

Passt die Marke zur Premium-Positionierung des Ateliers? Ist sie in Fach-Foren (BFK, Kosmetik-Welt, Instagram-Communities) mit Respekt behandelt? Eine Marke, bei der Kolleginnen die Nase rümpfen, zieht deine Kundinnen nicht.

Kriterium 02

Einkaufspreis & Rabattstaffel

Welche Handelsspanne lässt die Unverbindliche Preisempfehlung (UVP)? Welche Rabattstufen gibt es (ab welchem Jahresumsatz)? Skonto bei schneller Zahlung? Einführungs-Kondition? Nicht den ersten Preis akzeptieren.

Kriterium 03

Lieferzuverlässigkeit

Zugesagte Lead-Time (z. B. „3 Werktage")? Was sagen andere Salons in der Community dazu? Eine Marke mit 14 Tagen Standard-Lead-Time braucht doppelten Sicherheitsbestand = mehr Kapital­bindung.

Kriterium 04

Mindestabnahme (MOQ)

Erst­bestellung mit 500 € MOQ ist für ein Solo-Atelier viel Geld. Premium-Marken haben oft 250–800 € Einstiegs-MOQ. Verhandelbar? Kleineres Test-Paket möglich?

Kriterium 05

Gebiets-Exklusivität

Bei exklusiven Marken (Maria Galland, La Biosthétique, teils Reviderm/Schrammek): Gibt es vor Ort schon eine Partnerin mit Schutz-Zone? Wenn ja, bekommst du die Marke gar nicht — oder nur mit Umweg. Vor Kontakt­aufnahme klären.

Kriterium 06

Support & Schulung

Premium-Hersteller stellen i. d. R. kostenlose Basis-Schulung, Vorher-Nachher-Fotos, Instagram-Templates, Testerinnen­programm, Fachberatung per Telefon. Das ist oft wertvoller als 3 % mehr Rabatt.

Konkrete Startliste für den Lieferanten-Aufbau. Grundregel: nie nur eine Lieferantin pro Kategorie (Ausfallrisiko bei Engpass). Mindestens zwei Optionen — eine Haupt-, eine Backup-Quelle.

KategorieEmpfohlene Lieferantinnen / MarkenZugangs-Modell
Behandlungs-Standardware
(Handschuhe, Tupfer, Zellstoff, Einmal-Material)
Praxisdienst, Kosmetik-Welt, cosimax.shop, CareMed B2B-Shop, sofortiger Zugang mit Gewerbe­nachweis. Lead-Time 2–4 Werktage.
Premium-Pflegelinie Gesicht
(Behandlung + Retail)
Dr. med. Christine Schrammek, Janssen Cosmetics, Reviderm, Maria Galland, La Biosthétique, Anesi Herstellerdirekt mit Gewerbe­nachweis & Fach­qualifikation. Erstberatung kostenlos, Einstiegs-MOQ meist 300–800 €. Exklusivität prüfen.
Dermokosmetik / Apotheken-Linie Dermapharm, Dermalogica, Eucerin pro, La Roche-Posay pro Teils über Distributorinnen, teils direkt. Gut als Zweit-Linie für Kundinnen mit Problemhaut.
PMU & Microblading PhiBrows / PhiAcademy (Pigmente SUPE-Serie), Nouveau Contour, Biotouch, Goochie An Academy-Mitgliedschaft gekoppelt (PhiBrows Pigmente nur für PhiAcademy-Artists). Nouveau Contour offen für alle mit Gewerbenachweis.
Wimpern-Extensions Wimpernexpert, BL Lashes, Dolls-Extensions, LASHBOOM, Miss Lashes B2B-Shops, oft sofortiger Zugang. Starter-Sets 80–250 €. Viele auch mit Schulungs­programm gekoppelt.
Brauen / Lifting Refectocil, Wimpernwelle, Elleebana, LashBrow B2B-Shops, teils über Fach-Großhändler (Kosmetik-Welt). Einzel-Sets ab 40 €.
Nagel / Hand- & Fußpflege Alessandro, OPI pro, CND, Gehwol (Fußpflege) Fach-Distributorinnen + direkte B2B-Shops. Bei Alessandro oft regionale Vertretung.
Exklusivitäts-Falle vermeiden

Einige Premium-Marken (speziell Maria Galland, La Biosthétique) gewähren einer Partner­kabine im PLZ-Gebiet Gebiets­schutz. Wenn du die Marke beim Hersteller anfragst und hörst „in deiner Region ist leider schon eine Partnerin" — das ist oft verhandelbar, wenn du ein anderes Positionierungs-Feld bespielst (z. B. Anti-Aging-Fokus vs. allgemein). Vor dem ersten Einkauf: schriftlich Exklusivitäts-Status klären, sonst verliert man später bei Wachstum Marken.

Lieferanten haben Verhandlungs­spielraum — man muss ihn nur ansprechen. Du bist als Neukundin gefragt; der Außendienst hat Interesse, dich langfristig zu binden. Das sind die acht Themen, die beim Erst­gespräch (vor Unterschrift) auf den Tisch gehören:

Die acht Verhandlungs-Hebel
  1. Einführungs-Rabatt — bei Erst­bestellung oft 10–20 % zusätzlich zur Standard-Handelsspanne. Ziel: das Atelier schmerz­los an die Marke gewöhnen.
  2. Testpakete & Samples — kostenlose Tester für Kundinnen-Beratung. Bei Premium-Marken Standard, wird aber nicht immer aktiv angeboten.
  3. Zahlungsziel 30 Tage — Standard ist oft 14 Tage oder Vorkasse. 30 Tage entlasten Cashflow deutlich.
  4. Skonto 2–3 % bei Zahlung binnen 10 Tagen — rechnet sich meist, vor allem wenn die Liquidität ohnehin da ist.
  5. Versand­kostenfrei ab Bestellwert X — vor allem beim Fach­großhändler ein Klassiker: ab 150 € oder 200 € ohne Versandkosten.
  6. Staffel-Rabatte schriftlich vereinbaren — „ab 2.500 € Jahres­umsatz X %, ab 5.000 € Y %" dokumentieren lassen.
  7. Natural-Rabatt — „bei 12 Flaschen eine gratis" o. ä. Bei Retail-Marken mit hoher UVP besonders wertvoll.
  8. Schulung & Marketing-Material — kostenlose Basis-Schulung, Vorher-Nachher-Fotos mit Rechte­freigabe, Instagram-Templates, Kundinnen-Broschüren.
Wie man die acht Hebel anspricht

Der Ton macht den Unterschied. Nicht „Gibt es Rabatt?" sondern: „Wir bauen gerade das Atelier auf und möchten eure Marke langfristig führen. Welche Einführungs­konditionen sind möglich, damit wir sicher starten?" — das positioniert dich als Partnerin, nicht als Bittstellerin. Das Gegenüber hat ein Interesse, dich zu gewinnen.

Bauchgefühl ist teuer. Die beiden Formeln unten beantworten präzise: Wann bestellen? und Wie viel? — sie sind die Betriebswirt­schafts­variante der „Reichweite < 3 Wochen"-Faustregel.

Reorder Point (ROP) — wann nachbestellen?

ROP = (Tagesverbrauch × Lead-Time in Tagen) + Sicherheitsbestand

Beispiel Reinigungs-Gel: Tagesverbrauch 0,3 Flaschen · Lead-Time Großhandel 3 Tage · Sicherheits­bestand 2 Flaschen (Puffer für Kundinnen-Spike oder Lieferverzug). ROP = (0,3 × 3) + 2 = 2,9 → bei 3 Flaschen Restbestand bestellen.

Der Sicherheitsbestand ist größer, je unzuverlässiger die Lieferantin und je schwankender der Verbrauch. Bei Premium-Marken mit 10-Tage-Lead-Time → mindestens 5–7 Tage Sicherheits­bestand oben­drauf.

Economic Order Quantity (EOQ) — wie viel bestellen?

Die exakte EOQ-Formel ist akademisch. Für ein Solo-Atelier reicht folgende Faustregel, gestaffelt nach Ticket­größe:

  • Kleine Tickets (bis 50 €): 8–12 Wochen Verbrauch bestellen — Portokosten amortisieren, kaum Kapital gebunden.
  • Mittlere Tickets (50–200 €): 4–8 Wochen Verbrauch — Balance zwischen Bestell-Aufwand und Kapital­bindung.
  • Große Tickets (> 200 €, Premium-Pflege): 2–4 Wochen Verbrauch — Cashflow-schonend, auch wenn man dadurch häufiger bestellt.
  1. 1. und 15. des Monats = Haupt-Bestelltage. Ein fester Termin im Kalender, 45 Min. Block. Alle ROP-Grenzen prüfen, Bestellungen gesammelt auslösen.
  2. Täglicher Abend-Check (2 Min.): Ist heute ein kritischer Artikel aufgebraucht? Bei Engpass-Risiko sofort Nach­bestellung — nicht warten bis 15.
  3. Samstag-Abgleich (10 Min.): Verbrauchs-Trend der Woche gegen Vorwoche. Auffälligkeiten notieren (Neues Produkt plötzlich populär? Altes plötzlich liegen geblieben?).
  4. Bestellungen bündeln, nicht splitten. Fünf Einzel­bestellungen an eine Lieferantin in einer Woche = fünfmal Versand­kosten, fünfmal Rechnungs­pflege, fünffacher Steuerberater-Aufwand.
  5. Saisonale Peaks antizipieren: Muttertag (Bestellung Mitte März), Weihnachten (Bestellung Anfang November), Valentinstag (Bestellung Anfang Januar). 6–8 Wochen Vorlauf, vor allem für Retail und Geschenk-Sets.
Warum 2 Fixtermine > „wenn's leer wird"

Ad-hoc-Bestellungen sind kognitiv teuer (jedes Mal „müsste ich…"). Zwei Fixtermine entlasten den Kopf und zwingen zur sauberen Vorbereitung. Das ist weniger ein Ordnungs­prinzip als eine Energie­spar­technik.

Jede Lieferung geht durch die gleiche 5-Punkte-Prüfung, bevor sie ins Lager wandert. Reklamationen sind nur in den ersten 7–14 Tagen nach Lieferung möglich — wer erst in drei Wochen bemerkt, dass zwei Flaschen fehlen, zahlt.

  1. Menge abgleichen mit Lieferschein. Jede Position zählen. Abweichung sofort (am selben Tag) fotografieren und per Mail/Telefon reklamieren.
  2. MHD prüfen. Mindestens 12 Monate Rest-Haltbarkeit. Kürzeres MHD reklamieren — besonders bei Premium-Pflege, wo Kundinnen das Produkt ja erst über Monate aufbrauchen. Naturkosmetik/Bio-Produkte mit Restlaufzeit unter 9 Monaten: gar nicht annehmen.
  3. PAO-Symbol dokumentieren (offenes Tiegel-Symbol mit Monatszahl: 6M, 12M, 24M). Typische Werte: Mascara 3–6 M, Augen­pflege 6–9 M, Gesichtscremes 12 M, Puder 18–24 M. Das ist die Frist, die mit dem Öffnen bei der Kundin startet.
  4. Verpackung unversehrt? Gebrochene Ampullen, undichte Flaschen, zerdrückte Kartons nicht akzeptieren — Foto vor Öffnen der Gesamt­lieferung, Reklamation.
  5. Rechnung prüfen & ablegen: Stimmen Preise, Rabatte, Mehrwertsteuer (MwSt).-Sätze mit Angebot überein? PDF in den Ordner „Lieferantenrechnungen [Jahr]/[Lieferantin]/" + DATEV-Ordner (oder Steuerberaterin-Workflow) ablegen.
Qualitäts-Check für den Wareneingang
  • Alle Positionen gezählt und Lieferschein abgehakt
  • MHD bei jedem Produkt geprüft (kleiner Punkt auf Unterseite)
  • Rechnung abgelegt und in der Buchhaltungs-App erfasst
  • Produkte mit MHD < 6 Monaten ins Fach „Priorität Verbrauch"
  1. Liste aus Vormonat hervorholen. Für jedes Produkt: Soll-Bestand, Ist-Bestand, Verbrauch, EK-Preis.
  2. Jedes Produkt zählen. Einzel­packung für Einzel­packung. Angebrochene Packungen: als „halb" zählen, nicht vergessen.
  3. MHD prüfen. Produkte mit MHD in den nächsten 30 Tagen: in ein separates Fach „MHD nah" und in der nächsten Behandlung priorisieren. Produkte mit MHD < 90 Tagen: Slow-Mover-Check (siehe 14.9).
  4. Verbrauch berechnen (Soll − Zugänge − Ist = Verbrauch). Gibt dir die Baseline für Wochen-Verbrauch und die Grundlage für die ROP-Formel.
  5. Besonderheiten notieren: Ist ein Produkt ungewöhnlich schnell weg? Oder steht ewig? Die Notiz ist Input für die monatliche SKU-Analyse (siehe Finanz-Guide Kap. 8 Retail-Performance).
  6. Liste signieren & archivieren (für Jahres­abschluss relevant).
Die Inventur zum 31.12. ist besonders wichtig

Der Jahres­end-Bestand geht in den Jahres­abschluss ein (Waren­wert zum Stichtag). Mach ihn am 31.12. abends oder am 2.1. — nicht dazwischen, weil sonst Buchungs­lücken entstehen. Foto der unter­schriebenen Liste machen und digital ablegen (Steuer­beraterin braucht das für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung).

Ein Produkt ist Slow-Mover, wenn sein Jahres-Umschlag < 2× liegt oder es seit 180 Tagen keinen Verkauf hatte. Hier die Kurzfassung der Reaktion — die ausführliche Analyse (inkl. 3-Stufen-Plan, SKU-Kennzahlen, Beispiel­rechnung) steht im Finanz-Guide Kap. 8.X Retail-Performance.

Die 3-Stufen-Reaktion auf Slow-Mover
  • Stufe 1 (6 Wochen): Re-Positionierung — vorne ins Regal, aktiv empfehlen, auf Instagram erwähnen. Kein Rabatt.
  • Stufe 2 (4 Wochen): Bundle-Aktion oder 2+1-gratis mit einem Grün-Produkt. Noch ohne Einzelrabatt.
  • Stufe 3: 30–40 % Rabatt, Mitarbeiter-/Eigenbedarf. Im Extremfall: vor MHD-Ablauf Abschreibung (Verlust hinnehmen, Regal freimachen).
Druckbare Inventur-Vorlage · Templates-Paket

Eine SOP zu Services & Outsourcing

Was kann nur die Gründerin — und was sollte sie NICHT tun? Jede Stunde an der Waschmaschine ist eine Stunde weniger am Behandlungstisch. Diese SOP zeigt, was sich ab welcher Umsatz-/Behandlungszahl auszulagern lohnt.

SOP 15 · Betrieb · Outsourcing

Services & Outsourcing — was auslagern, was selbst

Wann: bei jedem neuen Service-Bedarf & jährlich im Review Dauer: 30 Min. Entscheidungs-Check Ziel: Deine Zeit schützen für Umsatz & Marke
Was kann nur die Gründerin — und was sollte sie NICHT tun? Jede Stunde an der Waschmaschine ist eine Stunde weniger am Behandlungstisch. Diese SOP zeigt, was sich ab welcher Umsatz-/Behandlungszahl auszulagern lohnt. Verwandt: SOP 14 (Beschaffung), Finanz-Guide Kap. 8 (Retail & Margen).
Einfache Frage: Was kostet mich der Service pro Stunde? Was bringt mir die gesparte Stunde?
  • Kosmetik-Behandlung: 60–90 €/h Umsatz
  • Premium-Behandlung (PMU, HydraFacial): 120–180 €/h Umsatz
  • Wäsche / Putzen / administrative Tasks: 0 €/h

Wenn der Service günstiger ist als die Stunde wert und du die freie Zeit mit umsatzbringender Arbeit füllen kannst, lohnt sich Outsourcing. Im Zweifel: Delegieren.

Eigene Wäsche kostet mehr als man denkt
  • Strom + Wasser pro Waschgang: 1–2 €
  • Zeitaufwand pro Waschgang (Sortieren + Waschen + Aufhängen + Falten + Wegräumen): 30 Min = 15–30 € mit Stundensatz
  • Eine Ladung = ca. 15–20 Handtücher

Bei 100 Behandlungen/Monat × 3–5 Handtücher = 300–500 Handtücher → 15–25 Waschgänge/Monat → 270–510 €/Monat effektive Kosten (Zeit + Verbrauch).

Wäscheservice dagegen:

  • 0,30–0,70 €/Handtuch (je nach Anbieter/Volumen)
  • 300–500 × 0,50 € = 150–250 €/Monat
  • Zeit-Einsparung: ca. 10 h/Monat

Break-Even: ab ~50 Behandlungen/Monat fast immer zugunsten des Services.

AnbieterModellKostenVorteileEinschränkung
Elis Textilservice Mietwäsche bundesweit 0,40–0,60 €/Stk kein Eigeneinkauf nötig, einheitliches Branding möglich Mindest-Vertragslaufzeit 1–2 Jahre
Mewa Service Kauf + Waschen oder Mietmodell ähnlich Elis hochwertig, Berufskleidung dabei ähnliche Vertragsbindung
CWS Miet- und Waschservice ähnlich Elis große Variabilität Vertragsbindung
Bardusch Miet- und Waschservice ähnlich Elis regional auch in Süddeutschland Vertragsbindung
Lokale Wäscherei Allgäu
(z. B. Wäscherei Pfleger, Mayer Textilservice, Dönz Textilreinigung)
Wäsche eigener Bestand Abrechnung pro kg, ca. 2–4 €/kg flexibler, oft monatskündbar, lokaler Ansprechpartner kein Mietwäsche-Modell, eigener Bestand muss gekauft werden
Empfehlung nach Phase

Für Solo-Start: lokale Wäscherei monatskündbar — flexibler als Mietwäsche-Langzeitvertrag. Bei Wachstum ≥ 150 Behandlungen/Monat: Mietwäsche-Modell prüfen wegen einheitlichem Branding (Handtücher mit Logo).

Jahr 1 · direkt outsourcen (lohnt sofort)
  • Steuerberater (150 €/Monat) — nicht selbst machen, Fehler im Steuerrecht teurer
  • Wäscheservice (150–250 €/Monat) — ab 50 Behandlungen/Monat
  • IT- / Backup-Service (200–500 € Jahresvertrag) — ein Datenverlust kostet mehr
  • Webhoster + Domain-Verwaltung (ca. 100 €/Jahr)
Jahr 1–2 · prüfen und einführen
  • Grundreinigung 2×/Jahr (150–300 €/Termin) — tiefe Reinigung, Teppich- / Fensterrahmen-Details
  • Fensterputzer monatlich (30–60 €) — macht Eingang professionell
  • Buchhaltungs-Vorverarbeitung (100–200 €/Monat) — Belege scannen, sortieren — erst ab ~150 Belegen/Monat
Jahr 2–3 · bei Wachstum
  • Social-Media-VA (200–600 €/Monat für 10–15 h) — erst wenn Content-Strategie steht
  • Abendreinigung täglich 30 Min. (400–600 €/Monat) — ab 150+ Behandlungen/Monat
  • Rezeption / Assistenz Teilzeit (800–1.500 €/Monat) — ab ~180 Behandlungen/Monat
Gerätewartung jährlich (Pflicht)
  • 50–150 €/Gerät/Jahr
  • Laser, HIFU, Intense Pulsed Light (IPL): sicherheitstechnische Prüfung nach Medizinprodukte-Betreiberverordnung
  • Nicht selbst wegmachen — Dokumentation juristisch zwingend
Diese Dinge sind Kern-Identität des Ateliers — sie bleiben bei dir.
  • Kundinnen-Erstgespräch und Beziehungsaufbau — kein VA kann das
  • Social-Media-Stimme (Reels aufnehmen, Voice bleibt bei dir; Posting kann delegiert werden)
  • Pricing-Entscheidungen — strategisch, definiert Marke
  • Lieferantenauswahl Premium-Linie — bestimmt Qualitäts-Signatur
  • Jede Behandlung selbst (bis zur Skalierung mit Angestellter)
  • Zertifikats-Unterschrift — juristisch und emotional ihre Signatur
  1. Kostet der Service weniger als die Stunde deiner Zeit wert ist?
  2. Kannst du die freie Zeit mit umsatz­bringender Arbeit füllen?
  3. Gibt es einen Qualitätsverlust, der Kundinnen auffällt?
  4. Ist der Service rechtssicher (bei Wäsche: Hygiene-Standard 60 °C+)?
  5. Vertragsbindung akzeptabel (monatskündbar > Jahresvertrag)?
  6. Gibt es einen Backup-Anbieter falls Hauptanbieter ausfällt?
Das Mindset

Outsourcing ist keine Schwäche — es ist die Anerkennung, dass deine Zeit begrenzt ist und nicht jede Stunde den gleichen Wert schafft. Eine Solo-Unternehmerin, die alles selbst macht, ist nach 18 Monaten erschöpft. Eine, die früh auslagert, hat Energie für die Arbeit, die nur sie leisten kann.

In Bayern liegt Schnee manchmal fünf Monate im Jahr. Wer nicht räumt, haftet — bei einem Sturz einer Kundin vor dem Salon kann das schnell ein fünfstelliger Schaden werden. Hier die Rechtslage kompakt plus Optionen, wie du das lösen kannst. Verwandt: Rechtsformen-Guide (Versicherungen), Finanz-Guide (Berufshaftpflicht).

Wer ist verantwortlich?
  • Grundsätzlich: die Kommune (deine Stadt) — aber fast alle Kommunen in Bayern übertragen die Räumpflicht per Satzung auf Grundstückseigentümer oder Anlieger (Streusatzung). Das heißt: Als Ladenmieterin bist du oft in der Pflicht.
  • Im Mietvertrag wird die Räumpflicht meist vom Vermieter auf den gewerblichen Mieter übertragen. UNBEDINGT den Mietvertrag prüfen!
  • Haftung bei Unfällen: wer räumen soll und nicht räumt, haftet voll — die normale Betriebshaftpflicht deckt das meistens, aber nur wenn die Pflicht nicht grob fahrlässig verletzt wurde (z. B. 3 Tage nicht geräumt trotz Schneefall).
Pflicht-Details nach bayerischer Praxis:
  • Räum- und Streuzeit: werktags meist 7:00–20:00 Uhr, sonntags oft 9:00–20:00 Uhr (exakt: Straßenreinigungs-/Sicherungssatzung deiner Kommune prüfen)
  • Gehweg muss auf mind. 1,0–1,5 m Breite geräumt sein
  • Streuen: abstumpfendes Material (Sand, Splitt) erlaubt; Streusalz ist in den meisten bayerischen Kommunen verboten (Umwelt-, Pflanzenschutz)
  • Bei Dauer-Schneefall: alle 2–3 Stunden nachräumen
Option 1 · Selbst räumen
  • Kosten: Schneeschieber + Streu-Eimer einmalig ~40 €, Streu-Splitt 25-kg-Sack 5–8 €
  • Zeit: 10–30 Min pro Räumung, bei starkem Schneefall 2–3× täglich = bis 1,5 h/Tag
  • Bei 30 Schneetagen/Jahr × 1 h × 60 €/h Stundensatz = 1.800 € Zeitwert
  • Vorteil: kein Vertrag, volle Kontrolle
  • Nachteil: bindet Arbeitszeit, du musst vor Arbeitsbeginn 7 Uhr schon geräumt haben → früher aufstehen. Urlaubs-Vertretung nötig
Option 2 · Nachbarschaftshilfe / Aushilfskraft
  • Kosten: 12–20 €/Räum-Einsatz oder Monats-Pauschale 80–150 €
  • Typisch: Nachbar-Teenager, befreundeter Student, oder lokaler Hausmeister-Dienst
  • Vorteil: günstig, flexibel
  • Nachteil: rechtliche Lücke wenn Dienstleister nicht kommt → du haftest weiterhin; Zuverlässigkeit variabel
Option 3 · Professioneller Winterdienst (Vertrag)
  • Kosten: Pauschalpreis pro Saison 250–600 € (je nach Fläche und Häufigkeit) ODER einsatz­basiert 20–35 €/Räumung
  • Lokale Anbieter vor Ort: Hausmeisterservice, Garten- und Winterdienst, Gebäudeservice, lokale Gärtnerei-Dienste
  • Vertrag typisch: Nov–März Pauschale, automatisches Räumen ab Schneefall > 3 cm
  • Vorteil: rechtssicher (Haftungs-Übergang auf Dienstleister möglich bei korrekter Vertragsgestaltung), planbar
  • Nachteil: Fixkosten auch in milden Wintern

Jahr 1: selbst räumen — Kosten-Risiko minimal, Routine lernen.

Ab Jahr 2 (wenn Umsatz stabil): professioneller Winterdienst für 300–450 €/Saison. Lohnt sich auch zeitlich: eine vom Räumen freie Morgens-Stunde kann mit einer Erst-Behandlung schnell 70–90 € bringen.

Bei Hochwachstum (Jahr 3+) mit mehreren Behandlungen vor 9 Uhr: zwingend Winterdienst — die ersten Kundinnen dürfen nicht durch Schneemassen stapfen.

  • ☐ Streu-Splitt-Sack (25 kg) bestellen und beim Salon lagern
  • ☐ Schneeschieber + Eis-Kratzer einsatzbereit
  • ☐ Winterdienst-Vertrag prüfen/erneuern (Deadline meist 15. Oktober)
  • ☐ Räum-Satzung deiner Kommune erneut kurz prüfen (Zeiten!)
  • ☐ Haftpflicht-Police prüfen: Räumpflicht explizit versichert? (siehe Rechtsformen-Guide)
  • ☐ Mietvertrag-Klausel zur Räumpflicht nochmal lesen
  • ☐ Alternativen-Kontakt (Nachbar, Dienst): Liste mit 2–3 Backup-Optionen

Bei Streitfall zählt Nachweis. Protokolliere bei jedem Schneefall-Tag kurz (1 Zeile im Tages-Log):

  • Datum, Uhrzeit der Räumung
  • Wer hat geräumt (du oder Dienstleister)
  • Bei Dienstleister: Rechnung/Nachweis ablegen

Bei Glätte-Unfall im Gehbereich kann das später der Unterschied zwischen „gedeckt durch Haftpflicht" und „Privatvermögen haftet" sein.

Drei SOPs für Notfälle

Notfälle sind selten — aber wenn sie passieren, ist nicht der Moment zum Improvisieren. Die Protokolle hier sind so geschrieben, dass jede Mitarbeiterin sie in 30 Sekunden lesen und anwenden kann. Laminiert, an sichtbarer Stelle.

SOP 16 · Notfall

Blutung & Hautverletzung

Wann: Bei sichtbarer Blutung > 1 Tropfen Reaktionszeit: sofort Dokumentation: zwingend
Kleine Blutungen bei PMU, Microneedling, Sugaring oder Waxing sind nicht ungewöhnlich — aber jede muss korrekt behandelt werden, um Infektionsrisiko auszuschließen. Und: jeder Vorfall muss dokumentiert werden, weil im Zweifel später die Beweisbarkeit entscheidend ist.
  1. Ruhe bewahren, Kundin ansprechen: „Das ist ganz normal, ich mach das gleich sauber."
  2. Nitril-Einmalhandschuhe neu anziehen (auch wenn du schon welche anhast).
  3. Sterile Kompresse auflegen, sanft andrücken. Nie wegwischen, nicht scheuern.
  4. Bei größerer Blutung: Druckverband, Kundin aufrichten oder Bein hochlegen (je nach Ort).
  5. Nach Blutstillung: Hautantiseptikum auftragen (z. B. Octenisept).
  6. Pflaster wenn nötig — steril, hypoallergen.
  7. Kundin beobachten: Kreislauf stabil? Blass? Schwindel? Bei Unsicherheit: liegen lassen, Wasser anbieten, 10 Min. beobachten.
  8. Material-Entsorgung: Kompresse, Handschuhe in stichsicheren Abfall (bei Nadel-Verletzung) oder Hausmüll-Doppelsack (sonst).
  9. Dokumentation sofort: Datum, Uhrzeit, Behandlung, Stelle, Verlauf, Reaktion der Kundin, verwendetes Material.
Wann rufst du ärztliche Hilfe?
  • Blutung lässt sich nach 10 Minuten Druck nicht stoppen.
  • Kreislauf-Reaktion der Kundin (Blässe, Schwindel, Übelkeit, Schweiß).
  • Anaphylaktische Zeichen (siehe SOP 17).
  • Kundin hat Blut-/Gerinnungs-Vorerkrankung & Blutung ungewöhnlich stark.

In diesen Fällen: 112 anrufen, nicht zögern. Jede verlorene Minute kann ein Problem werden.

Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Eine kleine Blutung ist nichts Dramatisches — die Reaktion darauf darf es erst recht nicht sein. Wenn du ruhig bleibst, bleibt die Kundin ruhig. Die Schritte sitzen — du musst nicht nachdenken. Ruhe, Handschuhe, Kompresse, Druck. In der Reihenfolge. Dann Rest."

Druckbare Notfall-Karte
SOP 17 · Notfall

Allergische Reaktion

Wann: Bei sichtbarer Reaktion auf Produkt / Pigment Dringlichkeit: mittel bis hoch 112: bei Atemnot / Schwindel
Allergische Reaktionen auf Kosmetikprodukte oder PMU-Pigmente treten bei etwa 1 von 500 Kundinnen auf — meistens mild (Rötung, Juckreiz). Schwere Reaktionen (Atemnot, Kreislaufkollaps) sind selten, aber möglich. Die korrekte Reaktion in den ersten 5 Minuten entscheidet.
  1. Leicht: Rötung, Juckreiz, Schwellung an der Behandlungsstelle. Kreislauf stabil.
  2. Mittel: Ausgedehnte Rötung/Quaddeln über die Behandlungsstelle hinaus. Starker Juckreiz. Kreislauf ggf. leicht beeinflusst.
  3. Schwer: Atemnot, Schluckbeschwerden, Schwellung Zunge/Lippen/Hals, Blässe, Schwindel, Bewusstseinseinschränkung. → Anaphylaktischer Schock — 112 sofort.
  1. Behandlung sofort abbrechen.
  2. Produktrückstände mit sterilem Wasser abwaschen. Nie scheuern, nie mit noch mehr Produkt versuchen zu „überlagern".
  3. Kühlen: Cooling-Pack durch Tuch (nie direkt auf Haut).
  4. Kundin beruhigen: „Das passiert selten, aber vorkommen kann's. Ich kümmere mich jetzt darum, dass es wieder gut wird."
  5. Bei mittlerer Reaktion: Antihistamin-Gabe empfehlen (Cetirizin 10 mg aus Apotheke, wenn die Kundin das möchte). Hinweis: Du gibst es nicht — die Kundin entscheidet selbst.
  6. Termin für Folge-Check in 24 Std — wenn Rötung bleibt, zum Hautarzt schicken.
  7. Dokumentation: Produkt, Charge, Zeitpunkt, Symptome, Maßnahmen, Reaktion der Kundin.
  1. 112 anrufen, während du die folgenden Schritte machst — nicht warten.
  2. Kundin flach lagern, Beine hochlagern. Bei Atemnot: halb aufgerichtet.
  3. Beengende Kleidung lösen (Kragen, Gürtel).
  4. Beruhigen, bei Bewusstsein halten, aber nicht übermäßig ansprechen.
  5. Falls Kundin einen EpiPen mitführt (bekannte Allergie): helfen anzuwenden gemäß Anleitung.
  6. Bis Rettungsdienst eintrifft: beobachten, Vitalzeichen im Blick (Atmung, Bewusstsein).
  7. Nach Übergabe an Rettungsdienst: Produktname + Charge + Zeitpunkt an Sanitäter durchgeben.
  8. Dokumentation sofort nach Vorfall — alles, was passiert ist.
Vor jeder PMU / invasiven Behandlung

Vorherige Patch-Test-Pflicht bei Erstbehandlung. Auf Pigment-Probe 48 h vorher testen. Wenn nicht möglich: Behandlung darf nicht stattfinden. Das ist kein Luxus — das ist Basis-Standard, der vor genau diesem Fall schützt.

SOP 18 · Ausnahme

Beschwerde-Behandlung

Wann: Bei Unzufriedenheit (während/nach Termin) Dauer: 15–30 Minuten Ton: niemals defensiv
Beschwerden sind Geschenke — wenn man sie richtig behandelt. Eine korrekt gelöste Beschwerde bindet die Kundin stärker, als wenn es nie einen Problem gegeben hätte. Eine falsch behandelte Beschwerde produziert eine negative Google-Bewertung und verliert zehn potenzielle Neukundinnen.
  1. Anhören. Die Kundin ausreden lassen. Nichts relativieren. Nichts verteidigen. Notieren, falls hilfreich.
  2. Anerkennen. „Ich höre Sie — das ist verständlich, dass Sie enttäuscht sind." (Nicht: „Ich kann das nicht nachvollziehen". Auch nicht: „Das war wohl ein Einzelfall".)
  3. Analysieren. Rückfragen stellen. „Was genau war es — war es die Behandlung selbst? Das Ergebnis? Der Ablauf?" Ursache finden.
  4. Anbieten. Eine konkrete Lösung vorschlagen. Optionen: Korrektur-Termin kostenlos, Teilerstattung, Gutschein für andere Leistung, Vollerstattung. Gib die Lösung proaktiv, lass die Kundin nicht verhandeln müssen.
  5. Absichern. Termin für Follow-up vereinbaren (ob Kundin zum Korrektur-Termin kommt oder nicht). Nach 1 Woche kurze Nachricht: „Ich wollte einfach nachfragen, ob bei Ihnen alles gut ist."
Kundin ist mit Ergebnis unzufrieden (PMU-Farbe, Wimpern-Form) „Frau [Name], danke, dass Sie mir das direkt sagen. Ich möchte, dass Sie absolut zufrieden gehen — was stört Sie konkret? ... Okay, ich verstehe. Bei PMU ist die Farbe in den ersten Tagen nicht das endgültige Ergebnis — das Pigment hellt noch auf. Darf ich vorschlagen: wir sehen uns in 4 Wochen zum Refresh-Termin wieder, und ich korrigiere kostenlos, was dann noch verbessert werden kann. Passt das für Sie?"
Kundin hat konkrete Beschwerde über Ablauf (lange Wartezeit, Gerät defekt) „Frau [Name], das tut mir aufrichtig leid. [Konkrete Beschreibung wiederholen]. Das war nicht der Standard, den Sie von uns erwarten können. Ich schlage vor: Ihre heutige Behandlung geht auf uns — und wenn Sie es möchten, begleichen wir die Behandlung bei Ihrem nächsten Termin mit einem [50%-Nachlass / Gutschein über X €]. Passt das?"
Kundin schreibt negative Google-Bewertung (Öffentliche Antwort unter der Bewertung — niemals defensiv):
„Liebe [Vorname], es tut uns aufrichtig leid, dass Ihr Besuch bei uns nicht Ihren Erwartungen entsprochen hat. Ihr Feedback ist uns wichtig. Wir würden uns sehr freuen, persönlich mit Ihnen zu sprechen, um zu verstehen, was wir besser machen können — und zu schauen, wie wir die Situation für Sie wiedergutmachen können. Bitte schreiben Sie uns an [Email] oder rufen Sie an, ich melde mich umgehend. — [Dein Name]"
Niemals
  • Kundin unterbrechen, während sie sich beschwert.
  • „Das ist aber ungewöhnlich, normalerweise …" (= Kundin fühlt sich als Problem).
  • Öffentlich in Google-Antworten verteidigen („das stimmt nicht weil …").
  • Keine Lösung anbieten und auf „kommt ja erstmal selten vor" verweisen.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Beschwerden sind keine Niederlagen — sie sind Chancen. Eine Kundin, die sich beschwert, gibt dir die Chance, es zu reparieren. Eine, die sich nicht beschwert, geht einfach zur Konkurrenz. Deshalb: jede Beschwerde ist willkommen. Deine Haltung ist nicht ‚abwehren', sondern ‚dankbar zuhören, konkret lösen'."

10 Panik-Szenarien · 5-Minuten-Response

Wenn mitten in der Behandlung etwas kippt, brauchst du keinen Handlungs-Plan, sondern einen fertigen Satz und eine klare Handlung. Zehn Szenarien, die fast jede Solo-Gründerin in den ersten 90 Tagen trifft — auswendig lernen wie eine Feuerwehr-Übung.

PANIK-01

Payment-Terminal streikt

Auftreten: Hoch Reaktion: < 2 Min
Kundin steht an der Kasse, Karte wird nicht akzeptiert, Anzeige „Verbindungs-Fehler".
  1. Ruhig bleiben und lächeln. Deine Ruhe überträgt sich. Nicht hektisch tippen.
  2. Terminal einmal aus-/einschalten. 30 Sekunden warten, meist ist das Problem dann weg.
  3. Falls nicht: Hotspot vom Handy aktivieren und Terminal neu verbinden.
  4. Immer noch nicht: PayPal-Link per SMS senden oder Rechnung per Mail mit 3-Tage-Zahlungs-Ziel.
Wörtlich sagen „Oh, unser Terminal hat kurz einen Moment. Macht gar nichts — ich sende Ihnen einen PayPal-Link per SMS, Sie zahlen gemütlich zu Hause. Für mich heute das kleinste Problem des Tages."
PANIK-02

Kundin sagt 10 Min vor Termin ab

Auftreten: Monat 1: hoch Reaktion: < 5 Min
2-Std-Slot ist jetzt leer. Umsatz-Loch 80–140 €. Emotional ärgerlich — aber jetzt nicht.
  1. Freundliche Antwort per WhatsApp mit Direkt-Buchungs-Link für neuen Termin.
  2. Warteliste-WhatsApp-Broadcast aktivieren: „Freier Slot heute 14:00 — erste Antwort bekommt ihn, 10 % Last-Minute-Rabatt."
  3. Falls nicht gefüllt: Zeit produktiv nutzen — Content aufnehmen, Waren-Bestellung, Admin.
  4. Stornogebühr dokumentieren (bei < 24 Std: 50 % des Termin-Preises) und in Monat 2 das Buchungs-System zwingen, Kreditkarte als Garantie zu hinterlegen.
Wörtlich sagen „Danke für die Nachricht! Das Atelier hält den Slot mit 50 % Storno gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Ich schicke dir gleich 3 Ersatz-Termine im neuen Monat — welcher passt?"
PANIK-03

Wimpernkleber alle

Auftreten: Monat 1: wahrscheinlich Reaktion: < 4 Std
Kleber ist die einzige unverzichtbare Ware. Ohne ihn keine Behandlung.
  1. Notfall-Vorrat-Regel: Ab sofort 2 aktive + 2 Reserve-Tuben. Wer auf eine Reserve zurückgreift, bestellt am selben Tag neu.
  2. Express-Lieferanten vorab recherchiert: LashBase, Camellia, RefectoCil Direct — 24-Std-Versand.
  3. Kolleginnen-Netzwerk: Eine lokale WhatsApp-Gruppe mit Kolleginnen aus der Region hat immer eine, die aushilft — Rückgabe in frischer Tube.
  4. Als letzter Ausweg: Termin umlegen mit 20-€-Entschuldigungs-Gutschein.
PANIK-04

Strom fällt aus

Auftreten: Selten Reaktion: < 3 Min
Kein Licht, keine Lupenlampe, kein WLAN. Behandlung physisch nicht möglich.
  1. Sicherung prüfen (Sicherungs-Kasten-Standort auswendig lernen, schon bei Einzug).
  2. Nachbarn-Check: Flächen-Ausfall oder nur bei uns? → LEW-Störungs-Nummer 0800 3629 000 anrufen.
  3. Kundin aufklären mit Zeit-Horizont: „In 30 Min entweder fertig oder wir verschieben mit 20 % Rabatt."
  4. Power-Bank für Handy als Mindest-Ausstattung immer aufgeladen.
Wörtlich sagen „Wir haben gerade einen Stromausfall — das LEW-Netz ist informiert. Ich gebe Ihnen in 15 Minuten Bescheid, ob wir weitermachen können oder ob wir den Termin verschieben. Sie bekommen einen 20-€-Gutschein für die Unannehmlichkeit, versprochen."
PANIK-05

Zweite Kundin steht parallel vor der Tür

Auftreten: Monat 1–2: häufig Reaktion: < 1 Min
Doppel-Buchung oder Kundin kommt 30 Min zu früh — du bist in der Behandlung.
  1. Warte-Raum klar markieren (auch wenn es nur zwei Stühle sind). Wasser, Magazine.
  2. Kurz aus der Behandlungs-Zone kommen, in 30 Sekunden Situation klären.
  3. Falls Doppel-Buchung: ältere Buchung Vorrang, neue Kundin mit Sofort-Rabatt 25 % auf nächsten Termin vertrösten.
  4. Buchungs-System-Check: Doppel-Buchungs-Sperre aktiv? Am selben Abend prüfen.
Zur zweiten Kundin sagen „Schön dass du da bist! Ich bin gerade in der Behandlung, komme in 35 Minuten zu dir. Wenn du magst, kannst du jetzt entspannen oder eine Runde in den Hofgarten. Ich schreibe dir eine Nachricht, wenn wir loslegen können."
PANIK-06

Kollegen-Anfrage stört mitten in Behandlung

Auftreten: Monat 1: wöchentlich Reaktion: < 30 Sek
WhatsApp-Ping von Kolleginnen: „Hast du gerade Kleber zum Leihen?" — mitten in der Lash-Applikation.
  1. Handy ist im Behandlungs-Raum stumm, Apple Watch hat Fokus-Modus „Behandlung" aktiv.
  2. Standard-Auto-Reply in WhatsApp für Behandlungs-Zeit: „Bin bis 16:00 in Behandlungen, melde mich danach."
  3. Nach der Behandlung in 5-Min-Fenster alle Pings stapelweise beantworten.
Wichtige Regel

Während einer Behandlung wird nie auf WhatsApp geschaut. Nicht für Kolleginnen, nicht für den Freund, nicht für die Mutter. Kundin hat deine volle Aufmerksamkeit — das ist der Premium-Unterschied.

PANIK-07

Negative erste Bewertung auf Google

Auftreten: Wird passieren Reaktion: < 24 Std
1- oder 2-Sterne-Bewertung mit Text. Dein Profil ist noch klein — sie fällt massiv ins Gewicht.
  1. Nicht am selben Tag antworten. 24 Std Abstand, emotional runterkühlen.
  2. Öffentlich antworten: kurz, empathisch, lösungs-orientiert. Nie verteidigen, nie streiten.
  3. Privat kontaktieren, wenn Kundin identifizierbar: Termin zur Nachbesserung + Gutschein 50 €.
  4. 10 zufriedene Kundinnen aktiv um Bewertung bitten — das verwässert den Durchschnitt wieder.
Öffentliche Google-Antwort „Vielen Dank für die Rückmeldung — es tut mir sehr leid, dass der Besuch nicht die Erfahrung war, die ich mir für meine Kundinnen wünsche. Ich würde den Fall gerne persönlich verstehen und etwas ausgleichen. Bitte schreib mir eine kurze Mail an info@nurs-beauty-atelier.de — ich melde mich am selben Tag."
PANIK-08

Rücken-Schmerzen nach 6 Kundinnen

Auftreten: Monat 1: sehr wahrscheinlich Reaktion: Sofort
Wimpern-Extensions = stundenlang gebeugt. Ohne Gegenmaßnahmen ist der Rücken in Woche 4 ein ernstes Problem.
  1. Sattel-Hocker mit Rückenlehne (150–220 €) ist keine Luxus-Ausstattung, sondern Pflicht.
  2. Zwischen jeder Behandlung 90 Sek Dehn-Routine: Schulter-Rollen, Nacken-Seitneige, Katzenbuckel, Brust öffnen.
  3. Ab 5 Kundinnen/Tag: 15-Min-Rücken-Routine vor Feierabend — siehe Gesundheit-Guide.
  4. Physiotherapie prophylaktisch: einmal alle 4 Wochen, Prävention vor Heilung.
Warnsignal

Wenn der Rücken in Woche 2 schon abends brennt: Kundinnen-Zahl reduzieren, nicht „durchbeißen". Ein ausgefallener Monat wegen Bandscheibe kostet 8.000–15.000 € Umsatz. Ein freier Nachmittag diese Woche kostet 400 €.

PANIK-09

Kundin fragt nach Steuernummer auf Rechnung

Auftreten: Selten, aber peinlich Reaktion: < 10 Min
Kundin will Rechnung für Arbeitgeber (Weihnachts-Gutschein, Wellness-Budget).
  1. Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer auf jeder Rechnung automatisch (im Buchungs-System hinterlegt).
  2. Pflichtangaben für Rechnungen über 250 €: Vollständiger Name und Anschrift der Empfängerin, Leistungs-Beschreibung, Datum, Netto + Umsatzsteuer 19 % + Brutto, Rechnungs-Nummer fortlaufend.
  3. PDF-Rechnung automatisch per Mail nach Buchung — nie handschriftlich, nie Word.
PANIK-10

TSE-Kasse zeigt Fehler

Auftreten: Monat 1–3: 1–2× Reaktion: < 15 Min
Technische Sicherheitseinrichtung (TSE) lädt nicht, Bon nicht auszustellen. Ohne TSE-Bon droht Bußgeld bis 25.000 €.
  1. Ausfallzeit dokumentieren (Uhrzeit Beginn, Uhrzeit Ende, Kassenbelege in der Zwischenzeit papierbasiert mit fortlaufender Nummer).
  2. Kassen-Support anrufen (Tillhub, Lightspeed, orderbird je nach System).
  3. TSE-Ersatz-Zertifikat vom Hersteller (meist Swissbit oder Epson) anfordern, falls Hardware-Defekt.
  4. Nachträgliche Erfassung aller Bons, sobald System wieder läuft — mit Fehler-Protokoll in die Buchhaltung.
Was nie passieren darf

Barzahlung annehmen und „später in die Kasse buchen". Das ist bei TSE-Pflicht eine Ordnungswidrigkeit. Im Zweifel: Kundin bekommt die Behandlung geschenkt und kommt nächste Woche zahlend wieder — nie an der Kasse vorbei buchen.

Drei SOPs zur Tages-Struktur & Eigeninitiative

Die Routinen, die den Unterschied machen zwischen „da ist jemand" und „da läuft ein Salon". Wer den Tag briefet, die Leerlauf-Minuten richtig nutzt und weiß, welcher Dienst heute an ihr hängt, arbeitet selbständig — ohne dass du ständig neben ihr stehen musst. Diese drei SOPs greifen direkt ineinander: Briefing vorne, Leerlauf dazwischen, Rotation als Gerüst.

SOP 19 · Raum/Organisation

Morgen-Briefing

Wann: 15 Min. vor Öffnung, täglich Dauer: 15 Minuten Wer: Alle, die an diesem Tag arbeiten
Ein 15-Minuten-Briefing am Anfang jedes Arbeitstags ist das Gerüst für einen ruhigen Tag. Alle Termine, alle Kundinnen-Notizen (Allergien, Präferenzen, letzter Termin), alle Tages-Dienste und alle aktuellen Themen werden einmal laut durchgegangen. Wer briefet, wird nicht überrascht — und Kundinnen merken sofort, dass sie erwartet wurden.
  1. 15 Min. vor Öffnung an den Tresen setzen. Kaffee in der Hand, Booking-Tool offen, Termin-Notizen griffbereit.Das ist kein „noch schnell vorher" — das ist fester Bestandteil der Arbeitszeit.
  2. Terminübersicht des Tages öffnen (Booking-Tool). Überblick: wie viele Termine, welche Behandlungen, welche Pausen.
  3. Für jede Kundin Notizen laut durchgehen: Name, Uhrzeit, Behandlung, Allergien, besondere Wünsche, Stamm- oder Neukundin, letzter Termin und was dort Thema war.Laut aussprechen, nicht nur denken. Das Gehirn speichert hörbar anders.
  4. Merkblatt-Ausdruck pro Kundin vorbereiten, sobald mehr als vier Termine anstehen. Ein Blatt pro Kundin, ans Liegen-Regal oder in die Tages-Mappe.
  5. Dienste des Tages verteilen: Wer macht Kaffee? Wer macht WC-Checks? Wer macht Wäsche? Wer deckt den Empfangstresen, wenn die andere in der Kabine ist? (Bei Solo: alle Dienste auf dich — trotzdem einmal laut bestätigen.)
  6. Besondere Themen ansprechen: Lieferung heute? Social-Media-Content geplant? Wartungs-Termine? Krankmeldung einer Kollegin und wie das den Tag verändert?
  7. Briefing mit einem Satz schließen: „Okay, wir starten. Bei Fragen holst du mich." Danach ist der Tresen „scharf" — Kundinnen können kommen.
Kundinnen-Merkblatt · ein Blatt, eine Kundin Name: [Frau Nachname, Vorname] Zeit: [14:30 – 15:45] Behandlung: [Gesichtsbehandlung Premium, 75 Min.] Allergien / Unverträglichkeiten: [z. B. Duftstoffe, Parfüm-Öle — keine Lavendel-Linie] Vorlieben: [Stilles Wasser, Decke zusätzlich, leise Musik] Stamm- / Neukundin: [Stammkundin seit 2 Jahren / Neukundin] Letzter Termin: [vor 6 Wochen · Brauen-Lamination · war sehr zufrieden] Besondere Hinweise: [Tochter-Hochzeit in 2 Wochen — danach fragen; hat letzten Termin neue Arbeit erwähnt] Produkt-Empfehlung: [heute passend: Serum X — steht an Position 2 im Regal]
Qualitäts-Check: Briefing korrekt wenn …
  • Jede Kundin des Tages wurde einmal laut mit Name & Behandlung genannt.
  • Allergien und besondere Wünsche sind notiert, nicht nur „wissen wir schon".
  • Jeder Dienst hat einen Namen dahinter — niemand sagt „schauen wir dann".
  • Briefing endet pünktlich, nicht überzieht in die erste Kundinnen-Minute hinein.
Häufige Fehler
  • Briefing fällt aus, weil „heute wenig los" — gerade an ruhigen Tagen entsteht Schludrigkeit. Jeden Tag, ohne Ausnahme.
  • Kundinnen-Notizen nur schnell überflogen — dann vergisst man die Allergie, fragt nicht nach der Tochter-Hochzeit. Laut durchgehen.
  • Dienste „irgendwie" verteilt — führt abends zu stiller Ungerechtigkeit. Namen an Aufgaben, nicht Gefühle.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Das Briefing ist nicht Pflicht-Kür, das ist deine Versicherung. Stell dir vor, die erste Kundin kommt rein und du weißt: ‚Ah, Frau Schmidt — Duftstoff-Allergie, Tochter heiratet bald, kommt gerade aus einem stressigen Monat.' Du kannst sie begrüßen, als würdest du sie gut kennen. Das ist Premium. Ohne Briefing stehst du nur da und schaust auf einen Namen — der Unterschied ist nicht subtil, der ist riesig. Fünfzehn Minuten am Morgen, jeden Tag. Nie verhandelbar."

SOP 20 · Organisation/Eigeninitiative

Leerlauf-Zeit produktiv nutzen

Wann: Immer, wenn keine Kundin da ist Dauer: Situativ — 3 Min. bis 60 Min. Ziel: Aus Leerlauf Salon-Entwicklung machen
In einem gut geführten Premium-Salon gibt es immer etwas zu tun. Die Frage ist nur: Weißt du, WAS? Ohne klaren Plan wird aus „gerade keine Kundin" ein „am Handy scrollen" — und genau das bricht den Premium-Eindruck. Mit dieser SOP wird aus jeder leeren Viertelstunde ein kleiner Schritt nach vorne.
  1. Priorität 1 · Nächste Kundin vorbereiten. Liege herrichten, Produkte bereitstellen, Notizen zur Kundin noch einmal durchsehen. Nie „schon fertig", immer noch ein Detail, das besser geht.
  2. Priorität 2 · Jetzt-Aufgaben. Wäsche aus der Maschine holen und sortieren, Empfangstresen polieren, WC kurz checken, Teppich absaugen falls nötig, Produkte vorne ins Regal auffüllen.
  3. Priorität 3 · Wöchentliche Aufgaben. Produkt-Bestand zählen, Instagram-Story-Idee fotografieren (Liegenlandschaft, Nahaufnahme Produkte), Dankes-Karte an eine Stammkundin schreiben, Termine-nächste-Woche durchsehen.
  4. Priorität 4 · Monats-Aufgaben. Google-Bewertungen beantworten, Feedback-Liste durchsehen und Muster suchen, Social-Media-Content im Batch aufnehmen (4–5 Reels in einem Rutsch), Blog-/Newsletter-Entwurf skizzieren.
  5. Priorität 5 · Salon-Entwicklung. Ideen-Tafel ergänzen, Fortbildungs-Angebote recherchieren, Konkurrenz-Instagram analysieren (was funktioniert bei denen?), Produkt-Neuheiten der Marken sichten.

Wenn du mal wirklich nur drei Minuten nichts zu tun hast und dir nichts einfällt: lies deine SOP-Liste durch. Such dir aktiv etwas aus Priorität 2 oder 3 aus. Drei Minuten reichen, um den Empfangstresen zu polieren oder die Produktreihen im Regal zu richten. Nichts reicht nicht für „kurz aufs Handy".

Was in Kundinnen-Sicht NIE passieren darf
  • Am Handy privat scrollen vor Kundinnen-Sicht. Wenn Instagram für den Salon, dann offensichtlich (z. B. Story aufnehmen, Hashtags recherchieren laut kommentieren).
  • Essen am Empfangstresen. Pause wird in der Küche gemacht, mit Tür zu. Nie vor der Kundin kauen.
  • Mit Smartphone telefonieren in der Kundinnen-Zone. Private Gespräche: Küche, Tür zu. Salon-Gespräche: ruhiger Ton, kurz, professionell.
Qualitäts-Check: Leerlauf richtig genutzt wenn …
  • Am Ende des Tages kannst du drei konkrete Dinge nennen, die du in Leerlauf-Minuten erledigt hast.
  • Niemand hat dich am Handy privat scrollen gesehen.
  • Die nächste Kundin fand ein vollständig vorbereitetes Umfeld vor.
  • Die wöchentlichen Aufgaben sind diese Woche durch — nicht wieder auf Sonntag verschoben.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Leerlauf ist nicht Pause — Pause ist Pause, und die wird in der Küche gemacht, nicht im Salon. Leerlauf heißt: keine Kundin gerade hier, aber der Salon läuft. In diesen Minuten entscheidet sich, ob aus deinem Arbeitstag ein Tag wird, an dem der Salon ein Stück weitergekommen ist — oder einer, an dem du nur da warst. Merke dir die fünf Prioritäten. Wenn du's nicht weißt, frag nach. Nie: rumstehen und warten. Nie: Handy privat. Drei Minuten reichen für etwas."

SOP 21 · Organisation

Dienst-Rotation & Tagesverantwortlichkeiten

Wann: Wochenplan, jeden Montag neu Dauer: 10 Min. Planung, Rest automatisch Team-Größe: ab 2 Personen sinnvoll
Ohne klare Zuständigkeiten entsteht „das macht eh immer Anna" oder „ich dachte, du machst das". Beides produziert stille Ungerechtigkeit — und die ist giftiger für ein Team als jeder offene Streit. Eine wöchentliche Rotation sorgt dafür, dass jede Person alle Aufgaben kennt (Urlaubs-Vertretung wird einfach), die Verteilung gerecht ist und niemand sich übergangen fühlt.
DienstWas genauRotations-Regel
WC-CheckHalbstündlicher Blick, Papier & Seife nachfüllen, Spiegel wischenWechselnd pro Halbtag
Kaffee/Tee bereitenMaschine einschalten, Kannen spülen, Tee-Auswahl hübsch richtenWer den Salon morgens öffnet
WäscheWaschmaschine bestücken, entleeren, Handtücher zusammenlegen, ins RegalWer abends schließt
Empfangstresen aufräumenEnde des Tages: Tresen leer, Rechner zu, Visitenkarten aufgefülltWer den letzten Termin hatte
Produkt-AuffüllenRegal vorne prüfen, aus Lager nachlegen, Preisschilder kontrollierenMontags, Früh-Schicht
Blumen / DekoWasser wechseln, welke Blätter zupfen, neuer Strauß bei BedarfMittwochs, wer gerade Zeit hat
Instagram-StoryMindestens eine Story pro Tag — Kundinnen-Detail, Produkt, BehandlungWer Früh-Schicht hat
TagMorgens öffnetAbends schließtWC-Check vormittagsWC-Check nachmittags
MontagAnnaBettyAnnaBetty
DienstagBettyAnnaBettyAnna
MittwochAnnaBettyAnnaBetty
DonnerstagBettyAnnaBettyAnna
FreitagAnnaBettyAnnaBetty
Samstagwechselndwechselndwechselndwechselnd
  1. 10 Min. am Montagmorgen vor dem Briefing. Wochenplan für diese Woche ausdrucken (oder in gemeinsames Dokument schreiben).
  2. Dienste in feste Slots eintragen: öffnen, schließen, WC-Check, Wäsche, Produkte, Story.
  3. Ausnahmen markieren: Wer hat am Mittwoch den Zahnarzt? Wer kommt Freitag eine Stunde später? Entsprechend umverteilen.
  4. Plan sichtbar aufhängen (Pinnwand im Mitarbeiter-Bereich), außerdem Foto in den gemeinsamen Chat.
  5. Im Morgen-Briefing kurz erwähnen: „Heute öffnet Betty, schließt Anna, WC-Check vormittags Betty."
Warum Rotation wichtig ist
  • Gerechte Verteilung. Keine stille Ungerechtigkeit, weil immer dieselbe Person die unliebsamen Aufgaben macht.
  • Jede kennt alle Aufgaben. Urlaubs- und Krankheits-Vertretung funktioniert ohne zusätzliches Einarbeiten.
  • Kein „ich dachte, du machst das". Der Plan ist schriftlich, mit Namen, sichtbar. Diskussionen entfallen.
  • Wertschätzung für jede Aufgabe. Wer schon einmal Wäsche und WC gemacht hat, schätzt die Kollegin, die es normalerweise erledigt.
Qualitäts-Check: Rotation funktioniert wenn …
  • Jeder Dienst hat jede Woche einen Namen dahinter — nichts ist „wer gerade kann".
  • Über einen Monat gesehen haben alle Personen jeden Dienst mindestens einmal gemacht.
  • Niemand sagt „das mache ich immer" — weder stolz noch genervt.
  • Bei Krankmeldung kann die verbliebene Person alle Dienste übernehmen, weil sie sie kennt.
Trainings-Text für neue Mitarbeiterin

„Rotation klingt nach Bürokratie, ist aber das Gegenteil — sie nimmt Diskussion weg. Du musst nicht fragen, wer heute die Wäsche macht, du schaust auf den Plan. Und wenn du diese Woche die Wäsche hast und nächste Woche Anna, ist das fair. Du kennst alle Ecken des Salons, und wenn Anna mal krank ist, kannst du einspringen, ohne dass dir einer erklären muss, wo die Waschmaschinen-Tabs sind. Rotation ist Respekt in Plan-Form."

Wie du SOPs aktualisierst

SOPs sind keine Steintafeln. Sie entwickeln sich mit dem Salon. Jede neue Behandlung, jede bessere Lösung, jedes neue Werkzeug — das alles verändert Abläufe. Ein Handbuch, das nicht aktualisiert wird, wird nach sechs Monaten ignoriert. Eines, das aktualisiert wird, bleibt zehn Jahre nützlich.

Der Quartals-Check (alle 3 Monate, 45 Min.)

  1. Welche SOPs haben sich in der Praxis verändert (z. B. neues Produkt, neue Schritte)?
  2. Welche SOPs werden nicht mehr gebraucht?
  3. Welche neuen Abläufe sollten dokumentiert werden?
  4. Haben Mitarbeiterinnen Fragen, die nicht in der SOP beantwortet sind?

Der Jahres-Check (einmal jährlich, 2 Std.)

  1. Komplettes Handbuch durchlesen.
  2. Rechtliche Änderungen einarbeiten (z. B. neue Hygiene-Vorschriften, Steueränderungen).
  3. Version hochzählen (1.1, 1.2, 2.0) und Datum im Header aktualisieren.
  4. Mitarbeiterinnen über Änderungen informieren.
Ein lebendes Dokument

Wenn du merkst, dass eine SOP in der Praxis anders gemacht wird als dokumentiert — ist das ein Signal. Entweder dokumentiert falsch oder in der Praxis falsch. Beides klären, dann die richtige Version aufschreiben. Eine SOP, die in der Praxis nicht gelebt wird, ist weniger als keine SOP — sie ist irreführend.

Die Acht laminiert beigelegten Templates

Dieses Handbuch ist der Kontext. Für den Alltag haben wir acht druckbare Karten-Templates gebaut — jede deckt genau eine SOP ab, laminiert zum Aufhängen: Morgen, Turnaround, WC, Abend, Monatsabschluss, Jahresabschluss, Notfall, Telefon-Skripte.